Ein Junge gießt mit einer Kanne frisch ausgesääte Setzlinge.
Bildrechte: imago/MITO

Umschau | 22.05.2018 | 20:15 Uhr Tipps für Kleingarten-Einsteiger

Ein Junge gießt mit einer Kanne frisch ausgesääte Setzlinge.
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Mehr als eine Million Kleingärten gibt es in Deutschland. Wurden früher die Laubenpieper eher als ein wenig spießig belächelt, ist die Parzelle heute wieder heiß begehrt. Vor allem junge Familien entdecken den Kleingarten für sich als Erholungsort, können sie sich doch dort den Traum vom selbst angebauten Obst und Gemüse erfüllen. Was müssen Sie beachten, wenn Sie sich für einen Kleingarten interessieren? Welche Spielregeln gelten und welche Kosten kommen auf Sie zu? Wir haben mit Peter Paschke, dem Präsidenten des Landesverbands Sachsen der Kleingärtner e.V., gesprochen.

Wie lässt sich ein Kleingarten finden?

Entweder Sie suchen im Internet den für Sie zuständigen Landesverband oder Kreisverband und lassen sich dort über freie Gärten in Ihrer Umgebung beraten.

"Oder Sie gehen direkt zu einem Kleingartenverein und fragen vor Ort nach. Sprechen Sie einfach einen Gartenfreund an, man hilft Ihnen da weiter", empfiehlt Peter Paschke. Tatsächlich kennt man sich im Kleingarten, die allermeisten Mitglieder sind freundlich und offen für Ihre Mitmenschen. Oftmals weisen die Vereine auch in Ihren Schaukästen oder auf Ihren Internetseiten freie Gärten aus. Haben Sie einen Garten gefunden und stimmt die gegenseitige Chemie, dann werden Sie Mitglied im Verein und Pächter der Parzelle.

Was kostet ein Kleingarten?

Ein Mann hält ein Bund Möhren.
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Im Bundeskleingartengesetz ist geregelt, dass ein Kleingarten maximal 400 Quadratmeter groß sein soll. Peter Paschke berechnet dafür folgende Kosten pro Jahr: "Die Pachtpreise gehen in Deutschland bei zwei bis drei Cent pro Quadratmeter los. Das kann in begehrten Lagen aber auch schon mal bis zu 20 Cent und mehr werden. Inklusive Strom, Wasser und Vereinsbeitrag, kommen Sie aber mit rund 300 Euro gut hin."

Vorsicht Laubenbestand! In den meisten Vereinen übernehmen Sie ein Grundstück mit Laube. Je nach Zustand bezahlen Sie für diese Laube eine Ablösesumme an den Vorpächter oder den Verein. Das können gerne schon einmal 1.000 bis 3.000 Euro sein. Wollen Sie einen Garten in begehrter Lage, bezahlen Sie mehr Ablöse, haben aber kein Problem, wenn Sie den Garten inklusive Laube später wieder abgeben wollen.

Vorsicht ist geboten, wenn der Garten in einem Verein mit vielen freien Plätzen und eher rückläufiger Mitgliederzahl liegt. Wollen Sie den Garten wieder abgeben und es findet sich kein Nachpächter, kann der Verein darauf bestehen, dass Sie den Garten ohne Gebäudelast zurückgeben. Das heißt, Sie müssen unter Umständen am Ende die Laube auf eigene Kosten abreißen und entsorgen. Informieren Sie sich also genau, wie es um die Entwicklung des Vereins bestellt ist.

Welche Regeln sind zu beachten?

Die grundlegenden Regeln für alle Kleingartenvereine sind im Bundeskleingartengesetz niedergeschrieben. Hier steht zum Beispiel, dass eine Laube einschließlich überdachtem Freisitz höchstens eine Grundfläche von 24 Quadratmetern haben darf. Sie dürfen dort auch nicht dauerhaft drin wohnen. Wer mit Großfamilie in den Kleingarten möchte, sollte das bei der Platzplanung beachten. Weitere Regeln, wie etwa das Befahren der Gartenwege mit Auto und Hänger, das Abschließen der Tore oder die Versorgung mit Strom und Wasser sind in der jeweiligen Vereinsatzung geregelt.

Diese Regeln tragen dazu bei, dass die Gemeinschaft der Kleingärtner in der Anlage funktioniert. Insbesondere bei größeren Gartensparten kommt es darauf an, auch im Sinne der Gemeinschaft zu denken und zu handeln. Angst vor spießigen Umgangsformen braucht aber niemand zu haben, findet unser Garten-Experte Peter Paschke: "Kleingärtner sind in der Regel gesellige und hilfsbereite Menschen. Wenn Sie denen freundlich begegnen, haben die für Ihre Sorgen immer ein offenes Ohr und sind hilfsbereit."

Was darf angebaut werden, was muss angebaut werden?

Ein Vater hockt neben seinem Kind in einem Kleingarten. Er hält die Ernte in der Hand während der Junge in eine Gurke beisst.
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Ursprünglich diente der Kleingarten zum Anbau von Obst und Gemüse. Damit sollte die Stadtbevölkerung besser mit Vitaminen versorgt werden. Auch heute schreibt das Bundeskleingartengesetz noch vor, dass rund ein Drittel der Gartenfläche zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden soll. Nun brauchen Sie aber keine Angst davor zu haben, als Anfänger tatsächlich über 100 Quadratmeter Beet beackern zu müssen. "Zu Obst und Gemüse kommen mittlerweile ja auch noch Kräuter und Blumen hinzu", erklärt Peter Paschke vom Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.. Außerdem sind Sie mit einem Apfelbaum und ein paar Beerenbüschen auch schon gut im Rennen und diese Obstgehölze sind eher pflegeleicht. Womit wir abschließend die Frage klären:

Wieviel Arbeit macht ein Kleingarten?

Das kommt natürlich darauf an, ob Sie der große Gemüsezüchter werden wollen, oder einfach ein paar Stunden im Grünen verbringen möchten. Richtige Gartenfans können sich fast das ganze Jahr mit Aussäen, Pikieren, Vorziehen und Auspflanzen beschäftigen. Für ein Stück Rasen, ein paar Erdbeeren und eine Reihe Radieschen benötigen Sie wesentlich weniger Zeit. Aber selbst für die Minimalvariante sollten Sie in der Gartensaison von April bis Oktober zwei Tage Arbeit pro Monat einrechnen. Neben Rasen mähen, müssen Hecke und Büsche verschnitten werden. Und natürlich muss auch das unvermeidliche Unkraut gerupft werden. Experten sagen dazu übrigens Wildkraut. Wenn Sie die Beschäftigung im Garten aber eher als Erholung denn als Arbeit ansehen, dann werden Sie schnell merken, wie Sie das im wahrsten Sinne erdet. Das Anbauen von Gemüse und Obst gemeinsam mit Ihren Kindern, die Pflege der Pflanzen und schließlich die Ernte, sind Erlebnisse, die Ihnen kein Freizeitpark dieser Welt bieten kann.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 22. Mai 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 14:51 Uhr