Di 29.06. 2021 20:15Uhr 88:54 min

Gundula Zoldan, damals Stewardess auf der "Fichte".
Gundula Zoldan, damals Stewardess auf der "Fichte". Bildrechte: MDR/Erik Lötsch, honorarfrei
MDR FERNSEHEN Di, 29.06.2021 20:15 21:45

Zur See – Als der Osten das Traumschiff erfand

Zur See – Als der Osten das Traumschiff erfand

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Szene aus 'Zur See'
Konflikte zwischen den Besatzungsmitgliedern, die Trennung von ihren Familien - der Alltag auf der "Fichte" ist hart. Die neunteilige Serie über die Crew des sozialistischen Frachtschiffs wurde von 1974 bis 1976 gedreht: "Zur See" - die DDR-Version des "Traumschiffs". Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Hans-Jürgen Hoeftmann
Szene aus 'Zur See'
Konflikte zwischen den Besatzungsmitgliedern, die Trennung von ihren Familien - der Alltag auf der "Fichte" ist hart. Die neunteilige Serie über die Crew des sozialistischen Frachtschiffs wurde von 1974 bis 1976 gedreht: "Zur See" - die DDR-Version des "Traumschiffs". Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Hans-Jürgen Hoeftmann
Stefan Drinda, Sohn von "Zur See"-Kapitän Horst Drinda, liest aus dessen Tagebuch.
Stefan Drinda, Sohn von "Zur See"-Kapitän Horst Drinda, liest aus dessen Tagebuch. Horst Dindra war eigentlich ein Theaterschauspieler, der am Deutschen Theater Bühnendialoge von Goethe und Schiller deklamierte. Nun ist er Teil des Unterhaltungsfernsehens der DDR. Bildrechte: MDR/Erik Lötsch, honorarfrei
Jürgen Schumann, damals Matrose auf der "Fichte".
Zwei Monate dauert die Reise von Rostock nach Havanna und zurück. An Bord ist neben der Filmcrew auch die eigentliche Besatzung, denn die Dreharbeiten finden nur "nebenbei" statt. Das Schiff soll auf Kuba 6.600 Tonnen Zucker laden. Die Filmcrew ist übrigens ebenso handverlesen wie die echte Schiffsbesatzung. Bildrechte: MDR/Erik Lötsch, honorarfrei
Siegfried Rohmann, Erster Offizier auf der "Fichte".
Die ausgiebige Überprüfung des Drehstabs durch die Stasi verzögert den Drehbeginn um ein ganzes Jahr, und dennoch muss Regisseur Wolfgang Luderer "unter operative Kontrolle" gestellt werden. Bildrechte: MDR/Erik Lötsch, honorarfrei
Gundula Zoldan, damals Stewardess auf der "Fichte".
Die Serie inspirierte den West-Berliner Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann zu einem weiteren Fernsehklassiker: dem "Traumschiff", das 1981, vier Jahre nach der Erstausstrahlung der DDR-Seefahrer-Serie, im Westen auf Sendung ging. Dort ging es aber nicht mehr ums Arbeiten an Bord, sondern ums Reisen als Freizeitvergnügen. Bildrechte: MDR/Erik Lötsch, honorarfrei
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Sie war ein echter Straßenfeger, der Millionen Zuschauer in der DDR ab Januar 1977 an die Fernsehschirme fesselte: "Zur See". Die Serie des DDR-Fernsehens wurde schon nach Ausstrahlung der ersten Folgen zur Legende. Noch heute erinnert sich wohl jeder Zuschauer an die Titelmelodie, die einen als Ohrwurm wochenlang begleitet hat.

Horst Drinda, Jürgen Zartmann, Günter Schubert – die bekanntesten DDR-Schauspieler jener Zeit fahren als Seeleute an Bord der MS "Fichte" um die halbe Welt und haben dabei die abenteuerlichsten Situationen zu meistern: sei es ein Brandsatz an Bord, ein Bullenkampf an Deck, ein Motorschaden auf hoher See oder die Rettung eines schwer kranken Crew-Mitglieds in allerletzter Minute. Fesselnde Geschichten, zwischen Alltag und Krisen – und etliche davon basieren auf wahren Begebenheiten.

Die Dreharbeiten dauern mehr als zwei Jahre, denn das Schiff ist eigentlich ein Ausbildungsfrachter der Deutschen Seereederei, auf dem Matrosen und Offiziere ihre praktische Ausbildung auf "Großer Fahrt" beenden. Die fast 300 Mann Besatzung sind deshalb auch als Komparsen bei den Dreharbeiten voll im Einsatz.

Die Reise mit der Filmcrew geht Richtung Kuba. Direkt. So der Wunsch des DDR- Fernsehens. Westliche Häfen sollen auf keinen Fall angelaufen werden – personelle Verluste will man unbedingt vermeiden. Jürgen Zartmann: "Die haben ja extra die Route geändert. Ursprünglich sollte es über Göteborg gehen. Dann gingen auf See die Hilfsdiesel kaputt und wir sind in Aalborg an Land! Und alle kamen wieder."

Eva Stein, die Drehbuchautorin erinnert sich noch heute: "Eigentlich ist es erstaunlich, dass eine solche Serie überhaupt produziert wurde, die das Fernweh der eingemauerten DDR-Bevölkerung ja noch verstärken musste."

Allerdings waren auch ganz pragmatische Probleme Anlass für diese Fernsehserie. Denn die Deutsche Seereederei hatte schlichtweg Personalnotstand und man wollte mit den spannenden Abenteuern junge Leute von der Seefahrt begeistern.

Fernseh-Kapitän Horst Drinda ging in seinen Drehpausen an Bord einem besonderen Hobby nach: Mit seiner 16mm-Kamera filmte er den Schiffsalltag und natürlich auch immer wieder die Dreharbeiten. Dieses teilweise unveröffentlichte Filmmaterial, zusammen mit privaten Tagebuchaufzeichnungen und Zeitzeugeninterviews sowie Ausschnitte aus der Serie erzählt über eine Fernsehserie, die nicht nur in der DDR Geschichte schrieb.

Wolfgang Rademann, bekannter Westberliner Fernsehproduzent, war vom Erfolg von "Zur See" so beeindruckt, dass er Ende der 1970iger-Jahre sagte: "So etwas müssen wir auch machen." Und vier Jahre nach der Erstausstrahlung der DDR-Serie geht 1981 im ZDF "Das Traumschiff" auf Sendung und läuft bis heute.