Do 22.04. 2021 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

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Moderator 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 22.04.2021 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

KuKa 3 min
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* Die Dekolonisierungsdebatten in deutschen Museen und die unbekannten Schätze in ihren Depots

Wir sammeln Fußballbilder, Espressotassen, Bierdeckel, Wahlplakate - es gibt nichts, was nicht zu sammeln wäre. Doch was ist der Sinn dieser "Kulturtechnik"? Kaum ein Ort kann über diese Frage besser Auskunft geben als ein Museum. Zu tausenden werden hier Objekte permanent betitelt, digitalisiert, versteckt oder auch wiederentdeckt. Normalerweise gewähren Museen keinen Einblick in ihre Depots, die Herzkammern der Sammelleidenschaft. Der Künstlerin Anja Nitz aber ist es gelungen, in den Depoträumen der Völkerkundemuseen Sachsen zu fotografieren.

Ihr Bildband "Depot" ist nun im Kerber Verlag erschienen. Er zeigt beeindruckende Fotografien von der Kampfzone gegen die Vergänglichkeit. Diese Arbeit ist zugleich auch ein wichtiger Beitrag für die aktuelle Debatte um den Umgang mit unserem kolonialen Erbe.

"artour" spricht mit der Fotografin Anja Nitz und der Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen Sachsens, Léontine Meijer-van Mensch.
(Autorin: Simone Unger)


* "Putins Macht" - Hubert Seipel und seine Exegese des russischen Präsidenten

Wenn es in Deutschland um Nachrichten, Berichte und Analysen von und über den russischen Präsidenten geht, dann gibt es Journalisten - und es gibt Hubert Seipel. Niemand unter Deutschlands tatsächlichen oder selbsternannten Kremlkennern hat diesen Zugang zu Wladimir Putin wie Seipel. Er hat einen direkten und persönlichen Draht zum russischen Präsidenten - er kann ihn anrufen und bekommt relativ zügig einen Termin. Oft auch lange Termine, die beiden sitzen dann einen ganzen Abend bis tief in die Nacht zusammen und reden.

Putin trinkt keinen Wodka, maximal zwei Gläser Wein - so berichtet Seipel im "artour"-Interview. Seipels neues Buch trägt den Titel "Putins Macht. Warum Europa Russland braucht". Darin analysiert er das angespannte und seit der Nawalny-Affäre völlig zerrüttete Verhältnis zwischen Deutschland und Russland. Seipel hat dem russischen Präsidenten bei ihren langen Gesprächen sehr gut zugehört, denn er lässt uns dessen Einschätzung der geostrategischen Ränkespiele wissen: Der russische Präsident ist der festen Überzeugung, dass amerikanische Außenpolitik ein wichtiges Ziel verfolgt: Europa zu spalten und um jeden Preis ein vernünftiges und pragmatisches Verhältnis zwischen Europa und Russland zu verhindern. Dies aber, so erklärt Seipel Putins Sicht, wird unseren Kontinent nicht sicherer machen und ökonomisch schwächen.

Hubert Seipel geht in seinem Buch auch der Frage nach, warum Deutschland seiner besonderen historischen Verantwortung gegenüber Russland und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nicht nachkommt und fragt nach den Ursachen dieser historischen Vergesslichkeit.
(Autor: Ulf Kalkreuth)


* "Women" – ein Dokumentarfilm über die weibliche Hälfte der Menschheit

Dieser Film von Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand ist wie ein Blick in ein Kaleidoskop: 2.000 Frauen aus 50 Ländern unterschiedlichen Alters aus unterschiedlichen Kulturen reden in über 30 Sprachen offen über das, was sie bewegt. Entstanden ist so etwas wie ein Porträt globaler Weiblichkeit, das aber auch zeigt, wie extrem unterschiedlich die Lebensrealitäten von Frauen weltweit sind. Es geht um Mut und Stärke, um Bildung, Sex, Ehe, finanzielle Unabhängigkeit, Menstruation und häusliche Gewalt. Vor allem aber darum, endlich gehört zu werden und nicht mehr als das "schwache Geschlecht" zu gelten. Die einen sprechen über das erhebende Glücksgefühl nach ihrer Entbindung, die anderen über ihre Vergewaltigung und den Schmerz, deswegen aus der Gemeinschaft verstoßen zu werden und als "verrottet" zu gelten. Wegen der Corona-Krise wurde der Starttermin im November 2020 verschoben, am 22. April startet der Film endlich im Netz.
(Autor: Lutz Pehnert)


* Bundesgartenschau in Erfurt

Definitiv soll sie nun am Freitag eröffnet werden - die Erfurter Bundesgartenschau. Dies versicherten sowohl der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow als auch der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Damit ist die BUGA das erste deutsche kulturelle Großereignis, das trotz Pandemie die Tore öffnen wird - freilich mit einem ausgeklügelten und auf große Flächen ausgelegten Konzept. Immerhin gibt es nichts Besseres in einer von in Raumluft herumlungernden Viren geplagten Welt, als sich in einen riesigen Garten zurückzuziehen.

Gartenschauen waren schon seit Jahrhunderten eines der beliebtesten Ausflugsziele - allein das Erfurter Gelände des EGA-Parks, das Zentrum der diesjährigen BUGA, gilt nach der Wartburg als Thüringens meistbesuchtes Touristenziel. Eine Reise auf die BUGA ist wie eine Reise um die Welt, ohne Passkontrolle und ohne Schutzimpfung. Millionen Besucher werden erwartet zu einem Ereignis, das in der deutschen Geschichte seit 1865 Bestand hat. Der Garten ist seit dem Ende des Feudalen Privilegs für die Deutschen demokratische Errungenschaft, Sehnsuchtsort und Sinnstiftung. Politische Instrumentalisierungen scheiterten. Die Reichsgartenschauen 1933 ff. und die IGA in der DDR versuchten gleichwohl, die Natur auf ihre Seite zu ziehen. Ein Beitrag über die seltsame Faszination von pflanzlichen Geschlechtsorganen.
(Autor: Dennis Wagner)


* Kulturkalender

- 28.4. - ARD Film "Die Unheimliche Leichtigkeit der Revolution" über die Friedliche Revolution, MDR-Neuproduktion

- "MOVING BACH - 30 Chemnitzer Orte in Bewegung" vom Ballett Chemnitz

- 24.April - Stream-Premiere: "Das Schicksal stellt mich auf eine Nadelspitze. Eine Jakob-Michael-Reinhold-Lenz-Collage" vom Theater der Altmark Stendal.
(Autorin: Charlotte Witt)

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