Do 06.05. 2021 22:10Uhr 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 06.05.2021 22:10 22:40

DEFA 75 artour

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75 Jahre DEFA

Themen:
* Der allererste DEFA-Film
* Die DEFA und ihre Gegenwartsfilme
* Die DEFA und ihre Jugendfilme
* Die DEFA und ihre Dokumentarfilme
* Kulturkalender

Mehr zur Sendung:

* Der allererste DEFA-Film
Der erste Film der DEFA war "Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte und hatte am 15. Oktober 1946 im Berliner Admiralspalast Premiere. In der Trümmerlandschaft Berlins gedreht, erzählte der Film von der Trümmerlandschaft in den Menschen, die der Krieg und zwölf Jahre Naziherrschaft hinterlassen haben. Von Mitläufern, von Soldaten, von überlebenden KZ-Häftlingen, untergetauchten Juden und Mördern und Kriegsverbrechern. Welche gemeinsame Zukunft haben diese Deutschen? Was haben sie aus den Trümmern gelernt?

Ein programmatischer erster Film für die DEFA, die im Mai 1946 in Potsdam-Babelsberg als Deutsche Film-AG (DEFA) gegründet wurde. "Die Mörder sind unter uns", mit der blutjungen Hildegard Knef in der Hauptrolle, war auch international ein Riesenerfolg für die DEFA. Ein Grund, die Geschichte dieses Films noch einmal zu erzählen.

* Die DEFA und ihre Gegenwartsfilme
Von den 730 Spielfilmen, die die DEFA zwischen 1946 und 1992 gedreht hat, kann man getrost 500 als Gegenwartsfilme bezeichnen. Anfänglich waren das die sogenannten Trümmerfilme. Nach dem Motto: Das Alte fort und was Neues hingebaut! Und hingedacht -„Die Mörder sind unter uns". Als diese so um 1949 keiner mehr sehen konnte, wurden "utopische" Filme gedreht, das heißt, es wurden Filme gedreht, die zeigen sollten, wie man sich eine sozialistische Gesellschaft vorstellte -„Unser täglich Brot". Dann, nach dem Juni 1953, gestattete die SED-Führung der DEFA wieder mehr Unterhaltungsfilme, und der Neorealismus zog nach Babelsberg - "Berlin -Ecke Schönhauser"; bevor man am realen Sozialismus und dem 11. Plenum scheiterte. Davon, so Ralf Schenk, hat sich die DEFA bis 1989 nicht wieder vollständig erholt.

Zwei Filme des letzten Jahrzehnts der DEFA erzählen im Abstand von 10 Jahren über die Zeit zwischen Hoffnung und Abwinken. In „Jadup und Boel" (1981) von Rainer Simon wird noch vorsichtig von der Möglichkeit zu Veränderungen im und mit dem Sozialismus gesprochen. Dennoch, oder folgerichtig, wird der Film verboten und ist damit der letzte DEFA-Verbotsfilm. Er kommt erst 1988 in einige DDR-Kinos. Der Zweite, „Die Architekten" von Peter Kahane, zeigt die DDR-Gesellschaft als verkrustet und nicht reformierbar. Es ist eine Parabel auf die Hoffnungslosigkeit, auf die Stagnation, ein Film über die Agonie der DDR. 1988 geschrieben und 1989 gedreht, kommt er im Frühjahr 1990 in die Kinos. Das muss man tragisch nennen. Wir haben mit dem Regisseur Rainer Simon und dem Filmpublizisten Ralf Schenk gesprochen.

* Die DEFA und ihre Jugendfilme
Jungsein in der DDR war nicht unbedingt sexy. Sommerferienlager mit sportlicher Ertüchtigung, Disco ohne „Deep Purple“ bis 22.00 Uhr und Mopeds, die Habicht oder Schwalbe hießen. Was für Geschichten sollte das für die große Kinoleinwand hergeben? Die DEFA hat's versucht und eine ganze Reihe von Filmen über die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein gedreht. Die meisten politisch korrekt, „pädagogisch wertvoll" und vergessen. Ein paar sind im Gedächtnis geblieben.

