Umschau-Quicktipp | 24.10.2018 Betrugsmaschen beim Online-Dating

Risiko 1: Die Dating-Plattform

Sicherheit fängt mit der Wahl der richtigen Dating-Plattform an. Auf folgende Punkte sollten Nutzer genau achten:

Vertrag
Hier ist unbedingt auf Laufzeit und Kündigungsfrist zu achten. Die zulässige Verlängerungsdauer beträgt maximal ein Jahr. Vorsicht ist auch bei Probemitgliedschaften geboten. Meist gehen diese in kostenpflichtige Mitgliedschaften  über, wenn nicht innerhalb einer festgelegten Frist gekündigt wird. Nicht selten verstecken sich dahinter auch Abofallen. Verbraucherschützer kritisieren, dass Nutzer zunächst mit Lockangeboten dazu gebracht werden Verträge abzuschließen, dann jedoch nur für überhöhte Gebühren aus dem Vertrag entlassen werden.

Widerrufsrecht
Vielen Nutzer ist nicht klar, dass auch im Internet abgeschlossene Verträge innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden können. Anbieter müssen eindeutig darauf hinweisen. Tun sie das nicht oder nur unzureichend, kann der Kunde seinen Vertrag jederzeit widerrufen.

Eine Frau sitzt mit Hund und Tablet auf einem Sofa.
Bildrechte: imago/imagebroker

Fake-Profile
Viele Online-Dating-Portale verwenden Profile, die von Mitarbeitern der Portale gesteuert werden. Es ist also möglich, dass der Nutzer denkt, er flirte mit einer echten Person, doch das Gegenüber ist ein bezahlter Mitarbeiter. Ein Team der Verbraucherzentrale Bayern hat allein 187 Portale gefunden, die laut ihren AGB auch Fake-Profile einsetzen. Kunden wissen dies in der Regel aber nicht. Experten empfehlen daher, einen kritischen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu werfen. Hier finden sich dann Formulierungen wie beispielsweise "Das Unternehmen weist darauf hin, dass im Chat durch das Unternehmen beschäftigte Controller/Controllerrinnen eingesetzt werden und tätig sind, die unter mehreren Identitäten (m/w) am Chat teilnehmen (…)."

Aber auch das Profil selbst kann diesbezüglich Hinweise aufweisen. Fake-Profile sind oft nicht sonderlich aufwendig gestaltet und geben nur wenige Informationen zum Gegenüber. Auch bei besonders attraktiven Fotos sollte man wachsam sein. Oberflächliche Antworten und plumpe Standard-Botschaften können ein weiterer Hinweis auf ein Fake-Profil sein.

Risiko 2: Romance-Scamming

Diese Betrugsmasche wird auch Love-Scamming genannt. Dabei gelangen sogenannte "Scammer" mithilfe gefälschter Identitäten an persönliche Informationen oder private Fotos der Nutzer. Daraus kann sich mitunter eine realistische Gefahr ergeben, denn Nutzer können Opfer von Stalking, Mobbing, Täuschung, Identitätsdiebstahl oder Phishing Scams werden. Das ist keine Seltenheit, denn laut einer Studie ist jeder zweite deutsche Nutzer von Dating-Portalen bereits Betrügern zum Opfer gefallen.

Typische Vorgehensweise
Zunächst erreichen es Scammer, sich durch einen sehr offenen und regelmäßigen Kontakt, für das tägliche Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen, ohne sich jedoch persönlich zu treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder stundenlang telefoniert. Dabei geht es zunächst nicht um Geld, sondern um Themen wie Familie, Beruf, Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Oft werden dabei Geschichten über verstorbene Ehepartner und Kinder aufgetischt. Wenn die Scammer nicht schon dort sind, dann müssen sie dringend geschäftlich oder aus familiären Gründen plötzlich ins Ausland. Sie versprechen zurückzukommen, doch kurz bevor das Ticket für die Rückreise gebucht wird, gibt es Schwierigkeiten wie einen Überfall, einen Unfall oder einen Krankenhausaufenthalt. Jetzt geht es plötzlich um Geld, denn die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer Geld zu senden. Teilweise üben Personen wie ein "Arzt" oder "Angehörige" zusätzlich Druck auf das Opfer aus.

Zum Teil haben es die Betrüger aber auch auf ausländische Ausweispapiere abgesehen und bitten ihre Opfer ihnen Kopien von Pass und Reisepass zu schicken – mit der Erklärung, ein gemeinsames Konto eröffnen zu wollen. So können leicht Ausweise gefälscht werden. Sehr begehrt sind auch Einladungen nach Deutschland als Unterstützung für einen Visumsantrag.

