Umschau-Quicktipp | 12.01.2018 Berufsunfähigkeitsversicherung

Es ist eine alarmierende Zahl der deutschen Rentenversicherung: Zwanzig Prozent aller Deutschen schaffen es durch Unfall oder Krankheit nicht, bis zur Altersrente zu arbeiten. Sie brauchen vorher eine Erwerbsminderungsrente und müssen im Ernstfall mit Sozialhilfe aufstocken. Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung lässt sich der drohenden finanziellen Notlage jedoch vorbeugen.

Ob ein Unfall am Arbeitsplatz oder beim Sport oder gar eine seelische Krise: Wenn Sie vorübergehend oder dauerhaft Ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können, droht im schlimmsten Fall der finanzielle Ruin. Von staatlicher Seite werden Sie dabei mit einer kleinen Rente aufgefangen, die sich aber nach bisheriger Dauer und Verdienst ihres Arbeitslebens richtet und in den meisten Fällen nicht mehr als 700 Euro beträgt. Damit kommt man in aller Regel nicht über die Runden. Wer also nicht vorsorgt, dem droht Sozialhilfe. Das ist für einen medizinisch behandlungsbedürftigen Menschen noch ungleich schwerer zu ertragen als ohnehin.  

Das ist eine  Berufsunfähigkeits-Versicherung

Krücken
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Können Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aufgrund gesundheitlicher Probleme voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben, dann zahlt Ihnen die BU-Versicherung eine monatliche Rente bis zum Eintritt der eigentlichen Rente. Das gilt in den meisten Fällen schon dann, wenn Sie zu 50 Prozent berufsunfähig sind, also Ihre eigentliche Arbeit nur noch wenige Stunden am Tag oder nur sehr eingeschränkt ausüben können. Es ist dabei egal, ob Sie einen anderen Beruf ausüben könnten. Kann also der Maurer nicht mehr aufs Gerüst, dann zahlt die BU-Versicherung auch, wenn der Maurer theoretisch noch im Büro sitzen kann. Aber Achtung! Wie diese Regelungen in der Praxis genau umgesetzt werden, hängt sehr stark von Ihrem individuellen Vertrag und den Konditionen des Versicherers ab. Es gibt Versicherungen und Verträge, bei denen man nach erfolgreicher Umschulung kein Geld mehr bekommt. 

Das kostet die Berufsunfähigkeits-Versicherung

Die Höhe der monatlichen Beiträge richtet sich nach vielen Faktoren. Für ein- und dieselbe Versicherungsleistung können die Beiträge zwischen 50 und 300 Euro pro Monat liegen. Eine pauschale Aussage dazu kann nicht gemacht werden. Erster Faktor ist die Höhe der monatlichen BU-Rente, die Sie im Ernstfall beziehen möchten. Das richtet sich nach Ihren Lebensumständen. Als Alleinverdiener mit Kindern und Familie brauchen Sie ungleich mehr als ein Lehrling, der noch bei den Eltern wohnt. Von den meisten Versicherern wird eine Grundsicherung von 1.500 Euro pro Monat empfohlen. Für Berufe, die mit einem besonderen Verletzungsrisiko einhergehen, wie etwa Maurer, Elektriker oder Maschinenführer, sind die Beiträge höher als zum Beispiel für eine Verkäuferin. Zwei der wichtigsten Faktoren aber sind Ihr Lebensstil und Ihre aktueller Gesundheitszustand. Sind Sie Nichtraucher und haben keine Vorerkrankungen, dann kann Ihr Beitrag für die gleiche Police weniger als die Hälfte der eines Rauchers mit Pollenallergie betragen.