Vielleicht wegen Sätzen wie: „Du kapierst nicht, wieviel Scheiße sie jeden Tag bauen, wie die Menschen seelisch verkrüppeln, wie sie Kinder aus ihnen machen mit ihrem Wettbewerbs- und Aktivistenquatsch, wie sie sich in die Tasche lügen mit ihrer Planerfüllung."

Vielleicht wegen der großen, staunenden Augen der Hauptdarstellerin Simone von Zglinicki, der Susanne in „Für die Liebe noch zu mager". Oder wegen der Musik von Renft - „Irgendwann will jedermann raus aus seiner Haut, irgendwann denkt er dran, wenn auch nicht laut". Thomas „Monster" Schoppes Aufschrei meinte nicht nur Susanne, die frühmorgens im Dederonkleidchen über Gleise balanciert; liebeskummertraurig und voller Sehnsucht nach dem Glück, das irgendwo da draußen wartet. Eine ganze Generation wollte raus aus ihrer Haut, war auf der Suche nach „Kino - Helden", denen es genauso ging, die ähnlich fühlten und dachten, die rebellierten statt sich anzupassen. In Filmen wie „Für die Liebe noch zu mager", „Sabine Wulff" oder „Sieben Sommersprossen" konnten sie sie finden.

Christa Kozik schrieb die Filmvorlage für „Sieben Sommersprossen", Karin Düwel spielte die Außenseiterin „Sabine Wulff" und Jens Rübner hat sich als Teenager die Filme damals im Kino angesehen. Sie erinnern sich an die Lust und die Schwierigkeiten beim Schreiben und Drehen und an den Moment, wo die Filme zum ersten Mal über die Leinwand flimmerten.

* Die DEFA und ihre Dokumentarfilme
Beim 75. Jubiläum der DEFA ist naturgemäß viel von den Spielfilmen die Rede. Ein wichtiger, bleibender Teil ihres Erbes, die Dokumentarfilme, stehen noch immer im Schatten. Dabei zeigen viele der besten Arbeiten den Alltag im verschwundenen Land auf hohem künstlerischen Niveau und mit großer Offenheit. Wir erinnern an die beiden weltweit einmaligen Langzeitdokumentationen der DEFA. Die eine - "Die Chronik der Kinder von Golzow" - umfasst 19 Filme, die zwischen 1961 und 2007 entstanden sind. Ihre Schöpfer Barbara und Winfried Junge geben Auskunft über ihre Beziehungen zu dieser Schulklasse im Oderbruch-Dorf Golzow, über ihre filmischen Beobachtungen, die sie über die Wende hinausführten. So entstand ein einzigartiges Dokument des Wandels im Osten, der Umbrüche und Konflikte, der Lebenswege ganz normaler DDR-Bürger.

Auch Volker Koepp begleitete seine Protagonistinnen, drei Textilarbeiterinnen in Wittstock, über viele Jahre. Er drehte zwischen 1975 und 1997 sieben Filme, in denen sich das Leben von Arbeiterfrauen, ihr Selbstbewusstsein, ihre Stärke, ihre Hoffnungen vollkommen unverstellt spiegeln. Auch mit ihm sprachen wir über die Methoden des dokumentarischen Arbeitens, über Nähe und Distanz zu den Heldinnen und über die aufrichtige Schilderung des DDR-Alltags.

* Kulturkalender
- Am 13.5 im MDR: "Hände hoch oder ich schieße"- In der DDR verbotene Gangsterkomödie von 1966 mit Rolf Herricht, Herbert Köfer, Agnes Kraus, Eberhard Cohrs und Hans-Joachim Preil, die erst 2009 nach Restauration in die Kinos kam
- Hinweis auf Lebenslauf zu Friedrich Wolf im MDR am 6.5.
- Bildband zum DEFA-Jubiläum: "Großes Kino. Monumentale DDR-Filmplakate der 1960er Jahre" http://bertzfischer.de/

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