Streetscooter
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Brandrisiko bei E-Zustellfahrzeugen Deutsche Post: "Ursache für Streetscooter-Brände steht fest"

Die Suche nach der Ursache für die Brände von Streetscootern der Deutschen Post war offenbar erfolgreich. Gegenüber der "Umschau" nannte ein Unternehmenssprecher fehlerhafte Verschweißungen in der Batterie als Grund.

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Nach Bränden von Streetscooter-Fahrzeugen teilte Post-Sprecher Alexander Edenhofer der "Umschau" mit, die Brandursache gefunden zu haben. "Die fehlerhafte Verschweißung in der Traktionsbatterie, die zu den beiden Bränden geführt hat, wurde von einem Vorlieferanten durchgeführt, bevor das Bauteil an die Streetscooter-Produktionsstandorte angeliefert wurde", sagte Edenhofer am 26. März 2019. Den Fehler in der Lieferkette habe die Post umgehend abgestellt. Externe DEKRA-Gutachten hätten die Brandursachen-Ermittlung der Streetscooter GmbH bestätigt.

Kraftfahrtbundesamt prüft

An einem Ampelmast hängt ein Wegweiser mit der Aufschrift Kraftfahrt-Bundesamt.
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Inzwischen prüft routinemäßig auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) den Vorgang. "Sofern eine ernsthafte Gefährdung vorliegt, kann eine Rückrufaktion angeordnet werden", teilte KBA-Sprecher Stephan Immen der "Umschau" mit. Zur Lieferkette der Streetscooter-Batterien schweigt die Deutsche Post AG aus "vertraglichen Gründen".

Die Untersuchung sämtlicher potenziell betroffenen 460 Streetscooter werde noch Wochen dauern, erklärte Post-Sprecher Edenhofer. Bereits überprüfte Streetscooter seien schon wieder im Einsatz. Vor einer Woche hatte die Post bestätigt, 460 Fahrzeuge ihrer Streetscooter-Flotte zur Überprüfung von der Straße geholt zu haben. Vorausgegangen waren mindestens zwei Fahrzeugbrände in Singen (Baden-Württemberg) und Teuchern (Sachsen-Anhalt) im Nov. 2018.

Politiker fordert Aufklärung über Ursache

Der SPD-Politiker Rüdiger Erben hatte zuvor Transparenz von der Post bei der Ursachenforschung gefordert. "Es fahren ja Tausende solcher Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen. Und da haben die Menschen einen Anspruch darauf zu erfahren, was die Ursache ist", sagte Erben. Er ist parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt. Bei dem Streetscooter-Brand in Teuchern hatte die Feuerwehr zunächst große Probleme beim Löschen des Brandes. Unter anderem war ätzende Flusssäure am Brandort entstanden, wodurch der Feuerwehreinsatz überraschend aufwendig wurde.

Batterieforscher fordert Qualitätsprüfung bei jedem Arbeitsschritt

Der Batterieforscher Wolfgang Haselrieder hält die sogenannte "Batteriezellatmung" beim Laden und Entladen generell für eine potenzielle Gefahrenquelle – auch bei Elektroautos. "Beim Ausdehnen der Zellen wirken mechanische Kräfte. Verschweißungen können dabei versagen. Im Extremfall können sich Zellen dann öffnen, durchgehen und entzünden", sagte Haselrieder. Eine Batterieherstellung habe 20 bis 30 Arbeitsschritte und für jeden einzelnen müsse es eine Qualitätsprüfung geben. Haselrieder ist Arbeitsgruppenleiter für Batterieverfahrenstechnik an der TU Braunschweig.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 26. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 14:11 Uhr

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