Sa 22.05. 2021 00:00Uhr 92:55 min

Der 17-jährige Gerat (Frank Stieren) hofft, dass sich seine ehemalige Lehrerin Claudia (Dagmar Manzel) für eine Zukunft mit ihm entscheidet.
Das Drehbuch des Films basiert auf der Romanvorlage des sorbischen Autors Jurij Koch und wurde in der DDR nicht zur Verfilmung freigegeben. Das Projekt konnte erst 1990 von Regisseur Jürgen Brauer realisiert werden. Er gibt einen Einblick in die letzten Wochen der DDR. Die Müllkippe, auf der der Protagonist Gerat (Frank Stieren) arbeitet, wird zum Sinnbild des Verfalls eines Systems. Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer, Matthias Leupold
MDR FERNSEHEN Sa, 22.05.2021 00:00 01:35
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75 Jahre DEFA Tanz auf der Kippe

Tanz auf der Kippe

DDR 1991

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Der 17-jährige Gerat wird so brutal zusammengeschlagen, dass er erblindet. Für ihn ist es das Wichtigste, die Wahrheit zu sagen, auch auf die Gefahr hin, alle vor den Kopf zu stoßen. Die einzige, von der er sich verstanden fühlt, ist seine ehemalige Lehrerin Claudia. Doch Gerats Anspruch an Ehrlichkeit überschattet auch diese Beziehung.

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Claudia (Dagmar Manzel) besucht Gerat (Frank Stieren) auf seiner Arbeitsstelle, einer Müllkippe am Rande der Stadt.
Am Tag der Republik wird der 17-jährige Gerat Lauter (Frank Stieren) auf einer Müllkippe zusammengeschlagen, sein Gesicht wird dabei in ätzende Lauge gedrückt. Im Hintergrund laufen auf einem Fernsehbildschirm die Feierlichkeiten zum letzten Jahrestag der DDR, 1989. Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer, Matthias Leupold
Claudia (Dagmar Manzel) besucht Gerat (Frank Stieren) auf seiner Arbeitsstelle, einer Müllkippe am Rande der Stadt.
Am Tag der Republik wird der 17-jährige Gerat Lauter (Frank Stieren) auf einer Müllkippe zusammengeschlagen, sein Gesicht wird dabei in ätzende Lauge gedrückt. Im Hintergrund laufen auf einem Fernsehbildschirm die Feierlichkeiten zum letzten Jahrestag der DDR, 1989. Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer, Matthias Leupold
Weil Gerat (Frank Stieren, l.) immer wieder mit seinem Vater (Winfried Glatzeder) aneinandergerät, will von zu Hause weg.
Gerat wird ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte versuchen sein Augenlicht zu retten. Während dieser Operation erinnert sich Gerat zurück, an sein Leben davor. Schon als Kind hat er sich geschworen, immer die Wahrheit zu sagen, egal wie sehr er damit polarisiert. Seine radikale Ehrlichkeit führt u.a. zum Zerwürfnis mit seinem Vater (Winfried Glatzeder). Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer, Matthias Leupold
Die Lehrerin Claudia (Dagmar Manzel) hat sich in ihren ehemaligen Schüler Gerat verliebt. Doch will sie für ihn wirklich ihren Mann verlassen?
Die einzige, von der sich Gerat verstanden fühlt, ist seine ehemalige Lehrerin Claudia (Dagmar Manzel). Gerat verliebt sich in Claudia, doch diese ist verheiratet und will sich auf eine Romanze mit ihrem ehemaligen Schüler erst nicht einlassen. Sie bricht den Kontakt ab. Als Gerat wenig später Arbeit auf einer Müllkippe findet, taucht Claudia plötzlich wieder auf ... Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer, Matthias Leupold
Der 17-jährige Gerat (Frank Stieren) hofft, dass sich seine ehemalige Lehrerin Claudia (Dagmar Manzel) für eine Zukunft mit ihm entscheidet.
Das Drehbuch des Films basiert auf der Romanvorlage des sorbischen Autors Jurij Koch und wurde in der DDR nicht zur Verfilmung freigegeben. Das Projekt konnte erst 1990 von Regisseur Jürgen Brauer realisiert werden. Er gibt einen Einblick in die letzten Wochen der DDR. Die Müllkippe, auf der der Protagonist Gerat (Frank Stieren) arbeitet, wird zum Sinnbild des Verfalls eines Systems. Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer, Matthias Leupold
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Am Abend des 7. Oktober 1989. Mitten auf einer Müllkippe wird Gerat Lauter (Frank Stieren) zusammengeschlagen und mit dem Kopf in ätzende Lauge gedrückt. Auf einem Fernseher im Hintergrund laufen die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR. Während die Ärzte im Krankenhaus um das Augenlicht des 17-Jährigen kämpfen, erinnert sich Gerat an die Zeit davor.

