Ein Stempel mit der Aufschrift Hartz IV.
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Umschau | exklusiv Kostenzuschuss für Hartz-IV-Wohnungen hinkt Mietsteigerungen hinterher

Zuschüsse sollen Hartz-IV-Empfänger bei den Mietkosten entlasten. Doch die Belastung der Bedürftigen steigt, weil fast überall die Mietpreise anziehen, die Kostenzuschüsse aber nicht an die Entwicklung angepasst wurden.

Ein Stempel mit der Aufschrift Hartz IV.
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In allen Großstädten Mitteldeutschlands bekommen ALG-II-Empfänger im Durchschnitt weniger Mietkosten erstattet, als sie tatsächlich zahlen. Das berichtet die "Umschau" unter Bezug auf aktuelle Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit (Stand 10/2017). Die Lücke klafft von 10 Euro in Jena bis zu 17 Euro in Leipzig. Nach dem Sozialgesetzbuch II müssen grundsätzlich die Leistungen für die Unterkunft den tatsächlichen Bedarf decken. Die Kommunen müssen die Eckwerte für die Leistungen zum Wohnen regelmäßig anpassen.

Leistungen nicht angepasst

Hinkt dieser Prozess jedoch den Mietsteigerungen hinterher, geht das zu Lasten der Bedürftigen. Für den Paritätischen Wohlfahrtsverband sind diese Zahlen alarmierend. "Dann müssen die Betroffenen zehn bis zwanzig Prozent aus ihrem ohnehin schon knappen Regelsatz für die Miete aufwenden", sagt Joachim Rock, Abteilungsleiter für Soziales bei dem Verband. Ein Umzug sei angesichts des angespannten Mietmarkts nicht immer die bessere Lösung.

Steigende Ausgaben für Kommunen

Obwohl die Unterstützung vom Staat vielerorts nicht ausreicht, sind die Kosten bei den Kommunen in den vergangenen Jahren gestiegen. Nach der aktuellen Statistik der Bundesagentur (Stand 10/2017) sind die Zuschüsse der Kommunen für Hartz-IV-Wohnungen innerhalb von zwei Jahren um sechs Prozent gestiegen. Von durchschnittlich 442 auf 469 Euro je Bedarfsgemeinschaft im Monat. Auch in mitteldeutschen Großstädten sind die Zuschüsse je Bedarfsgemeinschaft innerhalb von zwei Jahren gestiegen. Die größten Anstiege unter den sieben Städten gibt es in Halle (um 7,3 Prozent auf 414 Euro) und Jena (um 6,1 Prozent auf 403 Euro. Damit liegen sie über dem Bundesdurchschnitt. Dresden liegt leicht darunter (um 5,9 Prozent auf 428 Euro).

Die Gesamtkosten aller deutschen Kommunen liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro pro Monat. Dieser Betrag ist innerhalb von zwei Jahren um fünf Prozent gestiegen. Der Anstieg der Gesamtkosten fällt etwas geringer aus als der je Wohnung, weil die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um knapp einen Prozent auf 3,2 Millionen Euro zurückgegangen ist.

Zahlen und Fakten

Durchschnittlicher Wohnkostenzuschuss je Bedarfsgemeinschaft in Euro*
  Tatsächlich Anerkannt Differenz
Leipzig 411 394 17
Chemnitz 385 370 15
Dresden 443 428 15
Erfurt 454 439 15
Halle 425 414 11
Jena 413 403 10
Magdeburg 420 404 16
       
München 693 667 26
Hamburg 559 541 19
Durchschnittliche anerkannte Kosten je Bedarfsgemeinschaft (Wohnung) in Euro*
  Okt 15 Okt 17 Veränderung
Bundesweit 442 469 6,1%
       
Chemnitz 355 370 4,1%
Dresden 404 428 5,9%
Erfurt 431 439 1,9%
Halle 386 414 7,3%
Jena 380 403 6,1%
Leipzig 377 394 4,5%
Magdeburg 391 404 3,3%
       
München 633 667 5,4%
Hamburg 534 541 1,2%
Gesamtkosten (Mio. Euro)*
  Okt 15 Okt 17 Veränderung
Bundesweit 1.428,0 1.500,0 5,0%
       
Chemnitz 4,8 4,8 0,0%
Dresden 10,6 10,8 1,9%
Erfurt 5,1 4,8 -5,9%
Halle 7,05 7,7 9,2%
Jena 1,7 1,7 0,0%
Leipzig 14,7 14,0 -4,5%
Magdeburg 6,9 6,9 0,0%
       
München 23,7 24,3 2,5%
Hamburg 49,9 52,2 4,6%
Zahl der Bedarfsgemeinschaften*
  Okt 15 Okt 17 Veränderung
Bundesweit 3.230.000 3.200.000 -0,9%
       
Chemnitz 14.230 13.357 -6,1%
Dresden 27.895 26.573 -4,7%
Erfurt 12.600 11.434 -9,3%
Halle 19.060 19.174 0,6%
Jena 4.574 4.398 -3,8%
Leipzig 41.134 37.662 -8,4%
Magdeburg 18.342 17.812 -2,9%
       
München 40.926 39.702 -3,0%
Hamburg 100.288 102.077 1,8%

* Quelle: Bundesarbeitsagentur für Arbeit (Stand: 10/2017)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 08. Mai 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2018, 22:15 Uhr