Do 03.06. 2021 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

50 Jahre Polizeiruf 110

Komplette Sendung

Evelyn Fischer im Studio von artour. 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 03.06.2021 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Ein Mann mit grüner Schürze spielt Geige. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
* Norbert Bisky und die Einsamkeit vor dem PC
Der in Leipzig geborene Norbert Bisky malt junge Adonisse, und das schon länger. Nun lässt er sie vor dem Bildschirm sitzen, der ihnen den Mittelfinger zeigt. Die Männer sind im Zeitalter der Verwirrung darüber angekommen, welche Information wie zu bewerten ist, im "Disinfotainment". - So heißt die neue Ausstellung ab 4. Juni in der G2-Kunsthalle - ein Ort, der bis Ende der 1980er Jahre ein VEB-Datenverarbeitungszentrum war. Die Geschichte des Ortes ergründet der Künstler, der sonst in Berlin, New York und Tokio ausstellt, in seiner ersten Einzelausstellung in Leipzig in einer Installation. Er verkeilt alte DDR-braune Türen, schichtet Leuchtstoffröhren auf robotron-Computer - vor dem Bild eines schreienden jungen Mannes, der den Druck nicht länger aushält. Wir haben Norbert Bisky beim Aufbau seiner Werke in Leipzig begleitet und mit ihm über die Spuren vom Gestern im Heute gesprochen.
(Autorin: Pia Uffelmann)


* Alles auf Anfang? Wie der Lockdown das soziale Leben verändert hat
In Parks, in Kneipen, in Museen, in Theatern treffen sich wieder Menschen. Der Mindestabstand und alle anderen Distanzgebote werden gemildert und hoffentlich bald verschwinden. Wird die Covid-Krise etwas in den Beziehungen zwischen den Menschen verändern? Der Soziologe Hartmut Rosa plädiert für besondere Wirklichkeitsbeziehungen - "Resonanzen" - intensive Erlebnisse, die für ein gelingendes Leben und Erleben ausschlaggebend seien. Nach der Distanz-Pandemie nun also zu neuem Resonanz-Glück? Gut, dass es die Kunst gibt, die Theater machen wieder auf. Die Saison beginnt zum Beispiel in Gera-Altenburg auf Freiluftbühnen, und erstmalig den Sommer durch bis an die neue Spielzeit heran. Kunst ist auch mit Hartmut Rosa ein besonders zentraler Ort für "Resonanz-Erlebnisse".
(Autor: Meinhard Michael)


* Tanzen und Testen - der Leipziger Kulturbetrieb als Reallabor
Wie geht Kultur unter Pandemiebedingungen? Schon seit einem Jahr machen sich vor allem Kulturschaffende darüber Gedanken. Auch wenn jetzt die Zahlen sinken, Kulturorte wieder öffnen - keiner weiß, ob nicht doch irgendwann die nächste Welle rollt. Dafür will man gewappnet sein. Während die Politik bisher einzig mit Lockdown antwortet, haben sich die Betroffenen Gedanken gemacht und Konzepte entwickelt. In Leipzig begann nun das Modellprojekt Kultur//Reallabor. Vier Wochen lang werden an neun verschiedenen Spielstätten wieder Veranstaltungen stattfinden. Mit umfangreichen Tests und Hygienekonzept. Begleitet werden die Öffnungen von Wissenschaftlern u.a. von der Universität Leipzig und dem Max-Planck-Institut. Ziel des Ganzen sind Erkenntnisse darüber, welchen Einfluss Kulturveranstaltungen auf das Infektionsgeschehen haben.

In einem zweiten Teil des Modellprojekts geht man völlig neue Wege. Auch für Clubs und Diskotheken, für die es bisher überhaupt keine Öffnungsperspektiven gibt, wird ein Szenario getestet. Die Distillery öffnet für zwei Tage und lädt zum Feiern und Tanzen ganz ohne Abstand und Maske, aber dafür mit doppelter Testung im Vorfeld. Wenn das funktioniert, logistisch und ohne nennenswerte Infektionen, könnte das eine Möglichkeit sein, auch die Clubs bald wieder zu öffnen. "artour" hat mit den Projektkoordinatoren Tobias Loy und Steffen Kache gesprochen.
(Autorin: Ulrike Reiß)


* 50 Jahre Polizeiruf 110
Als der "Tatort" bereits ein halbes Jahr im Westfernsehen lief und sich auch beim Ostpublikum großer Beliebtheit erfreute, wurde ein Gegenentwurf angeordnet: der Einsatz der ostdeutschen Kriminalpolizei im DDR-Fernsehen. Am 21. Juni 1971 lief der erste "Polizeiruf 110". Verbrecherjagden in der DDR fanden eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In der neuen Fernsehreihe waren sie eine Selbstverständlichkeit. Ohne Übeltäter war auch in der DDR kein Krimi zu machen.

Die Reihe "Polizeiruf 110" wurde 1994 von der ARD übernommen. Seitdem wird bundesweit ermittelt. Doch der Tatort Ostdeutschland ist noch immer das Hauptbetätigungsfeld der Kommissare. Einer, der diese Reihe über Jahrzehnte begleitete, ist der Schauspieler Henry Hübchen - als DDR-Kleinkrimineller, Serienmörder in Bergisch-Land und schließlich als Kommissar Tobias Törner in Schwerin.

Das 50-jährige Jubiläum war zugleich der Startschuss für ein neues Ermittlerteam in Halle: Peter Kurth und Peter Schneider als Henry Koitzsch und Michael Lehmann.
(Autor: Lutz Pehnert)


* Kulturkalender
- Max Mutzke & Marialy Pacheco bei den Musikfestspielen Dresden am 7. Juni
- "Kids Run", Filmdrama von Barbara Ott, Streamingstart am 3. Juni
- Händel-Festspiele digital in Halle vom 28.05 - 13.06.
(Autorin: Ulrike Reiß)

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