Der beste Zeitpunkt für einen Abschluss

Vor allem junge Menschen, die eine Lehre machen oder studieren, denken über eine Berufsunfähigkeit oft nicht nach. Dabei kann gerade durch risikoreiche Sportarten der Traum von einer erfüllten beruflichen Laufbahn jäh unterbrochen werden. Deshalb sollten Sie so früh wie möglich über eine Absicherung nachdenken. Je früher Sie eine BU-Versicherung abschließen, desto niedriger sind in der Regel die monatlichen Beiträge. Junge Menschen haben weniger Zipperlein und ein niedrigeres Risiko, ernsthaft zu erkranken. Auch das senkt den Beitrag. Wer allerdings sehr früh eine BU-Versicherung abschließt, zahlt in der Summe auch mehr Geld ein. Passiert Ihnen also bis zur Rente nichts, dann sind mehrere zehntausend Euro Versicherungsbeiträge weg. Da unmittelbar nach einer Krankheit, einer Operation oder einer Therapie die meisten Anbieter eine Versicherung entweder sehr teuer machen oder gleich ganz ablehnen, kann es sinnvoll sein, eine Karenzzeit von fünf oder zehn Jahren abzuwarten, bis Sie einen Antrag stellen. Je nach Krankheit und Versicherer zählen nach diesen Zeiträumen bestimmte Behandlungen und Therapien nicht mehr, so als hätten sie nicht stattgefunden. Es kann sich also lohnen, später einzusteigen und dafür einen kleinen Aufpreis in Kauf zu nehmen, als mit Krankheit oder kurz nach einer Behandlung dauerhaft richtig hohe Beiträge zu zahlen.

Ehrliche Angaben sind das A und O

Eine Versicherung online abzuschließen ist möglich, aber nicht ratsam. Sie müssen nämlich Fragebögen über Vorerkrankungen, Allergien, ihren Lebenswandel usw. ausfüllen. Wenn Sie dort bewusst oder aus Versehen falsche Angaben machen oder etwas verschweigen, kann Sie das im Bedarfsfall den kompletten Versicherungsschutz kosten. Am besten füllen Sie einen Antrag mit Hilfe eines Versicherungsmaklers oder –fachmanns gemeinsam aus.     

Lassen Sie sich beraten

Der kurze Check im Internet kann nur einen groben ersten Überblick über Ihre Möglichkeiten und die auf Sie zukommenden Kosten geben. Tatsächlich ist das Thema jedoch so komplex, und jeder kleine Sachverhalt kann Ihren Versicherungsbeitrag so stark verändern, dass Sie sich vor einem Abschluss fachlich beraten lassen sollten. Es kann Ihnen unter Umständen auch passieren, dass eine Versicherung es ablehnt, Ihnen eine BU-Police zu verkaufen. Dann können Sie gemeinsam mit einem Fachmann nach Alternativen suchen. Schließen Sie eine BU-Versicherung nie voreilig und leichtfertig ab. Sie zahlen schließlich über Jahre viel Geld dafür.  

Von der Steuer absetzen

Die Beiträge zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie grundsätzlich als Sonderausgaben  von der Steuer absetzen. Das gilt für Angestellte und Selbständige gleichermaßen. Dabei müssen Sie aber die geltenden Höchstgrenzen beachten. Lassen Sie sich am besten von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe-Verein helfen. Setzen Sie nämlich zuviel an, kann das unter Umständen später vom Finanzamt zurückgefordert werden. 

Die Alternativen

Begleitend oder alternativ zu einer BU-Versicherung sollten Sie eine Unfallversicherung abschließen. Die springt nicht nur bei einem Unfall auf Arbeit ein. Auch wenn Sie sie sich zu Hause, im Urlaub oder beim Sport usw. verletzen  und danach dauerhaft oder für einen Weile arbeitsunfähig sind, kann die Unfallversicherung mit einer monatlichen Zahlung finanzielle Engpässe ausgleichen. Auch eine kombinierte Renten-Unfallversicherung ist eine gute Möglichkeit, sich für aktuelle Ereignisse und zusätzlich für das Rentenalter abzusichern. Wenn möglich, geben Sie ein paar Euro mehr aus und schließen Sie eine Police mit Beitragsrückerstattung aus. So bekommen Sie nach Ablauf der Unfallversicherung einen Teil Ihrer gezahlten Beiträge zurück. Das ist beim aktuellen Zinsniveau keine attraktive Sparmöglichkeit, aber immerhin eine bescheidene Form der Geldanlage.       

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 12.01.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2018, 13:29 Uhr