Di 04.05. 2021 22:15Uhr (VPS 22:10) 44:02 min

DEFA 75 Petticoat und Planerfüllung - Frauen im DEFA-Film

Film von André Meier

Komplette Sendung

Annekathrin Bürger 44 min
Annekathrin Bürger in "Verwirrung der Liebe" Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung, honorarfrei
MDR FERNSEHEN Di, 04.05.2021 22:15 23:00

Petticoat und Planerfüllung - Frauen im DEFA-Film

Petticoat und Planerfüllung - Frauen im DEFA-Film

Angelika Domröse in "Verwirrung der Liebe"
Angelika Domröse in dem Film "Verwirrung der Liebe" Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung
Angelika Domröse in "Verwirrung der Liebe"
Angelika Domröse in dem Film "Verwirrung der Liebe" Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung
Die 59jährige Schauspielerin Katrin Sass während der Dreharbeiten zu unserer Dokumentation. Sie spricht mit uns über ihre Rollen und über die Zeit als „Filmstern der DEFA“.
Die Schauspielerin Katrin Sass kommt in der Dokumentation zu Wort. Sie spricht über ihre Rollen und über die Zeit als "Filmstern der DEFA". Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung
Ann Kathrin Bürger in "Verwirrung der Liebe"
Annekathrin Bürger im Film "Verwirrung der Liebe" Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung
Die 78jährige Schauspielerin Annekathrin Bürger spricht mit uns über ihre Rollen in zahlreichen DEFA-Filmen.
Die Schauspielerin Annekathrin Bürger spielte zahlreiche Rollen in DEFA-Filmen. Hier erinnert sie sich daran. Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung
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Im Mai 1946 wird in Potsdam-Babelsberg die Deutsche Film AG gegründet. Die DEFA erhält von der sowjetischen Besatzungsmacht die Lizenz für die "Herstellung von Filmen aller Kategorien" und ist fortan im Kinogeschäft Monopolist auf ostdeutschem Boden. Mit ihren zeitweise über 2.200 festangestellten Mitarbeitern produzierte die DEFA in den viereinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens mehr als 700 Kino- und über 500 Fernsehfilme.

In den Filmen spiegelt sich die widersprüchliche Geschichte der DDR und damit das Auf und Ab politischer Einflussnahme und bürokratischer Gängelung ebenso, wie der allgemeine Wandel von Moral-, Rollen- und Wertevorstellungen. In seiner zweiteiligen Dokumentation zum 70. Geburtstag des DDR-Filmstudios zeigt der MDR, wie sich das Helden- bzw. Heldinnen-Bild im DEFA-Film unter den wechselnden politischen Bedingungen veränderte.

Viele bekannte Schauspieler, Regisseure und Kritiker kommen zu Wort und schildern ihre Sicht auf die DEFA, ihre Filme und Rollen. So u.a. Eva-Maria Hagen, Annekathrin Bürger, Katrin Sass, Christel Bodenstein und Jutta Wachowiak.

Frauen werden von den Drehbuchautoren und Regisseuren der DEFA schon frühzeitig in den Mittelpunkt ihrer Geschichten gestellt. Die SED sieht das gerne, ist doch die Gleichstellung von Mann und Frau eines der von ihr beherzt vorangetriebenen politischen Ziele. Frauen werden als Arbeitskräfte dringend benötigt.

In der bis zum Mauerbau von permanenter Abwanderung geplagten DDR sollen sie auch in bislang spezifisch männliche Berufe vordringen. So wundert es nicht, dass die Frau im DEFA-Film berufstätig ist und ein Großteil der von ihr zu bewältigenden Probleme in unmittelbarem Zusammenhang mit Schule, Studium, Arbeit oder Betrieb stehen.

Natürlich geht es auch im ostdeutschen Kino für die Heldin um die Suche nach dem privaten Glück, dem idealen Partner. Nur geschieht das nie losgelöst von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Im Gegenteil - Arbeit, Liebe und politische Selbstfindung werden immer wieder gerne miteinander verknüpft.

Exemplarisch kann dafür die DEFA-Verfilmung (1964) des Christa Wolf Romans "Der geteilte Himmel" stehen. Hier entscheidet sich die Heldin nach langem Ringen gegen ihre große, in den Westen geflohene Liebe und für die DDR und ihre Arbeit im sozialistischen Großbetrieb.

Anfang der siebziger Jahre ist die Gleichberechtigung gesetzgeberisch durchgesetzt, die Abtreibung legalisiert und die Pille zum Standardverhütungsmittel der DDR-Frau geworden. Scheidungen sind an der Tagesordnung, alleinerziehende Mütter eine Normalität. Für die DEFA-Heldinnen scheint nun die Zeit reif für die private Sinnsuche.

Offensiv beginnen sie ihr Glück einzufordern: in der Gesellschaft, in der Familie, im Bett. Es sind starke, selbstbewusste Frauen, die nun auf die Leinwand kommen und den Ostmann in der Regel alt aussehen lassen. So wie Jutta Hoffmann in "Der Dritte", Angelika Domröse in "Paul und Paula" oder Renate Krößner in "Solo Sunny".

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