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Di, 13.07. 21:00 Uhr 44:30 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst

Der Kulturpalast Bitterfeld - Geliebt, bedroht, gerettet

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Weithin sichtbar liegt mitten auf dem Gelände des Chemieparks Bitterfeld ein monumentaler Klotz ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
... ein riesiges Gebäude im neoklassizistischen Stil, wie aus der Zeit gefallen: der Kulturpalast Bitterfeld. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Es ist ein Ort mit einer faszinierenden Geschichte. 1952 bauen 5.000 Menschen aus Bitterfeld ihren Kulturpalast in über 300.000 Stunden freiwilliger Arbeit selbst, darunter auch Lore Dimter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Arbeiter sollen die "Höhen der Kultur erklimmen" und gleichzeitig Künstler in den Betrieben das wahre Leben kennenlernen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der Versuch, die Kultur ideologisch zu steuern und mit ihrer Hilfe den "neuen sozialistischen Menschen" zu formen, scheitert weitgehend. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Reinhard Waag wird Kulturpalast-Leiter und verwaltet den Mangel. Trotz viel Engagement und guter Ideen trägt sich der Palast nicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Matthias Goßler war als Kind im Zirkel schreibender Schüler. Heute ist er Veranstaltungsmanager und hat eine marktwirtschaftliche Vision für den Kulturpalast, erkämpft dafür einen Haufen Fördergelder. Bildrechte: MDR/Petra Bertram

Weithin sichtbar liegt mitten auf dem Gelände des Chemieparks Bitterfeld ein monumentaler Klotz – ein riesiges Gebäude im neoklassizistischen Stil, wie aus der Zeit gefallen: der Kulturpalast Bitterfeld. Wo überall im Land kleine Kinos und beliebte Kulturstätten ums Überleben kämpfen, wird dieser Kulturpalast vor dem schon längst beschlossenen Abriss gerettet - und für die Zukunft fit gemacht. Wie kann das sein? Und warum sollte das funktionieren?

Es ist ein Ort mit einer faszinierenden Geschichte. 1952 bauen 5.000 Menschen aus Bitterfeld ihren Kulturpalast in über 300.000 Stunden freiwilliger Arbeit selbst, darunter auch Lore Dimter. Ihr ganzes Leben ist mit dem Kulturpalast verwoben. Hier wird der "Bitterfelder Weg" verkündet: Arbeiter sollen die "Höhen der Kultur erklimmen" und gleichzeitig Künstler in den Betrieben das wahre Leben kennenlernen. Lore Dimter wird Mitglied in einem Malzirkel, später selbst Zirkelleiterin für Kinder.

Der Versuch, die Kultur ideologisch zu steuern und mit ihrer Hilfe den "neuen sozialistischen Menschen" zu formen, scheitert weitgehend. Aber er mündet in ein reiches Zirkelleben: Tausende entdecken im Palast für Proletarier ihre Talente. Sie haben die Möglichkeit umsonst zu filmen, zu fotografieren oder zu musizieren. Es ist ein Ort mit vielen Freiheiten; Kunst und Kultur sind für alle zugänglich. Aber vor allem ist der Palast das soziale Zentrum der Stadt, hier finden die Menschen zusammen.

Nach der Wende regiert die Marktwirtschaft, mit der Umsonst-Kultur geht es bergab. Reinhard Waag wird Kulturpalast-Leiter und verwaltet den Mangel. Trotz viel Engagement und guter Ideen trägt sich der Palast nicht. 2017 stellt die Betreiberfirma den Antrag den Kulturpalast abzureißen. Das ist der Moment, wo sich die Bitterfelder besinnen: Was sie mit ihren eigenen Händen gebaut haben, soll nicht verschwinden! Eine Unterschriftenaktion stoppt den Abriss.

Matthias Goßler war als Kind im Zirkel schreibender Schüler. Heute ist er Veranstaltungsmanager und hat eine marktwirtschaftliche Vision für den Kulturpalast, erkämpft dafür einen Haufen Fördergelder. Der Kulturpalast ist erst einmal gerettet. Das ist der Auftakt zu einer neuen Ära: Er wird umgebaut und soll danach als Kongresszentrum und Kulturstätte weiterbetrieben werden.

Der Kulturpalast Bitterfeld ist Zeugnis eines Versuchs, Kunst und Kultur für alle zugänglich zu machen. Welche Rolle kann dieser monumentale Klotz heute und in der Zukunft einnehmen? Und was kann es heute bedeuten, einen "Bitterfelder Weg" zu beschreiten? Das erzählt der Film aus der Reihe "Der Osten – Entdecke wo du lebst".

Ein Film von Petra Bertram

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