Umschau | exklusiv | 13.06.2017 | 20:15 Uhr Auch neue Anti-Terror-Sperren versagen

Auch neue Anti-Terror-Sperren halten Lkws nicht auf. Das ergab ein weiterer Crash-Test der Dekra Neumünster im Auftrag der Umschau. Dabei wurde ein zehn Tonnen schwerer Laster mit Tempo 50 auf eine Kombination aus mit Ketten verbundenen Betonblöcken und stabilen Metallkreuzen gesteuert.

Anstatt das Fahrzeug zu bremsen, zogen die Ketten die Blöcke jedoch mit. Die dahinter aufgestellten Metallkreuze hielten den Erwartungen ebenfalls nicht stand. Sie sollten sich mit je einer Zacke in das Fahrzeug und in den Untergrund bohren und sich durch die Wucht des Aufpralls so drehen, dass der Lkw aufgebockt wird. Bei dem Versuch wurden sie jedoch einfach zur Seite geschoben und das Fahrzeug erst am Ende der Teststrecke von der Aufschlagwand gestoppt. Bei dem Test waren wieder Hersteller von Anti-Terror-Sperren anwesend.

Ein Lkw fährt bei einem Crashtest auf eine Barriere zu.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neue Ideen nach Umschau-Crashtest vom April

Der erste Crashtest von Umschau und Dekra hatte im April gezeigt, dass mobile Betonsperren keinen Schutz vor Lkw-Anschlägen bieten. Nun wurden von der Redaktion neue Systeme, die sich noch in der Entwicklung befinden, getestet. Wie effektiv diese sind, hat das MDR-Magazin vom Dynamik-Experten Prof. Eckhard Scholz von der HTWK Leipzig beurteilen lassen.

Im Ergebnis kann keine Sperre ein Fahrzeug auf der Stelle stoppen. Allerdings gibt es Unterschiede in der Strecke, die ein Lkw nach der Kollision mit der Barriere noch zurücklegen kann.

Illegal getestete Sperre am effektivsten

Ausgerechnet eine Sperre, die durch die öffentlich gewordene Aufnahme eines illegalen Crashtests Ende April in Uslar traurige Bekanntheit erlangte, weil der Test-Fahrer dabei schwer verletzt wurde, erwies sich als besonders effektiv. Sie besteht aus einem dreizackigen Stern aus Stahl, der sich im Untergrund verhakt und das Fahrzeug anhebt. Dadurch wird die nach vorn gerichtete Energie nach oben umgelenkt und der Lkw schneller gestoppt. "Durch die Energieverschiebung erreichen wir eine gute Stopp-Wirkung", urteilt der Experte. Im Gegensatz zu anderen Sperren besteht diese jedoch aus Metall, was sie teurer macht als Betonbarrieren.

Sperre mit Pollern

Eine Computergrafik zeigt einen Lkw, der auf eine Anti-Terror-Sperre fährt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei der sogenannten TruckBloc-Barriere fährt der Angreifer auf eine mobile Rampe, in die ein senkrecht stehender Metallpoller eingelassen ist. Nach Vorstellung des Herstellers soll das Fahrzeug gegen den Poller fahren. Dabei wird die Rampe gegen den Untergrund gedrückt und stoppt durch Reibung die Bewegung. Prof. Scholz bestätigt die Wirkung: "Bei einem beladenen Zehntonner mit 50 Kilometern pro Stunde wird sich die Rampe mit dem Fahrzeug ca. zehn Meter bewegen können. Aber die Bremswirkung ist ausgesprochen hoch."

Kette aus Betonblöcken

Eine Computergrafik zeigt einen Lkw, der auf eine Anti-Terror-Sperre fährt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehrere Hersteller setzen auf schwere Betonblöcke, die den sogenannten Nizza-Steinen ähnlich sind, aber wie Puzzleteile miteinander verzahnt werden. Bei einer Kollision werden sie zwar mitgerissen, bremsen aber durch die Verkettung effektiver als ein einzelner Block. Je länger dabei die Kette ist, umso größer ist auch die Bremswirkung. "Durch die Verkettung entsteht schon eine erhebliche Bremswirkung", lautet das Urteil des Experten.

Über dieses Thema berichtet die "Umschau" auch im: MDR FERNSEHEN | 13.06.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 13:32 Uhr