So 04.07. 2021 15:30Uhr 44:12 min

Peter Camps leitete in den 70er Jahren den Zeltplatz in Markgrafenheide. In den Sommermonaten musste er bis zu 4000 Camper betreuen.
Peter Camps leitete in den 70er Jahren den Zeltplatz in Markgrafenheide. In den Sommermonaten musste er bis zu 4000 Camper betreuen. Bildrechte: MDR/Bodo Strecke
MDR FERNSEHEN So, 04.07.2021 15:30 16:15

Klappfix, Hering, Luftmatratze

Klappfix, Hering, Luftmatratze

Campen in der DDR

Film von Lutz Rentner

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Campen in der DDR

Campen in der DDR

Wer als DDR-Bürger keinen der wenigen FDGB-Ferienplätze ergattert hatte, hatte nur eine Alternative: das Campen. Die Obrigkeit beobachtete das mit Argusaugen - passen Zelten, FKK und Sozialismus zusammen!?

Besucher eines Zeltplatz in der DDR, 50er-Jahre.
Anfang der 1950er-Jahre beginnt die Camping-Bewegung in der DDR eher bescheiden. Noch gibt es kaum offizielle Campingplätze. Man zeltet wild. 1954 zählt die DDR-Statistik etwa 10.000 Camper. Bildrechte: IMAGO
Besucher eines Zeltplatz in der DDR, 50er-Jahre.
Anfang der 1950er-Jahre beginnt die Camping-Bewegung in der DDR eher bescheiden. Noch gibt es kaum offizielle Campingplätze. Man zeltet wild. 1954 zählt die DDR-Statistik etwa 10.000 Camper. Bildrechte: IMAGO
Mitglieder der BSG Fortschritt Lichtenberg, Sektion Kanu, verbringen die Pfingsttage im Mai 1961 auf dem Campingplatz am Krossinsee - DDR.
Für viele DDR-Bürger bedeutet Camping ein Stück Freiheit – jenseits der Reglementierungen des gewerkschaftlichen oder betrieblichen Feriendienstes. In den frühen 1960er Jahren gibt es schon knapp 500 Campingplätze in der DDR. Bildrechte: dpa
Camping DDR
Anfang der 1960er tauchen auch die ersten Wohnwagen in der DDR auf. Hier das Modell "Würdig 301", im Volksmund auch: "Dübener Ei". Max Würdig hat es schon 1936 in Bad Düben erfunden. Der Preis lag Mitte der 1960er bei rund 5.000 Mark und stieg bis 1990 auf etwa 6.500 Mark. Das entsprach etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Jahreseinkommens in der DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Camping DDR
Zum Campen braucht man in der DDR eine Genehmigung, den so genannten Zeltschein. An den beliebten Ostseestränden sind die Zeltscheine jedoch damals rar. Der Zeltplatz Markgrafenheide ist in seinen besten Zeiten mit fast 5.000 Campern belegt. Eine Übernachtung mit dem Zelt kostet 1 Mark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann baut mit seiner Tochter einen Zeltanhänger Camptourist CT-7 in Leipzig auf.
Für Aufsehen sorgte Ende der 1960er auch der so genannte "Klappfix" – ein Anhänger, aus dem sich kurzerhand ein Zelt errichten lässt. Er wurde sogar ins Ausland exportiert. 1994 gingen beim Produzenten VEB Fahrzeugwerk Olbernhau im Erzgebirge jedoch die Lichter aus. Dennoch existieren vermutlich heute noch 5.000 bis 10.000 Anhänger. Bildrechte: dpa
Camping DDR
Ende der 1970er taucht ein neues, skurriles Campingutensil auf: das Autodachzelt von Gerhard Müller aus Limbach-Oberfrohna. Heute ein echter Kultklassiker. Es wird zuerst nur für den Trabant entwickelt, später auch für andere Fahrzeuge wie Wartburg oder Skoda. Bis 1990 werden knapp 1.800 Dachzelte produziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Urlauber sitzen vor ihrem in den Dünen aufgebauten Zelt und lassen sich eine Mahlzeit schmecken, aufgenommen im Sommer 1990 im Ostseebad Prerow.
Etwa 30 Prozent der DDR-Bürger machen Jahr für Jahr auf den staatlichen Campingplätzen Urlaub. Auch wenn sich die Ostdeutschen heute die ganze Welt anschauen – die Faszination Camping bleibt. (Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: 30.04.2018 | 22:05 Uhr) Bildrechte: dpa
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Mitglieder der BSG Fortschritt Lichtenberg, Sektion Kanu, verbringen die Pfingsttage im Mai 1961 auf dem Campingplatz am Krossinsee - DDR.
Für viele DDR-Bürger bedeutet Camping ein Stück Freiheit – jenseits der Reglementierungen des gewerkschaftlichen oder betrieblichen Feriendienstes. In den frühen 1960er Jahren gibt es schon knapp 500 Campingplätze in der DDR. Bildrechte: dpa
Wer keinen der raren FDGB-Ferienplätze bekommen konnte, für den gab es nur eine Alternative - das Campen. Nach der offiziellen Statistik machten etwa 30 Prozent der DDR-Bürger Urlaub auf den staatlichen Campingplätzen. So individuell, dass es anfangs Zweifel gibt, ob das auch "sozialistisch" genug ist, und vor allem auch spottbillig: In der besten Kategorie kostet Mitte der 80er Jahre eine Übernachtung pro Person eine Mark, für Wohnwagen und Auto kommt noch eine Mark dazu.

