Do 25.03. 2021 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Moderatorin 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 25.03.2021 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Fotografie in einer Ausstellung 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Themen:

* Zwischen Schein und Sein - Modegrafik in der DDR
* "Aznavour by Charles" – Ein Film in privaten Bildern
* Becoming Feininger - Lyonel Feininger zum 150. Geburtstag
* Die Stadt Erfurt möchte Welterbe der UNESCO werden
* Kulturkalender

* Zwischen Schein und Sein - Modegrafik in der DDR
Im Lehmstedt Verlag ist ein opulenter Bildband erschienen über ein Stück Modegeschichte, das lange wenig Beachtung fand: die Modegrafik in der DDR. Wolfgang Joop schreibt im Vorwort, wie erstaunt, überrascht und begeistert er sei, wie kreativ und mutig die ModedesignerInnen in der DDR waren.
Besonders das Studium der „Modegestaltung“ an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee hat eine kreative Elite herangezogen, die alles andere als „sozialistisch“ war. Die Modedesignerin Eva Mücke erzählt, dass die ModegestalterInnen in der DDR natürlich von den Laufstegen in Paris und Mailand inspiriert wurden. „Wir wussten einfach, was man trägt.“ Mode wurde in der DDR zum Ausdruck einer inneren Freiheit. Individualität im Kleidungsstil war möglich, mit eleganter oder auch oft selbst geschneiderter Mode konnte man den Widrigkeiten des Alltags begegnen.

Auch die Politik wusste um die Kraft, die in der Mode steckt, und so wurde Anfang der 70er Jahre das exklusive Modellabel EXQUISIT gegründet. Der Erfolg war enorm. EXQUISIT konnte Ende der 80er Jahre mit seinen Kollektionen auch auf dem internationalen Markt mithalten. Arthur Winter, der Chef von EXQUISIT, kaufte Stoffe in Italien oder auch Japan an und schickte sogar seine Studenten aus der Modeklasse in Weißensee nach Paris zum Praktikum. Doch nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde EXQUISIT abgewickelt, das DDR-Modedesign interessierte plötzlich keinen mehr. Und so verschwanden auch die vielen großartigen Entwürfe in der Schublade.

Die Designerin Ute Lindner wollte das ändern und hat die unglaublich vielseitigen Modegrafiken aus der DDR gesammelt und archiviert. Diese wunderbaren Arbeiten in einem Buch zu vereinen, das war ihr großer Traum. „Damit dieses Stück Modegeschichte nicht verloren geht.“
Autorin: Henrike Sandner

* „Aznavour by Charles“ – Ein Film in privaten Bildern
1948 schenkte Edith Piaf dem damals 24-jährigen Charles Aznavour eine Paillard-Bolex-Kamera, eine kleine Handkamera, die er sein Leben lang behielt. Bis 1982 drehte er unzählige Stunden von Bildmaterial - seine Reisen, seine Freunde, seine Liebesbeziehungen, sein persönliches Tagebuch. Erst mit 94 Jahren, kurz vor seinem Tod 2018, begann Charles Aznavour, das Material mit dem Filmemacher Marc di Domenico zu sichten - und der entschied, daraus einen Film zu machen. Kommentiert werden diese einzigartigen privaten Filmaufnahmen mit Zitaten aus den Memoiren Aznavours. Entstanden ist ein poetischer Blick auf das Leben des legendären Chansonniers - der Film "Aznavour by Charles". Demnächst soll der Film in den Kinos zu sehen sein.
Autor: Lutz Pehnert

* Becoming Feininger - Lyonel Feininger zum 150. Geburtstag (28.03.2021 - 12.09.2021)
Das weltweit einzige Museum, das sich allein den Werken des deutsch-amerikanischen Künstlers Lyonel Feininger widmet, öffnet in Quedlinburg nun wieder seine Türen - zumindest einen Spalt breit. Anlass ist der 150. Geburtstag Feiningers im Juli dieses Jahres. Als Sohn ausgewanderter deutscher Musiker wurde er 1871 in den USA geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Von einer Jugendreise nach Deutschland wollte er allerdings nicht mehr zurück, studierte in Hamburg und Berlin Kunst und wurde bald einer der begehrtesten Zeitungskarikaturisten. Ab 1905 widmete er sich auch der Druckgrafik und ab 1907 der Malerei. In wenigen Jahren emanzipierte sich Feininger zu einem der wichtigsten Vertreter der Moderne.

Den Sommer 1917 verbrachte er in Braunlage (Harz). Dort legte er sein grandioses Holzschnittwerk an. 1919 berief Walter Gropius ihn ans Bauhaus, wo Feininger „Meister der Formlehre" wurde und ab 1920 auch die Druckwerkstatt übernahm. So wurde er einer der ersten Bauhausmeister in Weimar und bald einer der prägendsten und bedeutendsten Künstler der Moderne. Den vorläufigen Höhepunkt seines Schaffens bilden die Halle-Werke, die Ende der 20er Jahre entstanden. Die Machtergreifung der Nazis trieb ihn 1937 mit seiner 2. Frau zurück in die USA, wo er 1944 endlich eine große Retrospektive im MoMA zeigen konnte. Die thüringischen Dörfer und die wilde Ostseeküste blieben Zeit seines Lebens seine Sehnsuchtsorte. Lyonel Feininger starb am 13. Januar 1956 in New York. Erstmals werden im Rahmen der Jubliläumsausstellung drei Feininger-Sammlungen zusammengeführt: die Sammlung Dr. Hermann Klumpp in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg, Werke aus der Feininger-Sammlung des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) und Arbeiten aus der 2019 gegründeten Stiftung Lyonel-Feininger-Sammlung Armin Rühl. "artour" stellt Werk und Biografie Lyonel Feiningers vor.
Autor: Dennis Wagner

* Die Stadt Erfurt möchte Welterbe der UNESCO werden
Die Stadt Erfurt bewirbt sich mit ihren einzigartigen jüdischen Zeitzeugnissen aus dem Mittelalter - wie der ältesten Synagoge Mitteleuropas und dem Erfurter Schatz - um den Titel UNESCO Welterbe. Voraussichtlich im Sommer 2022 entscheidet die UNESCO-Kommission über den Erfolg des Antrags. Die Kunsthistorikerin Maria Stürzebecher wurde Unesco-Beauftragte der Stadt, lenkt und leitet die Forschungsarbeiten, reist zu internationalen Symposien und Ausstellungen, holt Wissenschaftler nach Erfurt, verfasst Broschüren und Bücher und ist mit jedem Tag mehr vom Erbe Erfurts begeistert. "Was Erfurt an steinernen Zeugnissen jüdischer Geschichte besitzt, ist einzigartig in der Welt", sagt sie. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sich Erfurt den Titel holen will.
Autorin: Marina Farschid)

Kulturkalender
* Andreas Gursky - Austellung im Museum der Bildenden Künste in Leipzig 25.03.2021 bis 22.08.2021
* Theater Weimar - Streaming: Historische Inszenierung von 1978 "Der Besuch der alten Dame"
* Geburtstagsedition BAP „Alles fließt" mit unveröffentlichten Titeln zum 70. Geburtstag Wolfgang Niedeckens am 30.03.2021
Autorin: Julia Ribbe

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