Brennendes Fahrzeug
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Umschau | 21.08.2018 | 20:15 Uhr Was tun, wenn das Auto brennt?

Was tun, wenn Flammen aus dem Motorraum schlagen? Soll man versuchen, das Feuer zu löschen? Explodiert sonst das Auto? Und welchen Feuerlöscher sollte man kaufen? MDR-Autoexperte Andreas Keßler weiß, was zu tun ist.

Brennendes Fahrzeug
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Als Hauptursache für Kfz-Brände nennt die Statistik zu knapp 90 Prozent technische Mängel wie Defekte am Kraftstoffsystem und der Fahrzeugelektrik. Trotzdem sind Fahrzeugbrände nicht nur ein Problem alter und maroder Fahrzeuge. Bei Unfällen entzündet sich zum Beispiel oft ausgelaufenes Benzin und dann kann es lebensrettend sein, wenn ein Ersthelfer einen Feuerlöscher dabei hat.

Die wenigsten Autofahrer haben einen an Bord, dabei ist das Angebot groß und die Preise erträglich. Nachrüstgeräte sind schon ab rund 25 Euro zu haben. Wer sich einen Autofeuerlöscher anschaffen will, hat die Wahl zwischen Geräten mit einem und zwei Kilogramm Füllmenge. Grundsätzlich gilt: Je größer, desto besser! Der ungeübte Selbstlöscher wird nämlich in der Aufregung, einen Teil des Feuerlöscherinhalts wirkungslos verpulvern, weil er aus zu großer Entfernung oder an die falsche Stelle sprüht. Ein größerer Autofeuerlöscher kann auch einen bereits weiter fortgeschrittenen Brand wirkungsvoller eindämmen. Jedes zusätzliche Gramm Löschpulver bringt wertvolle Minuten, die dann für die Rettung von Unfallopfern zur Verfügung steht.

Die Unterbringung des Feuerlöschers im Auto bereitet dank separater Halter in den meisten Fällen keine Probleme. Ein guter Platz ist direkt vor dem Fahrer oder Beifahrersitz. Der Kofferraum ist dagegen kritisch zu sehen, da der Löscher dort nicht nur eventuell unter Gepäck begraben, sondern bei einem Auffahrunfall auch unerreichbar ist.

Regeln für den Feuerlöschereinsatz:

Fuererlöscher in einem Auto, 2015
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  • Die Zündung aus- und die Warnblinkanlage einschalten.
  • Die Motorhaube entriegeln und raus aus dem Auto!
  • Den Feuerlöscher "scharf" machen und die ersten Löschpulversalven in den Schlitz zwischen Motorhaube und Kühlergrill geben.
  • Erst dann die Motorhaube öffnen und mit dem Löscher so dicht wie möglich (dabei jedoch die eigene Sicherheit  -Verbrennungsgefahr-  berücksichtigen!) an den Flammenherd herangehen.
  • Darauf achten, dass man den Wind im Rücken hat, damit man beim Löschen kein Löschpulver oder Rauch und Zersetzungsprodukte (Brandgase) einatmet.
  • Erst wenn ganz nahe am Feuer ist, mit kurzen, gezielten Stößen den Flammen zu Leibe rücken. Die reine Sprühdauer eines 1-Kilo-Feuerlöschers beträgt nur wenige Sekunden.
  • Wenn keine Flammen mehr durch die Pulverwolken dringen und weißer Rauch aufsteigt, ist der Brand so gut wie gelöscht.
  • Zur Sicherheit sollte der Löscher nicht völlig leer gespritzt werden, falls es zu Rückzündungen kommt. Das kann vor allem bei Reifenbränden der Fall sein.
  • Wenn beim Versuch, die Haube zu öffnen, schon Flammen aus dem Motorraum schlagen, muss die Haube zu bleiben. Geöffnet werden darf sie erst dann, wenn ein Feuerlöscher zur Hand ist. Ist der nicht aufzutreiben, ist die Prognose für das Auto leider schlecht.

Wenn ein Elektroauto brennt

Ein Fahrzeugbrand wird 2017 von Feuerwehrleuten der Grazer Berufsfeuerwehr während einer Übung gelöscht.
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Es passiert zwar äußerst selten, dass ein Elektroauto in Brand gerät, ganz auszuschließen ist dieser Fall trotzdem nicht. Tritt er ein, gelten andere Regeln als die oben beschriebenen. Weil bei E-Autos ganz andere Ströme fließen, ist es besser, sofort die Feuerwehr zu benachrichtigen. Selbst den Brand zu löschen, ist lebensgefährlich, weil ein elektrischer Schlag droht. Außerdem kann die Hitzeentwicklung hier deutlich stärker sein als bei kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen. Wie bei allen elektrisch verursachten Bränden, muss mit einem Wiederaufflammen gerechnet werden, vor allen solange die chemischen Prozesse in der Batterie nicht gestoppt sind.

Explodierende Autos? Gibts nur im Film!

Zum Schluss noch einmal ganz deutlich: Dass ein Auto, wie es im Fernsehen so oft gezeigt wird, explodiert, muss niemand befürchten. So etwas kommt in der Praxis nicht vor. In seltenen Fällen kann freigewordener Kraftstoff explosionsartig verbrennen, was aber nicht mit den Special Effects à la Hollywood vergleichbar ist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 21. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2018, 22:24 Uhr