Umschau-Quicktipp | 18.05.2018 Arthrose: Was tun, wenn die Gelenke abgenutzt sind?

Über acht Millionen Menschen sollen in Deutschland unter der Gelenkerkrankung Arthrose leiden. Am stärksten betroffen sind die über 65-Jährigen. Aber auch mit 30 kann es Sie schon erwischen. Volkskrankheit Arthrose: Wie entsteht sie und was können Sie dagegen tun?

Was ist Arthrose?

Der Begriff bedeutet im Lateinischen so viel wie „verstümmeltes Gelenk“. Dahinter steckt ein fortschreitender Knorpelverlust. In allen Gelenken, wie zum Beispiel den stark belasteten Hüft- und Kniegelenken, sorgen die weichen, gelartigen Knorpel zwischen den Gelenkteilen für eine möglichst reibungs- und schmerzfreie Bewegung. Ist der Knorpel beschädigt oder/und entzündet, reagiert der Körper mit Schmerzen. „Im Lauf der Zeit baut der betroffene Knorpel immer mehr ab, die Schmerzen nehmen zu. Am Ende können sogar die Knochen direkt aufeinander reiben. Das kann vor lauter Schmerzen bis zur Bewegungsunfähigkeit führen“, erklärt Arzt und "Hauptsache Gesund"-Moderator Dr. Carsten Lekutat. Im Normalfall treten erste Symptome zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, aber es gibt Faktoren, die den Knorpelabbau zwischen den Gelenken beschleunigen können. 

Wen kann es treffen?

Gerade im Hüft- und Kniegelenkbereich werden die Knorpel durch starke Überbelastung strapaziert. „Ein Hauptgrund dafür ist Übergewicht. Die Mehrbelastung oder daraus resultierende Fehlstellungen der Knochen, wie X- und O-Beine, können dem Knorpel extrem zusetzen“, so der Experte. Stimmt also die sogenannte Knochenstatik nicht, können sich Knorpel einseitig abnutzen. Auch bei sportlicher Belastung  wie Laufen oder Springen werden die Knorpel enorm gefordert. Sie können sich im Normalfall nach einer Belastung aber immer wieder regenerieren. Vereinfacht gesagt, füllt sich der weiche Knorpel wieder auf und kann seine Pufferfunktion ausüben. Kommt es aber durch Überbelastung, mechanische Beschädigung oder fehlende Nährstoffversorgung zu einer Entzündung, klappt diese Regeneration nicht mehr. Dritter Hauptgrund für eine Arthrose kann eine genetische Veranlagung sein. „Das heißt, Sie haben von vornherein eine Knochenfehlstellung, etwa in der Hüfte. Oder die Versorgung der Knorpel mit Nährstoffen ist bei Ihnen gestört“, so Dr. Lekutat.

Wie merken Sie es?

Arthrose, schmerzende Gelenke
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Schmerzen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass im Gelenk etwas nicht stimmt. Anfangs spüren Sie den Schmerz nur nach einer längeren Ruhepause des Gelenks, etwa nach langem Sitzen. Sobald Sie sich bewegen, gehen die Schmerzen weg. Im weiteren Verlauf bleiben die Schmerzen bestehen, nicht nur bei Belastung, sondern dauerhaft. Sie können dann selbst im Liegen enorme Schmerzen in Hüfte, Knie und anderen betroffenen Gelenken haben. Das Problem: Auch andere Gelenkerkrankungen, wie etwa Gicht oder Arthritis, verursachen solche Schmerzen. Und nicht jeder hat das gleiche Scherzempfinden. Je später Sie aber etwas gegen die Arthrose tun, desto größer sind die bleibenden Schäden. Die Lösung: Ein Röntgenbild beim Arzt. Dazu Dr. Lekutat: „Nur da können Sie mit großer Sicherheit erkennen, ob Sie eine Arthrose haben. Deshalb sollten Sie auch in jungen Jahren solche Gelenkschmerzen frühzeitig abklären lassen.“ Je früher sie behandelt werden, desto besser lässt sich der chronische, also anhaltende Verlauf der Krankheit bremsen.

Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Wenn Sie nicht rechtzeitig reagieren und sich erstmal über eine lange Zeit mit Schmerzmitteln durch den Alltag kämpfen, setzen Sie in dem betroffenen Gelenk eine Kettenreaktion Gang. „Die einzelnen Gelenkbestandteile wie Sehnen, Bänder und auch die umgebenden Muskeln passen sich der Situation an. Sie reagieren mit Schonhaltung, Verkrampfung oder gar einer Verkürzung“, warnt der Experte. Weichen Sie also durch Ihre Haltung dem Schmerz aus, belasten Sie das Gelenk durch diese Fehlhaltung immer mehr. Am Ende haben Sie nicht nur ein Problem mit dem Knorpel, sondern dem gesamten Gelenk. Und das kann sich auch auf ganze andere Körperregionen auswirken.

Was macht der Arzt?

Die Behandlung hängt vom Alter des Patienten, seinem körperlichen Gesamtzustand und dem Grad der Arthrose ab. Dazu unser Arzt: „Kommt ein sehr sportlicher junger Mensch zu mir, werde ich die Schmerzen und eine eventuelle Entzündung behandeln. Außerdem bekommt er eine spezielle Bewegungstherapie. Ist ein ausgeprägtes Übergewicht an der Arthrose schuld, dann müssen natürlich hauptsächlich die Pfunde runter.“ Gegen eine falsche Statik der Gelenke können Physiotherapie, spezielles Training und zum Beispiel Einlagen für die Schuhe helfen. Entzündliche Vorgänge im Körper können mit Medikamenten und zum Teil mit einer Ernährungsumstellung behandelt werden. Sind die Knorpel so abgenutzt, das die Knochenoberflächen direkt aufeinander reiben, muss mitunter das komplette Gelenk ausgetauscht werden. Bei einem Hüftgelenk sind Sie im Idealfall schon nach wenigen Wochen wieder gut belastbar. Die Heilung einer Kniegelenks-OP dauert länger. Die Reha-Phase ist dabei im Allgemeinen anstrengender und schmerzhafter. Aber auch mit künstlichem Kniegelenk sind Sie nahezu voll belastbar.

Was können Sie tun?

Spaziergänger und Radfahrer in einem Wald
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Wichtig ist, dass Sie eventuelle Schmerzen schnell abklären lassen. Ansonsten vermeiden Sie Übergewicht, ernähren Sie sich gesund, trinken Sie wenig Alkohol und rauchen Sie nicht. Bewegen Sie sich viel und halten Sie sich sportlich fit. Ein moderat belasteter Knorpel regeneriert sich schnell wieder. Vermeiden Sie Fehlhaltungen, gehen Sie wenn nötig zur Physiotherapie oder spezieller Gymnastik.

Fazit

Heilbar ist die Arthrose bis heute nicht. Mit modernen Therapiemethoden bekommen Sie die Beschwerden aber gut in den Griff. Je früher Sie sich behandeln lassen, desto größer sind die Chancen, Ihr Gelenk  möglichst lange zu erhalten und auf ein künstliches verzichten zu können. „Sie müssen mit 90 nicht zwangsläufig Gelenkschmerzen haben. Voraussetzung: Sie tun dauerhaft etwas für Ihren Bewegungsapparat“, rät Dr. Carsten Lekutat.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 18. Mai 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2018, 10:49 Uhr