Campen in der DDR - das war auch ein Abenteuer. Der jugendlich unbedarfte Kurzzelter musste schon hinnehmen, dass es am Morgen keine Brötchen gab und am Abend das Bier alle war. Der erfahrene Camper konnte darüber nur lächeln. Er hatte seinen Vorrat mit.

An den Ostseezeltplätzen spielte auch die FKK-Bewegung eine große Rolle. Als die ersten Nackten am Strand von Prerow Anfang der 50er Jahre auftauchten, wurden sie von der Kasernierten Volkspolizei zusammen mit russischen Soldaten auf Pferden auseinandergetrieben. Aber es war eines der wenigen Verbote, das die DDR nicht durchsetzen konnte. Nacktbaden wurde immer populärer - die Zeltplätze waren dementsprechend gefragt.

Für den motorisierten Camper hatte die Autoindustrie einiges zu bieten. Das war nicht immer billig, aber durchaus originell. Das berühmte Dachzelt für den Trabant hat wirklich funktioniert. Heute ist es ein Sammlerstück. Der "Klappfix" wird von den Fans noch heute benutzt: Ein paar Handgriffe genügen, um aus dem Anhänger ein Zelt samt Küche zu zaubern.

Vor allem Amateurfilme offenbaren, wie einfallsreich die Bürger Ost die Mängel in Ausstattung und Infrastruktur ausgeglichen haben. Aber auch in den Fernseharchiven lagern Camping-Schätze: Legendär sind die Auftritte vom nackten Reporter Wolle am FKK-Strand in der Sendung "Außenseiter, Spitzenreiter", der Fernsehfilm "Camping, Camping" mit Ursula Karusseit und Henry Hübchen zeigt die Höhen und Tiefen im ostdeutschen Camperleben. Zeitzeugen erinnern sich an die schönen, einzigartigen und schwierigen Momente auf den Campingplätzen in der DDR.

Sommer bei uns

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Der Film zeigt, wie amerikanische Musik nach 1945 zwischen die Fronten des Kalten Krieges gerät. Heftige Debatten entzünden sich am Jazz, er wird lange Jahre als "Sirenengesang des Klassenfeinds" verteufelt. Die Stimme des fortschrittlichen, anderen Amerika entdeckt die Propaganda hingegen in schwarzen Volksliedtraditionen. - Etta Cameron Bildrechte: mdr/rbb/Hannes Zerbe
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