Einige Dating-Plattformen schützen ihre Nutzer durch eine gründliche Personenverifizierung. Beispielsweise durch einen zusätzlichen ID-Check, bei dem neue Mitglieder ihre "Echtheit" mittels Personalausweis nachweisen müssen. Um finanziellen Schaden zu vermeiden und das Risiko eines Betruges beim Online-Dating zu minimieren, sollten sich die Nutzer ein paar grundlegende Regeln zu Herzen nehmen:

  • Teilen Sie private Bilder und Informationen, wenn Sie sich absolut sicher sind, dem Gegenüber vertrauen zu können.
  • Bitten Sie um ein persönliches Treffen. Auch ein Videochat ist eine gute Methode, um die Identität einer Person zu überprüfen. Versucht Ihr Gegenüber, das zu vermeiden, sollten alle Alarmglocken schrillen.
  • Seien Sie immer skeptisch, wenn Sie um finanzielle Unterstützung gebeten werden.

Risiko 3: Das erste Date

Irgendwann möchte man dem Online-Dating-Partner auch mal gegenüber stehen. Auch hier sollte man einige Dinge beachten:

Neutralen Ort wählen
Unbedingt sollten abgelegene Treffpunkte wie menschenleere Wälder oder Parks vermieden werden. Beim ersten Date sind vielbesuchte Orte wie Restaurants sicher. Auf keinen Fall sollte man gleich zu Beginn ein Date zu Hause vereinbaren.

Junge, lächelnde Frau mit Smartphone in einem Restaurant
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"Schutzengel" informieren
Gut ist es auch, sich durch einen Freund oder Bekannten abzusichern. Dazu informiert man diesen über den Aufenthaltsort und vereinbart einen Kontrollanruf. Ein kurzes: "Du, ich habe gerade keine Zeit.” kann beispielsweise "Alles im grünen Bereich” signalisieren, während ein Satz wie "Lass uns baldmöglichst mal treffen” bedeutet, dass irgendetwas nicht stimmt und man abgeholt werden möchte.

Nicht nach Hause bringen lassen
Lassen Sie sich nicht beim ersten Mal nach Hause bringen, denn ein Verehrer kann sich auch als Stalker entpuppen.

Intuition
Kommt einem beim Schreiben etwas komisch vor oder fühlt man sich in die Ecke gedrängt, sollte nicht gezögert und der Kontakt abgebrochen werden.

Risiko 4: Persönliche Daten

Um den Traumpartner zu finden, muss man auch einiges von sich preisgeben. Gerade dies macht Online-Dating so anfällig für Betrüger, die persönliche Daten missbrauchen. Wer sich hier schützen will, sollte folgende Punkte beachten:

Fotos
Wer eine ernsthafte Beziehung suchte, sollte keinesfalls intime Fotos via WhatsApp oder Snapchat verschicken. Die Bilder können unter Umständen auf anderen Seiten und in anderen Zusammenhängen auftauchen, was mitunter sehr unangenehm werden kann. Laut einer Studie der "Internet Watch Foundation" lassen sich 88 Prozent aller selbstgemachten Nackt-Fotos und -Videos irgendwann auf einer anderen Website finden.

Kontaktdaten
Den vollständigen Namen, die Anschrift, die Festnetznummer oder den Arbeitgeber sollte man anfangs auf keinen Fall preisgeben. Anstatt auf eine E-Mail-Adresse zu verweisen, die bereits den vollen Namen enthält, sollte man zunächst auf die Kontaktmöglichkeiten des Dating-Anbieters zurückgreifen oder eine ungenauere E-Mail-Adresse nutzen. Beim ersten Telefonat kann man zusätzlich die Handynummer unterdrücken.

Fazit

Eine Frau und ein Mann sitzen auf einem Teppich mit Herz-Muster vor ihren Laptops
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Geld weg, Daten weg, Herz verloren: Damit es beim Online-Dating nicht dazu kommt, kann man vorbeugen. Denn obwohl es um die Suche nach dem großen Glück geht, lauern gerade hier viele Betrüger. Bei allen Gefahren und Risiken gilt jedoch: Beherzigt man die Tipps und ist vorsichtig, hat die große Liebe übers Internet durchaus Chancen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2018, 13:35 Uhr