Di 09.03. 2021 12:30Uhr 89:03 min

Die junge Clara (Katharina Schüttler) ist sehr gern mit Fritz (Maximilian Brückner) zusammen und freut sich auch für ihn, dass er im Studium weiterkommt - aber heiraten? Wo sie sich gerade den Studienplatz erkämpft hat? Clara wird ablehnen.
Die junge Clara (Katharina Schüttler) ist sehr gern mit Fritz (Maximilian Brückner) zusammen und freut sich auch für ihn, dass er im Studium weiterkommt - aber heiraten? Wo sie sich gerade den Studienplatz erkämpft hat? Clara wird ablehnen. Bildrechte: MDR/SWR/Petro Demenigg
MDR FERNSEHEN Di, 09.03.2021 12:30 13:58

Starke Frauen - Starke Geschichten Clara Immerwahr

Clara Immerwahr

Fernsehfilm, Deutschland 2014

100 Jahre Frauentag am 8. März

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"Clara Immerwahr" erzählt die scheiternde Emanzipationsgeschichte der ersten promovierten Chemikerin Deutschlands und stellt gleichzeitig die Frage nach Moral in der Wissenschaft.

Bilder zum Film

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Clara (Katharina Schüttler) und ihr Vater Philipp umarmen sich in der Familienwohnung.
Breslau, 1880er Jahre. Die intelligente und wissbegierige Clara Immerwahr (Katharina Schüttler, li.) will ihr Abitur machen, um Chemikerin zu werden. Für eine junge Frau im Deutschen Reich ein schwerer, mühsamer Weg - doch dank der Unterstützung ihrer Familie, insbesondere ihres Vaters Philipp (August Zirner, re.), gelingt es ihr. Als sie als Hörerin der physikalischen Chemie an der Universität Breslau aufgenommen wird, ist sie überglücklich. Bildrechte: MDR/SWR/Petro Demenigg
Clara (Katharina Schüttler) und ihr Vater Philipp umarmen sich in der Familienwohnung.
Breslau, 1880er Jahre. Die intelligente und wissbegierige Clara Immerwahr (Katharina Schüttler, li.) will ihr Abitur machen, um Chemikerin zu werden. Für eine junge Frau im Deutschen Reich ein schwerer, mühsamer Weg - doch dank der Unterstützung ihrer Familie, insbesondere ihres Vaters Philipp (August Zirner, re.), gelingt es ihr. Als sie als Hörerin der physikalischen Chemie an der Universität Breslau aufgenommen wird, ist sie überglücklich. Bildrechte: MDR/SWR/Petro Demenigg
Die junge Clara (Katharina Schüttler) ist sehr gern mit Fritz (Maximilian Brückner) zusammen und freut sich auch für ihn, dass er im Studium weiterkommt - aber heiraten? Wo sie sich gerade den Studienplatz erkämpft hat? Clara wird ablehnen.
Kurz vor ihrem Studienbeginn lernt sie Fritz Haber kennen, der wie sie aus einer jüdischen Breslauer Familie stammt, sich ebenfalls für Chemie begeistert und das Fach in Berlin studiert. Aus der gemeinsamen Leidenschaft für die Forschung wird schnell eine Romanze. Der verliebte Fritz bittet Clara, ihn zu heiraten. Würde sie zustimmen, müsste sie ihr Studium aufgeben - keine Option für Clara. Sie lehnt ab. Als sie das Studium in Breslau aufnimmt, wird sie mit dem Misstrauen, der Ablehnung und dem Frauenhass der durchweg männlichen Akademikerkollegen konfrontiert und muss hart kämpfen, um sich Anerkennung zu verschaffen. Zumindest teilweise mit Erfolg: Der Professor Richard Abegg erkennt die außerordentlichen Fähigkeiten seiner Studentin und unterstützt sie. Bildrechte: MDR/SWR/Petro Demenigg
Rektor Engler (Peter Simonischek) hat Clara (Katharina Schüttler) Hausverbot im Institut in Karlruhe erteilt. Als sie sich das nicht gefallen lassen will, endet ihr Kampf mit einer Demütigung.
