Umschau-Quicktipp | 03.08.2018 Alkoholfreies Bier - als Durstlöscher im Trend

Wir Deutschen trinken immer weniger Bier. 2017 waren es "nur" noch rund 101 Liter pro Person. Das macht die Bierbrauer traurig. Glücklich hingegen macht sie der Trend beim alkoholfreien Bier. Davon trinken wir nämlich immer mehr. Aktueller Anteil: sieben Prozent am Gesamtumsatz. Was ist so gut am alkoholfreien Bier? Das klären wir mit Bierbrauer Cliff Schönemann aus Leipzig.

Wozu eigentlich alkoholfrei?

Die Antwort dürfte klar sein: Damit man Bier genießen kann, auch wenn man keinen Alkohol trinken darf oder möchte. Bei bestimmten Diäten oder Erkrankungen kann alkoholfreies Bier aufgrund seiner zahlreichen Nährstoffe und Vitamine hilfreich sein. Die meisten alkoholfreien Biere haben einen Alkoholanteil von rund 0,5 Volumenprozent. Trotzdem können Sie in der Regel bedenkenlos als alkoholfrei angesehen werden. Dazu unser Experte: „Viele reife Früchte oder auch Fruchtsäfte bringen von Haus aus so einen Alkoholanteil mit. Da passiert Ihnen also nichts. Sie können auch als Autofahrer dieses Bier bedenkenlos trinken.“    

Wer war der erste?

Das ist kein neues Bedürfnis, deshalb gab es schon zu DDR-Zeiten sogenanntes Aubi-Bier, alkoholfreies Autofahrer Bier. 1972 auf der Leipziger Messe erstmals vorgestellt, konnte man damit die 0,0 Promille Grenze der DDR einhalten. Erst 1979 kam die Firma Clausthaler auf die gleiche Idee und brachte das angeblich erste alkoholfreie Pilsner auf den Markt. Und dabei sind gleich drei Dinge falsch: Es ist weder das erste, noch ist es wirklich alkoholfrei und ein richtiges Pilsner ist es auch nicht. Dazu meint Bierbrauer Cliff Schönemann: „Die Anfänge waren wirklich nicht so berauschend. Unter 0,5 Prozent Alkoholgehalt ging es damals noch nicht. Und zu einem richtigen Pilsner gehört der entsprechende Brau- und hier vor allem Gärungsprozess.“ Und der wurde früher bei der Herstellung eines alkoholfreien Bieres abrupt abgebrochen, eben um die Hefe daran zu hindern, Alkohol zu produzieren.

Guter und gesunder Durstlöscher

An einem heißen Sommertag ist ein gekühltes alkoholfreies Bier ideal zum Durstlöschen. Es enthält nur rund halb soviele Kalorien wie Bier mit Alkohol. Dafür hat es Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und auch Kalzium. Außerdem sind Vitamine und vor allem aus dem Hopfen Pflanzenstoffe drin, die entzündungshemmend sind. Auch ein alkoholfreies Bier kann bei einer Erkältung hilfreich sein. Wird es erwärmt, lösen sich die Bitterstoffe und unterstützen die Heilung. Alkoholfreies Bier enthält die gleiche Menge gelöste Stoffe wie Blut, das nennt man isotonisch. Das heißt, der Körper kann es prima und ohne weitere Anstrengung verstoffwechseln. Achtung: Bei den verschiedenen Sorten lohnt sich ein Kalorienvergleich. Manche haben 100 Kalorien pro Liter, manche bis zu 300. Die schmecken dafür meist besser. Zum Abnehmen trinken Sie in jedem Fall lieber Mineralwasser.  

Kein ideales Sportgetränk

Gegen ein alkoholfreies Bier nach dem Sport ist nix zu sagen. Als Getränk für Ausdauersportler ist es nicht geeignet. Dafür ist zu viel Kalium drin. Und das kann auf Dauer die Leistungsfähigkeit senken.

Wie kommt der Alkohol aus dem Bier?

Dafür gibt es heute verschiedenen Methoden. Früher kannte man nur eine, weiß unser Bierexperte: „Man hat einfach die Gärung ganz brutal gestoppt. Dazu wird die Würze auf null Grad runtergekühlt. Die Hefebakterien können nicht mehr arbeiten und Zucker in Alkohol umwandeln.“ Dadurch schmeckte alkoholfreies Bier früher auch fast durchweg süßlich. Der Malzzucker wird beim normalen Brauvorgang von den Hefebakterien nämlich fast vollständig in Alkohol umgewandelt. Wird das verhindert, bleibt der Zucker im Bier. Um das Bier aber würziger und herber zu machen, werden heute auch Spezialhefen verwendet, die bei der Gärung einfach weniger Alkohol produzieren. Andere Brauer reduzieren den Alkoholgehalt erst nach der abgeschlossenen Gärung. Dazu wird das Bier speziell gefiltert oder  der Alkohol wird in einem Vakuumverfahren aus dem Bier „gekocht“. Manche Brauer verwenden gleich mehrere Methoden. Trotzdem bleiben in den meisten Sorten 0,2 bis 0,5 Prozent Alkohol.

Gibt es wirklich 0,0 Prozent?

Auch das gibt es, allerdings sprechen viele Brauer dann nichtmehr von Bier. „Wenn der Alkohol komplett raus ist, geht oft der typische Biergeschmack ganz verloren. Alkohol ist auch in geringem Maß Geschmacksträger für die Bitterstoffe aus dem Hopfen. Das, was da Bier so typisch macht“, sagt Cliff Schönemann.

Die besten alkoholfreien Biere

Im aktuellen Test von Stiftung Warentest, aus dem Juni haben fast alle 20 getesteten alkoholfreien Biere mit gut oder befriedigend abgeschnitten. Lediglich das „Holsten Alkoholfrei“ bekam von den Testern nur ein ausreichend. Es roch und schmeckte einfach nicht gut genug. Testsieger waren die Platzhirsche auf dem Markt. Mit gleichen Noten ganz vorn waren Warsteiner, Clausthaler und Krombacher. Sieger in der Kategorie Geschmack war übrigens ein sogenanntes Craft Bier, also ein in einer kleinen handwerklich arbeitenden Brauerei hergestelltes Bier. Das Produkt der Kehrwieder Kreativbrauerei schmeckte am besten. Unser Experte weiß, warum: “Craft Bier Brauer verwenden oft mehr und ganz speziellen Hopfen. Der muss allerdings teuer aus dem Ausland eingekauft werden.“ Deshalb kosten alkoholfreie Craft-Biere auch schnell mal sechs bis sieben Euro pro Liter, während die Klassiker zwischen siebzig Cent und 1,50 Euro pro Liter zu haben sind. Gesundheitlich unbedenklich waren alle getesteten Biere, trotz teils geringer Mengen an Glyphosat und künstlich zugesetzter Kohlensäure.

Ist es wirklich Bier?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Verkauft wird es als Bier. Gerade bei Sorten, die noch eine geringe Menge Alkohol enthalten, mag das angehen. „Was aber wirklich 0,0 Prozent Alkohol hat, das würde ich eher als isotonisches Erfrischungsgetränk bezeichnen“, sagt unser Brauexperte.

Übrigens:

Das Aubi-Bier gibt es immer noch. Heute wird es von einer kleinen Brauerei in Thüringen hergestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 03. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2018, 11:12 Uhr