Schon als Schüler gibt es für ihn nichts Wichtigeres als die Wahrheit zu sagen, auch wenn er dadurch seinen Traumjob nicht bekommt. Kein Wunder, dass es nicht nur zwischen ihm und seinen Eltern (Winfried Glatzeder und Elisabeth Richter) Spannungen gibt. Auch dem Ausbilder vom Stahlbau (Peter Bause) sind die gnadenlose Ehrlichkeit und der Veränderungswille des jungen Mannes zu viel. Aber Gerat will sich unter keinen Umständen den Zwängen der Gesellschaft anpassen.

Er hält es zu Hause nicht mehr aus, bricht mit seinem Vater und findet mit Hilfe seiner Lehrerin Claudia (Dagmar Manzel) ein Zimmer zur Untermiete. Sie ist die Einzige, von der er sich verstanden fühlt. Zwischen den Beiden entsteht eine Romanze. Doch auch Claudia hat Angst vor zu viel Ehrlichkeit und Veränderung. Sie kann sich zwischen Gerat und ihrem Mann (Eberhard Kirchberg) nicht entscheiden und bricht letztendlich den Kontakt zu Gerat ab.

Der hat mittlerweile Arbeit auf einer Mülldeponie gefunden. Einen Job, den sonst niemand machen möchte. Aber auch hier eckt er wieder mit seiner unerschütterlichen Moral an. Während sich seine Kollegen mit dem illegalen Weiterverkauf von Altmetall und Sperrmüll etwas dazu verdienen, bleibt Gerat ehrlich. Da taucht Claudia plötzlich auf der Kippe auf, mit Neuigkeiten, die sein Weltbild ins Schwanken bringen.

"Tanz auf der Kippe" entstand nach dem Roman "Augenoperation" des sorbischen Autors Jurij Koch. Das Drehbuch wurde in der DDR nicht zur Verfilmung freigegeben. Erst 1990 schaffte es der Leipziger Regisseur Jürgen Brauer, das Projekt zu realisieren. An der Seite von Dagmar Manzel, deren Rolle der Claudia noch lange im Gedächtnis bleibt, feierte der damals 24-jährige Frank Stieren in der Hauptrolle als Gerat sein Filmdebüt. Der Film bietet einen außergewöhnlichen Einblick in die letzten Wochen der DDR. Die Müllkippe wird zum Sinnbild des Verfalls eines Systems. Während die Einen sich ans Alte klammern und Angst vor Veränderung haben, will die Jugend ihre Werte neu definieren. Ein Generationenkonflikt ausgetragen zwischen Familienidyll und Müll. Der Film läuft zum ersten Mal im MDR-Fernsehen.
Mitwirkende
Musik: Ralf Hoyer
Kamera: Jürgen Brauer
Buch: Jürgen Brauer
Vorlage: Nach dem Roman "Augenoperation" von Jurij Koch
Regie: Jürgen Brauer
Darsteller
Gerat Lauter: Frank Stieren
Claudia Johanz: Dagmar Manzel
Vater: Winfried Glatzeder
Johanz: Eberhard Kirchberg
Frau Kleebusch: Christa Pasemann
Kaderleiter: Peter Prager
Petra: Sylvia Burza
Prof. Hedderoth: Dirkpeter Schulze
Mutter: Elisabeth Richter
Ausbilder: Peter Bause
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