Zehn Jahre später taucht Fritz Haber wieder in Claras Leben auf. Sie ist inzwischen Doktorin der Chemie und arbeitet als Abeggs Assistentin. Fritz schlägt ihr vor, mit gemeinsamer Forschung das Nährstoffproblem der Landwirtschaft mittels der Synthese von Ammoniak als Grundlage für künstlichen Dünger zu lösen. Clara ist von dieser Idee begeistert - die beiden heiraten und beginnen in Karlsruhe mit ihrer Forschung. Doch auch dort leidet Clara unter den ständigen Aggressionen und Angriffen ihrer frauenfeindlichen Kollegen - besonders Rektor Engler, dem Leiter des Instituts. Als sie schwanger wird und nach einer schweren Geburt den Sohn Herrmann zur Welt bringt, kann sie nicht mehr auf die berufliche Unterstützung und Anerkennung ihres Ehemanns hoffen. Fritz will sie in die Rolle der Hausfrau und Mutter drängen, um seinem Aufstieg nicht im Wege zu stehen. Als der Rektors Clara schließlich grundlos ein Hausverbot für das Institut erteilt und sie lautstark dagegen protestiert, wird sie in die Psychiatrie gezwungen. Bildrechte: MDR/SWR/Petro Demenigg
Zu der Demütigung, aus dem Institut geworfen zu werden, kommt noch Claras (Katharina Schüttler) Trauer um den Verlust des Andenkens an ihre Großmutter.
Als endlich der Durchbruch - die Synthese von Wasserstoff und Stickstoff zu Ammoniak - gelingt, streicht allein Fritz den Ruhm für die Forschung der beiden ein. Während in Europa die Zeichen auf Krieg stehen, spürt Clara immer deutlicher, dass Fritz ihre pazifistische Weltanschauung nicht teilt. Als Clara zufällig mitbekommt, dass Fritz für das Militär Giftgas entwickelt, versucht sie, ihn mit allen Mitteln von dieser "Perversion der Wissenschaft", wie sie es nennt, abzubringen - erfolglos. Er macht weiter und ist sogar stolz, als der Giftgasangriff auf die französische Stadt Ypern im April 1915 "Erfolg" hat und unzählige Zivilisten tötet. Clara kann die grausamen Taten ihres Mannes nicht länger ertragen und trifft die Entscheidung, ihr Leben zu beenden. Bildrechte: MDR/SWR/Petro Demenigg
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Breslau, 1880er Jahre. Clara Immerwahr ist intelligent und wissbegierig und wird darin von ihrer weltoffenen jüdischen Familie unterstützt. Angeregt von ihrem Vater Philipp hat sie großes Interesse an chemischen Forschungen. Clara will unbedingt das Abitur machen, was im deutschen Reich für Mädchen nur auf mühseligen Umwegen möglich ist. Doch sie kann das nicht schrecken. Überglücklich ist sie, als es ihr gelingt, nach dem externen Abitur an der Universität Breslau als Hörerin der physikalischen Chemie aufgenommen zu werden.

Kurz vor ihrem Studienbeginn lernt sie Fritz Haber kennen, der aus einer Breslauer Kaufmannsfamilie stammt. Fritz ist ebenfalls begeisterter Chemiker, studiert in Berlin und ist entschlossen, Karriere im Universitätsbetrieb zu machen. Aus der gemeinsamen Leidenschaft für die Forschung wird schnell eine Romanze. Der verliebte Fritz bittet Clara, ihn zu heiraten. Doch die junge Frau kann sich nicht dafür entscheiden. Sie will keinesfalls das Studium aufgeben und lehnt deshalb den enttäuschten Fritz ab. In der Universität muss sie zwar gegen das Misstrauen und die Ablehnung in der akademischen Männerwelt kämpfen, aber sie wird auch gefördert. Vor allem Professor Richard Abegg erkennt die Fähigkeiten seiner Studentin und unterstützt sie.

