Umschau-Quicktipp | 06.03.2018 Auto übers Internet zulassen und ummelden: So geht es

Auto anmelden, ohne Warterei auf der Zulassungsstelle? Sie gehen einfach online und erledigen alle Formalitäten im Netz? Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht! Welche Vor- und Nachteile hat die An- und Abmeldung im Netz?

Das geht

Auto-Symbol auf einer Computertastatur.
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Schon seit dem 1. Januar 2015 gibt es die Möglichkeit, ein Auto online abzumelden. Seit 1. Oktober 2017 können Sie Ihr abgemeldetes Auto online auch wieder zulassen. Seit Januar 2018 gibt es eine neue Zulassungsbescheinigung (früher der Fahrzeugbrief), mit der zukünftig auch Neuzulassungen und Umschreibungen für Autos im Internet möglich sein sollen. Die dazu notwendige Anpassung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung ist allerdings noch in Arbeit. Im Moment können Sie also nur Ihr eigenes Auto online abmelden und dann wieder anmelden, mehr nicht. 

Das geht nicht

An- und Abmeldungen im Netz sind nur für Autos möglich. Hänger und Motorräder sind davon ausgeschlossen. Außerdem können Sie Ihr Auto nicht online abmelden, wenn Sie dafür einen sogenannten Verwertungsnachweis haben, es also zur Verschrottung angemeldet wurde. Das trifft zum Beispiel dann zu, wenn Sie für den Neukauf eines anderen Autos eine Umweltprämie oder Verschrottungsgebühr erhalten.

Die Voraussetzungen

Eine Online-An- oder Abmeldung geht derzeit nur mit Autos, die nach dem 1.1.2015 auf Sie zugelassen wurden. Dann nämlich hat das Auto Papiere und Nummernschilder mit neuartigen Sicherheitscodes. Diese müssen Sie online angeben. Das Baujahr des Autos spielt dabei keine Rolle. Außerdem funktioniert die Online-Variante nur mit einem Auto, das im selben Zulassungsbezirk auf Sie zugelassen wurde. Ziehen Sie also von Bayern an die Ostsee, geht online nix. Schließlich funktioniert die Sache nur, wenn Sie eine natürliche Person sind, Anmeldungen auf eine Firma funktionieren also auch nicht.

Das brauchen Sie

Um sich online gegenüber dem Straßenverkehrsamt ausweisen zu können, brauchen Sie einen neuen Personalausweis mit Onlinefunktion. Um die Daten vom Ausweis auslesen zu können, brauchen Sie noch ein zertifiziertes Lesegerät oder ein sogenanntes NFC-fähiges Smartphone. NFC steht für Near-Field-Communication. Mit dieser Technik lassen sich per Handy Fahrkarten kaufen oder Einkäufe bezahlen. Haben Sie ein solches Gerät, brauchen Sie noch eine entsprechende Ausweis-App.

Außerdem sollten Sie folgende Dinge bereithalten:

  • die Fahrzeugidentnummer aus dem Fahrzeugbrief,
  • die Nummer der elektronischen Versicherungsbestätigung,
  • Bankdaten für ein SEPA Lastschriftverfahren,
  • den Nachweis über die letzte Hauptuntersuchung, dafür gibt es auf dem entsprechenden Bericht einen Expresscode (gilt nur bei Wiederanmeldung).  

Der Ablauf

Nachdem Sie sich online bei Ihrem zuständigen Verkehrsamt angemeldet haben, müssen Sie sich mit dem Ausweis identifizieren. Dann geben Sie für eine Abmeldung die freigerubbelten Codes vom Fahrzeugschein (auch Zulassungsbescheinigung Teil 1) und dem Nummernschild ein. Bei einer Wieder-Anmeldung liegen Ihnen neue Codes von der Behörde vor, weil Sie vorher abgemeldet haben und dabei entsprechende Codes per Post zugeschickt bekommen. Alle anderen Daten wie Fahrzeugkennzeichen und Versicherungsbestätigung geben Sie ebenfalls ein. Zum Schluss müssen Sie den Vorgang noch per e-Payment-System bezahlen. Das klingt alles sehr kompliziert; haben Sie aber alle Daten griffbereit, können Sie sich ziemlich einfach vom Programm führen lassen. Ab- oder Anmeldebescheid und die entsprechenden Plaketten und Papiere bekommen Sie dann per Post. Achtung: Für eine Wiederanmeldung sollten Sie die Nummernschilder der Abmeldung verwenden,die sie sich aber vorher online oder schriftlich bei der Zulassungsbehörde reservieren lassen müssen. Ansonsten müssen Sie neue Schilder beantragen und anfertigen lassen und dann müssen Sie sowieso aufs Amt fahren  Eine Kfz- Nummer wird nach einem bestimmten Zeitraum der Nichtnutzung neu vergeben. Die Kosten für die Vorgänge liegen bei rund sechs Euro.

Praktische Hürden

Zunächst müssen Sie erstmal Zeit investieren. Die Onlineportale sind bei den entsprechenden Ämtern nämlich nicht leicht und schon gar nicht einheitlich zu finden. Fragen Sie im Zweifel am besten bei Ihrem zuständigen Verkehrs- oder Landratsamt nach. Nicht bei jedem Verkehrsamt ist im Moment schon eine Wiederanmeldung möglich. Die entsprechenden technischen Hürden sollen aber bis Mitte des Jahres weggeräumt sein. Auch hier lohnt es sich, persönlich nachzufragen. Beachten Sie, dass die Ämter nicht rund um die Uhr zu erreichen sind und nur bestimmte Sprechzeiten an bestimmten Tagen haben.

Noch keine Zeitersparnis

Kalenderblatt mit zwei Pinnadeln
Bildrechte: colourbox

Die online Ab- oder Anmeldung soll Zeit sparen. Sie müssen zum Beispiel nicht zum Amt fahren, kein Ticket mit Wartenummer ziehen. Das sind klare Vorteile. Wirklich schneller angemeldet ist Ihr Auto deswegen aber nicht. Gehen Sie beispielsweise Freitagnachmittag online, dann wird der Vorgang meist erst am Montag im Amt bearbeitet. Daraufhin erhalten Sie die nötigen Papiere und Plaketten per Post. Das kann schon mal bis Mittwoch dauern. Außerdem wird solch wichtige Post von einigen Ämtern per Einschreiben mit Rückantwort versendet. Das heißt, Sie müssen auch noch zu Hause sein, wenn der Postmann klingelt. Es kann also eine knappe Woche dauern, bis Sie eine neue Plakette auf das Nummernschild kleben und wieder losfahren können.

Fazit

Die An- und Abmeldung eines Autos online ist eine gute Idee. In der Praxis ist das aber an zahlreiche Bedingungen geknüpft. Ebenso sind einige neuere technische Voraussetzungen nötig, damit die Sache funktioniert. Erst wenn auch die Neuanmeldung und Ummeldung  möglich sind, wird die Sache für die private Nutzung interessant. Eine tatsächliche Zeitersparnis bietet die Onlinevariante in der derzeitigen Form nicht.    

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 06. März 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2018, 11:16 Uhr