Umschau-Quicktipp | 05.03.2019 Alkolocks: Das müssen Sie über die Messgeräte wissen

Rund 300 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland durch Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol im Spiel ist. Rund 12.000 Menschen kommen bei solchen Unfällen zu Schaden. Das Alkohol-Interlock-System im Auto, genannt Alkolock, soll Abhilfe schaffen und Fahrten unter Alkoholeinfluss verringern. Was das System kann und wann es bei uns auf die Straße kommt, erfahren Sie jetzt. 

Was sind Alkolocks

Alkolocks sind fest im Auto installiert und mit der Wegfahrsperre gekoppelt. Diese hochwertigen Atemalkohol-Messgeräte sind ähnlich denen der Polizei - kein Vergleich also zum Partygag beziehungsweise den Alkoholteststreifen oder Digitalgeräten aus Apotheke oder Internet für ein paar Euro. Die Billig-Tester schnitten in Untersuchungen teilweise katastrophal ab und geben in Sachen wirklicher Alkoholgehalt im Blut überhaupt keine Sicherheit. Je nach zulässiger und eingestellter Promillegrenze können Sie als Fahrer das Auto erst dann starten, wenn Sie vorher in den Alkolock gepustet und das Gerät die Fahrt freigegeben hat. Schummeln wäre theoretisch möglich, wenn Sie den Beifahrer pusten lassen, allerdings: In Ländern wie Kanada und den USA, in denen das System schon angewendet wird, müssen Fahrer auch während der Fahrt ab und zu pusten. Zusätzlich kontrollieren Kameras, wer das Gerät wirklich benutzt. Europäische Länder wie Schweden lassen Schulbuss- und Taxifahrer vorbeugend pusten. Tatsächlich lassen sich durch Alkolocks sogenannte Trunkenheitsfahrten reduzieren. Deshalb sind sie in einigen europäischen Ländern wie Österreich, Frankreich und Schweden schon am Start. Deutschland will jetzt nachziehen.

Wann kommt das Gerät bei uns auf den Markt?

Schon seit 2011 wird auch bei uns in Deutschland darüber diskutiert, wann und wie Alkolocks zum Einsatz kommen können. Im Januar haben Interessenverbände und Politiker auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar dazu beraten. Zum Ergebnis sagt Julia Fohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat: "Wann das System genau eingeführt wird, können wir noch nicht abschätzen. Der Verkehrsgerichtstag hat Empfehlungen ausgesprochen. Jetzt müssen von der Politik Gesetzesentwürfe erarbeitet und in Ausschüssen beraten werden. Es ist also noch nicht absehbar, ob das System in diesem Jahr schon eingeführt wird."

Bei wem soll das Gerät zum Einsatz kommen?

"Wir haben da Personen im Blick, die mit bis zu 1,6 Promille im strafrechtlich relevanten Bereich aufgefallen sind. Dabei geht es darum, dass diese Fahrer verinnerlichen, dass Alkohol und Autofahren nicht zusammengehören. Wichtig ist deshalb auch die psychologische Begleitung, damit die Betroffenen ihr Fehlverhalten auch wirklich erkennen und es abstellen. Mit dem Modellversuch soll es ihnen ermöglicht werden, früher am Straßenverkehr teilzunehmen", erläutert Julia Fohmann. Wird man nämlich als Fahrer mit den genannten Alkoholwerten erwischt, drohen mehrere Monate Führerscheinentzug. Mit Einsatz des Alkolocks und entsprechenden Gesprächen beim Psychologen kann man die Sperrzeit verkürzen. So ist es aktuell auch Praxis in Österreich.

Wer zahlt das System?

Um die 2.000 Euro kostet derzeit ein Alkolock-System. Wer Einbau und Einsatz bezahlen soll, wird unterschiedlich gehandhabt, sagt Julia Fohmann vom DVR: "Es gibt verschiedene Modelle. In Österreich zum Beispiel müssen es die Autofahrer selber bezahlen. Und ich kann mir vorstellen, dass das auch bei uns so kommt." Sollte das passieren, müssten Alkoholsünder also für die Verkürzung ihrer Fahrsperre tief in die Tasche greifen. In Österreich wird das System deshalb nur zögerlich angenommen. Trotzdem macht die Sache Sinn, meint unsere Expertin: "Man muss folgendes wissen: Das Programm, über das wir sprechen, richtet sich an Menschen, denen die Fahrerlaubnis aufgrund von Alkoholmissbrauch im Straßenverkehr entzogen wurde. Das Modellprojekt, über das wir diskutieren, richtet sich an diejenigen, die mit bis zu 1,6 Promille und weniger unterwegs waren. Damit haben sie ihr Leben und das Anderer massiv gefährdet. Der finanzielle Aspekt sollte vor diesem Hintergrund keine Rolle spielen. Stattdessen sollte die Chance, früher am Straßenverkehr teilnehmen zu können, in den Vordergrund gerückt werden." Unter Umständen hängt an der Fahrerlaubnis die berufliche Existenz, da gilt es abzuwägen.

Kommt das Gerät irgendwann für alle Autofahrer?

In Deutschland gilt ein Fahrverbot ab 0,5 Promille. Denkbar wäre, das Alkolock-System in alle Autos einzubauen und dann entsprechend einzustellen. Wer dann mit mehr Promille unterwegs ist, macht sich strafbar. Julia Fohmann ergänzt: "Es gibt solche Forderungen von Versicherern. Der Verkehrsgerichtstag hat sich dafür ausgesprochen, Alkohol-Interlock-Geräte vorbeugend europaweit verpflichtend im gewerblichen Personen- und Güterverkehr einzuführen. Den Nutzen davon können wir aktuell noch nicht abschätzen. Für den DVR hat das Alkohol-Interlock-Programm Priorität, da es einen erzieherischen Effekt hat." Das heißt also aktuell: Es wird erstmal nur ein Pilotprojekt geben, vorrangig im Bus-, Taxi- und Lkw-Bereich. Wann Sie als privater Autofahrer mit dem Alkolock-System konfrontiert werden, ist noch völlig unklar. Es dürfte aber noch mehrere Jahre dauern, bis es verpflichtend für alle kommt - wenn überhaupt.

Fazit

Alkoholtester, die Sie für ein paar Euro im Internet oder der Apotheke kaufen können, taugen in der Regel nicht viel. Die in anderen Ländern längst eingeführten Alkolock-Systeme im Auto lassen bei uns noch auf sich warten. Eine Pflicht, die bis zu 2.000 Euro teuren Systeme einzubauen und zu verwenden, liegt für Sie als Privatfahrer noch in weiter Ferne. Die grundsätzliche Regel sollte immer lauten: Wer fährt, trinkt nicht!

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 05. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 00:10 Uhr