Mi 14.07. 2021 01:00Uhr (VPS 01:44) 29:41 min

Echt

Land unter in Mitteldeutschland –

Wie flutsicher sind unsere Städte?

Komplette Sendung

Überschwemmung in Glashütte (Sachsen) 30 min
Überschwemmung in Glashütte (Sachsen) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Mi, 14.07.2021 01:00 01:30
Im August 2002 verwandeln sich friedliche Gebirgsbäche in reißende Ströme. Innerhalb weniger Augenblicke wird aus dem gewohnten Alltag ein Kampf um Leben und Tod. Und elf Jahre später, im Juni 2013, das nächste „Jahrhunderthochwasser“: Schon wieder verlieren Menschen alles, müssen ganz von vorn anfangen – viele zum zweiten Mal. Wie kann das sein? Warum versagten die Anlagen des Hochwasserschutzes ein weiteres Mal?

Besonders schlimm trifft es Grimma. Als die Flut im Sommer 2013 mit aller Wucht kommt, sind die neu geplanten Schutzbauten noch nicht fertig: Eine zwei Kilometer lange Hochwasserschutzwand und eine unterirdische Dichtwand mit acht Grundwasserpumpen. ECHT fragt nach, wann Grimma endlich flutsicher ist.

Auch in Jena bangt man der nächsten Flut entgegen. Die Menschen haben nicht vergessen, wie sich im Juni 2013 die Saale in einen reißenden Strom verwandelt und über ihre Ufer hinaustritt. Eigentlich hätte die Hohenwarte-Talsperre sie schützen sollen. Doch sie läuft über. Eigentlich gehört die Saalekaskade zum Besten, was der Hochwasserschutz im 20. Jahrhundert zu bieten hat. Aber ist das System gerüstet für das 21. Jahrhundert? Betroffene wie der Jenaer Dezernent Frank Jauch sagen: "Nein, die Reserven der Saalekaskade sind für die neuen Hochwasserkatastrophen zu knapp bemessen."

ECHT-Moderator Sven Voss hakt nach: Haben wir die Botschaft, die die Natur uns 2002 und 2013 sandte, richtig verstanden? Ist der technische Hochwasserschutz - also immer höhere Deiche und bessere Flutanlagen - die Lösung? Müssen wir unseren Flüssen nicht wieder mehr Raum geben? Dann wäre auch Familie Bergmann aus Nünchritz in Sachsen heute besser dran. Auch sie sind bei beiden „Jahrhundertfluten“ abgesoffen. Ihr Haus steht im Überschwemmungsgebiet: „Hier hätte die Kommune nie ein Baugebiet ausweisen dürfen“, sagt Mario Bergmann. Die Familie ist mit den Nerven am Ende. Sie will nicht weiter mit der Gefahr leben, dass das Wasser wieder kommen kann. Sie fordern einen Flutschutz. Am liebsten aber würden sie wegziehen. Wenn sie dafür staatliche Hilfe bekommen würden.

Überflutete Städte, durchweichte Deichanlagen, gebrochene Dämme, Evakuierungen, Katastrophenalarm. Das muss nicht sein. ECHT zieht auch eine positive Bilanz. An vielen Stellen hat man die richtigen Konzepte umgesetzt. In Dresden blieb beim Hochwasser 2013 die große Katastrophe aus - so wie im kleinen Eilenburg. Der Ort gilt heute als die erste komplett hochwassergeschützte Stadt in Sachsen.

Weitere Infos unter www.mdr.de/echt

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