Zehn Jahre später taucht Fritz Haber wieder in Claras Leben auf. Sie hat es inzwischen zur Doktorin der Chemie gebracht und arbeitet als Abeggs Assistentin. Fritz seinerseits hat die ersten Stufen einer erfolgreichen Hochschulkarriere erklommen. Er hat Clara nicht vergessen, wirbt um sie nicht mehr mit kleinen Experimenten, sondern mit seinem großen Plan: Er will das Nährstoffproblem der Landwirtschaft lösen, indem er Ammoniak als Grundlage für künstlichen Dünger synthetisiert. Brot aus Luft - für dieses Ziel und die schöne Vorstellung, gemeinsam daran zu forschen, begeistert sich auch Clara. Sie sagt ja. Die beiden heiraten und Fritz nimmt Clara stolz nach Karlsruhe mit.

Dort erfüllt er den Wunsch seiner Frau, sie an der Arbeit im Labor zu beteiligen. Das ist mehr als außergewöhnlich, und Rektor Engler, Leiter des Instituts, verhält sich entsprechend ablehnend Clara gegenüber. Die ist nicht so abgehärtet, wie es in dieser frauenfeindlichen Umgebung notwendig wäre und leidet unter den Angriffen. Spätestens als sie schwanger wird und nach einer schweren Geburt den Sohn Herrmann zur Welt bringt, lässt auch Fritz' Enthusiasmus, seine Frau als Forscherin zu beteiligen, nach. Jetzt will er, dass Clara weniger auffällt und seinem mühsam erkämpften Aufstieg nicht im Wege steht. Ihre Ideen zu den Problemen bei der Ammoniaksynthese will er inzwischen gar nicht mehr hören. Die Situation spitzt sich zu, als der Rektor, während Fritz verreist ist, Clara sogar Hausverbot am Institut erteilt. Weil sie lautstark protestiert, wird sie vorübergehend in die Psychiatrie gesteckt.

Eine Ehe wie die von Pierre und Marie Curie: das war Claras Traum. Der zerbröselt nun. Fritz hofft zwar, dass die Kluft zwischen ihnen wieder verschwindet, als ihm endlich der Durchbruch - die Synthese von Wasserstoff und Stickstoff zu Ammoniak - gelingt. Doch trotz aller Freude fühlt Clara sich neben ihrem genialischen Mann unausgefüllt und unbeachtet. Die beiden streiten oder gehen einander aus dem Weg, auch in Berlin, wo Fritz seinen Aufstieg fortsetzt.

Während in Europa die Zeichen auf Krieg stehen, werden zwischen Clara und Fritz Haber die weltanschaulichen Unterschiede gravierender. Fritz arbeitet intensiv mit dem Militär zusammen, was die Pazifistin Clara ablehnt. Als sie zufällig mitbekommt, dass er dabei ist Giftgas zu entwickeln, ist sie entsetzt und versucht, ihn mit allen Mitteln davon abzubringen. In ihren Augen ist das Perversion der Wissenschaft. Sie bleibt erfolglos.

Fritz genießt die Anerkennung durch die Offiziere, außerdem meint er, für den Sieg und damit für den baldigen Frieden zu arbeiten. Er macht weiter und ist stolz, als der Giftgasangriff in der Schlacht bei Ypern im April 1915 Erfolg hat. An der Siegesfeier, die Fritz danach ausrichtet, nimmt seine Frau demonstrativ nicht teil. In der Nacht danach greift Dr. Clara Immerwahr zur Dienstwaffe ihres Mannes und erschießt sich.
Mitwirkende
Musik: Lothar Scherpe
Kamera: Helmut Pirnat
Buch: Susanne Freund, Burt Weinshanker
Regie: Harald Sicheritz
Darsteller
Clara Immerwahr: Katharina Schüttler
Fritz Haber: Maximilian Brückner
Philipp Immerwahr: August Zirner
Schwester Lotte: Steffi Dvorak
Großmamma Immerwahr: Elisabeth Orth
Rektor Engler: Peter Simonischek
Dr. David Sachs: Philipp Hochmair
Otto Sackur: Simon Schwarz
Siegfried Haber: Wolf Bachofer
Prof. Abegg: Lucas Gregorowicz
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