Umschau-Quicktipp | 22.10.2018 Angst vor Hunden überwinden

"Er will doch nur spielen", meinen Hundebesitzer oft. Doch Menschen, die wenig mit Hunden zu tun haben, kann ein heranlaufender Hund sehr verunsichern. Dann beginnt meist das Herz schneller zu schlagen und der Angstschweiß bricht aus. Diese Angst vor Hunden, medizinisch Kynophobie genannt, ist oft tief verwurzelt und kann unterschiedliche Ursachen haben. Oft fürchten sie Hunde, weil sie deren Signale nicht richtig deuten können. Was man gegen Hundeangst tun kann, hier in aller Kürze.

Mögliche Ursachen

Warnschild "Vorsicht Hund"
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Meist wurde der Grundstein für die Angst vor Hunden bereits im Kindesalter gelegt. Denn Eltern neigen oft dazu, die eigene Angst vor Hunden auf ihre Kinder zu übertragen. Sehr selten stecken tatsächliche Vorfälle wie Beißattacken dahinter. Aber auch Berichte von solchen Angriffen können die Angst verursachen. Problematisch ist für die Betroffenen auch, dass Angehörige oder Freunde ihre Angst nicht immer ernstnehmen. Wenn Menschen mit Angst vor Hunden die Möglichkeit haben, vermeiden sie den Kontakt zu Hunden völlig. Doch bei der großen Anzahl an Hunden auf den Straßen, im Wald oder Park ist diese Vermeidung nur mit einem erheblichen Aufwand möglich. Manche Betroffene ziehen sich deshalb stark zurück und gehen aus Angst, einem Hund zu begegnen, möglichst nicht mehr aus dem Haus.

Signale richtig deuten

Haben Menschen Stress, schütten sie für gewöhnlich Stresshormone aus und verändern ihre Körperhaltung. Dies wird von Hunden leicht wahrgenommen und zieht sie eher an. Wichtig ist es, einem Hund, besonders wenn es sich um einen fremden Hund handelt, nicht direkt in die Augen zu schauen. Dies wird als Drohgebärde wahrgenommen und kann Aggressionen auslösen. Auch wenn Zähne gezeigt werden, zum Beispiel beim Lachen, kann das von Hunden als Drohgebärde wahrgenommen werden. Leckt man sich hingegen mit der Zunge über die Oberlippe, gilt dies als Beschwichtigungssignal.

Ein kleiner Jack-Russell-Terrier bewacht sein Spielzeug.
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Auch anders herum ist es wichtig Signale des Hundes richtig zu deuten. Dass Knurren oder Bellen eine Drohung bzw. Warnung ist, wissen die meisten. Doch auch, wenn die Rute erhöht, das Fell gesträubt und die Ohren angelegt sind, ist das Tier kurz vor einem Angriff. Schwanzwedeln muss nicht unbedingt ein Zeichen von Freude sein. Es kann auch Ausdruck einer Unsicherheit oder inneren Erregung sein, die mitunter aggressiv sein kann. Ängstliche Hunde klemmen den Schwanz zwischen die Beine, ein nach oben oder hinten gestreckter Schwanz hingegen deutet auf Aggression hin.

Regeln für den Umgang mit Hunden

Die Grundregel lautet: Niemals vor einem Hund davon rennen, denn dies weckt den Hetz- oder Jagdinstinkt. Besser ist es, still stehenzubleiben und dabei weder zu schreien, noch zu gestikulieren. Nähert sich ein fremder Hund, kann man ihm die geschlossene Faust zum Schnuppern hinhalten. Man sollte sich möglichst von der Seite einem Hund nähern, nie von hinten oder direkt von vorn.

Einen fremden Hund nie durch streicheln beim Schlafen stören. Grundsätzlich sollte man fremde Hunde, wenn der Besitzer nicht dabei ist, überhaupt nicht streicheln. Im Allgemeinen gilt der Grundsatz: Möchte der Hund Kontakt aufnehmen, kommt er von selbst. Ist der Besitzer dabei und erlaubt es, streichelt man am besten unter dem Kinn, jedoch nie über die Augen. Auch am Schwanz sind Hunde sehr empfindlich. Am besten sollte man gar nicht erst in seine Nähe kommen oder gar daran ziehen oder darauf treten.

Hunde nie beim Fressen stören oder gar ärgern.

Wenn zwei Hunde streiten, keinesfalls dazwischen gehen.

Beim Spielen mit einem Hund immer auf die Zähne achten. Ist ein Hund ins Spiel mit Ball oder Stöckchen vertieft, kann es im Eifer des Gefechts passieren, dass er auch mal daneben beißt.

Hilfe vom Therapeuten

Wer an Kynophobie leidet, schafft es nur selten allein, die Angst in den Griff zu bekommen. Deshalb gibt es Therapeuten, die speziell für diese Angststörung ausgebildet sind und Betroffenen im Rahmen einer Therapie helfen. Im Laufe der Therapie wird die Hundeangst in mehreren Stufen behandelt. Dabei kommen auch speziell ausgebildete Hunde zum Einsatz. Wie viele Stufen der Angsttherapie in Angriff genommen werden, hängt vom Betroffenen selbst ab. Oft reicht eine Kurzzeittherapie von acht bis zwölf Wochen aus, um die Angst in den Griff zu bekommen. Stufen der Behandlung sind:

Eine Frau lässt einen Hund aus der Hand fressen
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  1. Dem Betroffenen werden Körpersprache und Lautäußerungen des Hundes erklärt
  2. Dem Betroffenen werden Hunde verschiedener Rasse, Größe, Aussehen, Körpersprache anhand von Bildern erklärt
  3. Sichtkontakt zu einem Hund aufnehmen. Beobachtung aus Entfernung.
  4. Annäherung an den Therapiehund auf zehn Meter.
  5. Den Hund gemeinsam mit dem Therapeuten an der langen Leine führen.
  6. Den Hund alleine an einer Leine führen.
  7. Den Hund berühren.
  8. Den Hund mit ins Haus / in die Wohnung bringen.
  9. Den Hund aus der Hand füttern.

Fazit

Mädchen mit Hund auf einer Wiese
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Richtiges Verhalten im Umgang mit Hunden schützt und bringt Sicherheit. Hundeangst lässt sich überwinden, wenn man ein Verhältnis zu Hunden zulässt und lernt, wie man richtig mit ihnen umgeht. Vorsicht bei Kindern: Hier muss das richtige Verhalten besonders geübt werden. Am besten geht das, indem Erwachsene den Umgang zwischen Kind und Hund überwachen und dabei Hinweise geben. Egal wie, es lohnt sich die Angst vor Hunden zu überwinden, denn es erhöht die Lebensqualität.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 10:44 Uhr