Arbeiter auf einer Eigenheim-Baustelle.
Bildrechte: Colourbox.de

Immobilienpreise Grunderwerbssteuer verteuert Wohneigentum

2018 haben Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen rund 724 Millionen Euro aus der Grunderwerbssteuer eingenommen - zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Kritiker sehen die Steuer als Zusatzbelastung für Bauwillige.

Arbeiter auf einer Eigenheim-Baustelle.
Bildrechte: Colourbox.de

Im vergangenen Jahr haben Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen rund 724 Millionen Euro aus der Grunderwerbssteuer eingenommen. Das ergab eine Abfrage der Finanzämter der Länder. Damit sind die Einnahmen aus der Steuer 2018 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Prozent gestiegen.

Die Grunderwerbssteuer wird beim Kauf von Grundstücken erhoben und beschert den Finanzämtern nahezu konstant steigende Einnahmen. In Sachsen bezahlten Immobilienkäufer 2018 insgesamt etwa 338 Millionen Euro Grunderwerbsteuer – das sind 37 Prozent mehr als noch 2014. In Sachsen-Anhalt sind die Einnahmen seit 2014 um fast 60 Prozent auf zuletzt 187 Millionen Euro gestiegen. In Thüringen beträgt der Anstieg in den vergangenen fünf Jahren sogar rund 84 Prozent – auf knapp 200 Millionen Euro.

"Eine interessante Einnahmequelle"

Die erhöhten Einnahmen haben mehrere Gründe. Laut Immobilienwissenschaftler Stefan Kofner können sie sowohl auf gestiegene Immobilien- und Grundstücksverkäufe als auch auf höhere beim Verkauf erzielte Preise zurückgeführt werden. "Die Immobilienpreise sind vor allem im urbanen Raum kräftig gestiegen, zum Beispiel in Dresden, Leipzig, Jena, Weimar und Erfurt", sagt der Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Zittau-Görlitz. Dazu komme, dass die Steuer in Thüringen im Jahr 2017 von 5 Prozent auf 6,5 Prozent erhöht wurde.

Die Höhe der Grunderwerbssteuer kann seit der Föderalismusreform 2006 von den Ländern selbst festgelegt werden – vorher lag sie bundesweit einheitlich bei 3,5 Prozent. "Für die Länder ist die Grunderwerbssteuer eine interessante Einnahmequelle. Es ist sicher kein Zufall, dass sie in hochverschuldeten Ländern wie Berlin besonders früh erhöht wurde", so Kofner.

Klagen von Verbrauchern

Die Erhöhung der Steuer in Thüringen ist auch an den Bauinteressenten nicht vorbeigegangen. Die Verbraucherzentrale berichtet von gelegentlichen Beschwerden. Auch Christina Liebetrau, die Sprecherin für Infrastruktur der Thüringer CDU-Fraktion, kennt diese Nöte: "Junge Leute nehmen es nur zähneknirschend hin." Die Steuer sei insgesamt eine neue Zusatzbelastung für Bauwillige, die dadurch unmittelbar zur Kasse gebeten würden.

Thüringen erhebt mit Schleswig-Holstein, dem Saarland, NRW und Brandenburg die höchste Steuer (6,5 Prozent). Sachsen-Anhalt berechnet 5 Prozent Grunderwerbssteuer. In Sachsen beträgt sie seit jeher 3,5 Prozent. Laut der Thüringer Landtagsabgeordneten Liebetrau könne man nicht ausschließen, dass Leute dann einfach im Nachbarland bauten – und 20 Kilometer mehr zur Arbeit fahren würden. "Auch bei gewerblicher Ansiedelung kann das eine Rolle spielen", so Liebetrau.

Freibetrag im Gespräch

In Sachsen ist die Grunderwerbssteuer vor allem wegen der niedrigen Wohneigentumsquote bisher nicht erhöht worden. "Hier haben prozentual weniger Menschen privates Wohneigentum als in anderen Flächenländern. Dies ist historisch auf die Zeit der DDR zurückzuführen, muss aber angepasst werden", sagt der finanzpolitische Sprecher der sächsischen CDU-Fraktion, Jens Michel, und plädiert für ein Belassen des niedrigen Steuersatzes in seinem Bundesland.

"Die Grunderwerbssteuer ist ein massives Hindernis für die Wohneigentumsbildung", bestätigt Immobilienwissenschaftler Stefan Kofner. "Dadurch wird der Erwerb von Bauland, Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern teurer und auch die Mieten können weiter steigen." Kofner hält einen Freibetrag für Transaktionen zum Zweck der Wohneigentumsbildung für sinnvoll, wie er im Koalitionsvertrag des Bundes erwähnt worden ist. Dieser "Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer" soll beim erstmaligen Erwerb von Wohngrundstücken für Familien gelten, besagt der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD.

Deutschlandweit lagen die Einnahmen der Länder aus der Grunderwerbssteuer 2017 auf einem Rekord-Niveau von 13,1 Milliarden Euro. Die Einnahmen für 2018 werden vom Bundesfinanzministerium derzeit auf 12,9 Milliarden Euro geschätzt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 12. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 16:34 Uhr