Bewegte Geschichte der Semperoper Der Wiederaufbau in der DDR

Als am 13. Februar 1985 um 19:00 Uhr, vierzig Jahre nach der Zerstörung, die ersten Takte des "Freischütz" in der Semperoper erklangen, lagen Jahre des Bangens und Hoffens hinter den Rekonstrukteuren. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als ob die gut erhaltene Fassade im Stil italienischer Hochrenaissance den sozialistischen Neuerern zum Opfer fallen würde.

Sprengung der Universitätskirche am Karl-Marx-Platz in Leipzig. Aufgenommen am 30.05.1968.
Die Sprengung der Paulinerkirche am 30.05.1968. Bildrechte: dpa

Dass die sozialistische Stadtplanung kein Pardon kannte, wenn es darum ging, Platz für die sozialistischen Stadtzentren zu schaffen, hatte sie bereits mit der Sprengung der Leipziger Universitätskirche und dem Abriss des Berliner Schlosses bewiesen. Überraschend wurde die Semperoper in den siebziger Jahren zum erstrangigen Objekt der Denkmalpflege erklärt, 1976 gab die SED die Direktive zum Bau.

Der Aufbau gestaltete sich schwieriger und teurer als erwartet: die SED-Direktive erschloss zwar ausreichendes Material, Fachkräfte wie Marmoriere und Stuckgießer waren in der auf billiges und schnelles Bauen ausgerichteten Wirtschaft aber nur schwer zu finden. Daneben waren die Originalpläne der Oper verschollen, die Rekonstrukteure mussten sich an alten Rechnungen, Zeichnungen und Fotos orientieren.

Nachtaufnahme der beleuchteten Fassade der Semperoper in Dresden
Die Semperoper: ein Symbol des Friedens Bildrechte: imago/OceanPhoto

Fachleute untersuchten andere Semperbauten, um Informationen zu erschließen. Nach Abschluss der Innenarbeiten nahm auf den roten Samtbezügen der Sitzplätze zuerst die NVA Platz. Diszipliniert stillsitzende Soldaten waren erforderlich, um die Akustik des - von Richard Strauss wegen seines einzigartigen Klanges als "Wunderharfe" gelobten - Konzertsaales zu testen.

Zum 40. Jahrestag der Zerstörung Dresdens wurde die Semperoper als "Symbol des Friedens" feierlich wiedereröffnet. Zur Aufführung kam Carl Maria von Webers "Freischütz", das letzte Stück, das vor der Schließung der Oper am 31. August 1944 gezeigt worden war.