Volkspolizist Hannes (Horst Kube), Traudel (Eva-Maria Hagen).
Volkspolizist Hannes (Horst Kube), Traudel (Eva-Maria Hagen). Bildrechte: MDR/Progress/Heinz Wenzel

15. November 1957: Uraufführung von "Vergesst mir meine Traudel nicht" Ein filmischer Dorn im Auge der DDR-Funktionäre

DEFA-Regisseur Kurt Maetzig stellt sich nach seinen Thälmann-Filmen einer neuen Herausforderung - und dreht eine Komödie mit Eva-Maria Hagen in der Hauptrolle, der Mutter von Nina Hagen.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Volkspolizist Hannes (Horst Kube), Traudel (Eva-Maria Hagen).
Volkspolizist Hannes (Horst Kube), Traudel (Eva-Maria Hagen). Bildrechte: MDR/Progress/Heinz Wenzel

Für Traudel läuft es nicht gut. Berlin ist halt ein schwieriges Pflaster. Selbst für ein Mädchen, das mit ziemlich vielen Wassern gewaschen ist. Glücklicherweise erhält sie - nicht unbedingt selbstlose - männliche Unterstützung. Von dem Lehrer Kiepe und vor allem von dem Polizisten Hannes. Obwohl die zwei wissen, dass Traudel polizeilich gesucht wird.

Sie ist aus drei Erziehungsanstalten ausgebrochen, wurde wieder eingefangen und ist nun erneut "flüchtig", wie es im Amtsdeutsch heißt. Hannes müsste sie verhaften, kann das aber nicht, weil sich in ihm mehr rührt als nur Hilfsbereitschaft und Beschützerinstinkt. Und weil er weiß, dass das Mädchen viel Mist durchgemacht hat. Und weil ein Brief existiert, den Traudel bei sich führt: Geschrieben einst von ihrer Mutter im Konzentrationslager Ravensbrück.

In diesem Film, da ist eine eigenartige Verbindung zwischen der tragischen Geschichte der Eltern unserer kleinen Traudel, die Opfer des Faschismus wurden, und der Komödie der Tochter, die zwar vom Leben hin- und hergeschubst wurde, aber ihr gutes Herz nicht verloren hat, vor allem auch nicht ihre kodderige Schnauze und ihren unschlagbaren Mutterwitz.

Kurt Maetzig, Regisseur

So beschreibt Regisseur Kurt Maetzig Traudels Geschichte. Tatsächlich erstaunt noch heute der dramatische Hintergrund, auf dem die amüsante Story von "Vergesst mir meine Traudel nicht" entwickelt wird. Eine Story, die 1957 bei den Kinozuschauern viel Zuspruch findet, aber an der sich so mancher Funktionär reibt. Ein Polizist, der seine Pflicht nicht erfüllt und Gesetze nach eigener Fasson deutet, ist ihnen genauso zuwider wie die Laufbahn dieses Mädchens. Nicht minder regt man sich auf, weil Traudel mal, so Maetzig: "nur mit einem Handtuch bekleidet war. Das war damals in gewisser Leute Augen schon die Grenze zur Pornographie."

Dass er diesen Film überhaupt machen kann, erzählt Maetzig 1987, ist vermutlich allein dem Prestige geschuldet, dass er sich mit den Thälmann-Filmen erarbeitet hat. Hinzu kommt, dass Drehbuchautor Kurt Barthel Mitglied des Zentralkomitees ist. Andere wären an Grenzen, an Tabus gestoßen.

Sowas gab es dann später überhaupt nicht mehr bei der DEFA. Ja, es war ein großes Glück.

Eva-Maria Hagen, Schauspielerin

Das sagt Traudel-Darstellerin Eva-Maria Hagen dankbar über den Film und die Rolle, mit der sie die Herzen des Publikums gewinnt. Allerdings stört sie der Schluss: Dass Hannes und Traudel ein Paar werden. Dafür erscheint ihr der Hannes denn doch zu brav, zu bieder. Nun ja: Vielleicht entwickelt ein Polizist, der am Ende wegen seiner lockeren Gesetzestreue keiner mehr sein darf, auch in anderer Hinsicht Qualitäten, die man auf den ersten Blick nicht ahnt.       

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 10:03 Uhr