Ein Holzhäuschen liegt auf einem bunten Grundriss
Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Grunderwerbssteuer "Die Kleinen zahlen die Steuer"

Durch "Share Deals" können Immobilienkonzerne die Grunderwerbssteuer beim Immobilienkauf umgehen. "Und die Kleinen zahlen die Steuer," kritisiert der sächsische Finanzminister Matthias Haß. Die Politik will das ändern.

Ein Holzhäuschen liegt auf einem bunten Grundriss
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Das Bundesfinanzministerium will sogenannte Share Deals bei Grundstücks- oder Immobilienkäufen abschaffen. "Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, gemeinsam mit den Ländern eine verfassungsfeste Lösung zu finden, die schädliche Steuergestaltungen über sogenannte Share Deals wirksam eindämmt", teilte Martin Chaudhuri dem MDR-Magazin "Umschau" mit. Chaudhuri ist Sprecher im Bundesfinanzministerium. Nach Einschätzungen des hessischen Finanzministers geht den Bundesländern durch Share Deals jährlich etwa eine Milliarde Euro verloren. Zustimmung kommt aus Mitteldeutschland.

Immobilienkonzerne umgehen Grunderwerbssteuer

Matthias Haß (CDU), Finanzminister von Sachsen, spricht bei einer Kabinetts-Pressekonferenz
Matthias Haß (CDU), Finanzminister von Sachsen Bildrechte: dpa

"Es kann nicht sein, dass die Großen die Steuer nicht bezahlen und die Kleinen zahlen die Steuer", sagt der sächsische Finanzminister Matthias Haß der "Umschau". Große Immobilienkonzerne wie die Vonovia Aktiengesellschaft oder das Unternehmen Deutsche Wohnen umgehen die Grunderwerbssteuer beim Kauf von Immobilien. Während Privatpersonen die Steuer bei einem Kauf innerhalb von nur vier Wochen entrichten müssen, entziehen sich Immobilienfirmen der Besteuerung. Nach Angaben der Bundesregierung hat allein die Vonovia AG in den letzten drei Jahren bundesweit 46.000 Wohnungen über Share Deals erworben.

"Share Deals" machen es möglich

"Der Trick bei Share Deals besteht darin, dass nicht die einzelnen Immobilien gehandelt werden, sondern Anteile an Grundstücksgesellschaften", erklärt Immobilienexperte Stefan Kofner. Er ist Professor an der Hochschule Zittau/Görlitz. Dieses Vorgehen sei legal. Denn solange der erworbene Anteil unter 95 Prozent liege, falle die Grunderwerbssteuer weg. Den Bundesländern entgehen so jährlich jeweils mehrere Millionen Euro. Ein Beispiel für so einen Deal ist das Berliner Ku‘damm-Karree. Es wurde in den letzten Jahren dreimal verkauft, ohne dass Grunderwerbssteuer fällig wurde.  Dem Land Berlin gingen allein damit 25 Millionen Euro verloren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 12. März 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 11:52 Uhr