Umschau-Quicktipp | 20.08.2018 Bildungsurlaub: Das müssen Sie wissen

Eine Frau und ein Mann sitzen an Computern. Zwischen ihnen steht ein Coach, der sich zu der Frau vorbeugt und etwas auf ihrer Tastatur tippt. 2 min
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Urlaub für die Bildung

Noch haben nicht alle Arbeitnehmer davon gehört, geschweige denn ihn in Anspruch genommen: den Bildungsurlaub. Für Arbeitnehmer bedeutet dies bis zu eine Woche zusätzlichen Urlaub, den sie für eine Weiterbildung nutzen können. Da dieser allerdings wenig mit Freizeit zu tun hat, spricht man häufig auch von der Bildungsfreistellung. Wir verraten, worin die Vor- und Nachteile liegen.

Was ist Bildungsurlaub?

Teilnehmer eines Weiterbildungsseminars werden von einem Kursleiter geschult.
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Bildungsurlaub ist der Rechtsanspruch von Arbeitnehmern in vielen Bundesländern, bezahlten Urlaub für Weiterbildungen zu erhalten. Da Bildung Ländersache ist, kann jedes Bundesland eigene Regeln für den Bildungsurlaub aufstellen. In Mitteldeutschland ist der Bildungsurlaub nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen Pflicht und im Bildungsfreistellungsgesetz festgeschrieben. Für Sachsen (und auch für Bayern) gibt es solche gesetzlichen Regelungen nicht.

Wie viele Tage kann man beantragen?

Den Mitarbeitern stehen in der Regel fünf Arbeitstage pro Jahr zu, Auszubildenden teilweise weniger. In vielen Bundesländern lässt sich der Anspruch eines Jahres ins folgende mitnehmen. Während des Bildungsurlaubs zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter. Die Kosten der Weiterbildung trägt der Arbeitnehmer allerdings selbst.

Wem steht Bildungsurlaub zu?

In der Regel stehen allen Arbeitnehmern und Angestellten in dem jeweiligen Bundesland Bildungsurlaub zu, auch Auszubildenden. Meist hat man aber erst sechs Monate nach Beginn des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch auf Bildungsurlaub. In Sachsen-Anhalt sind Beamte und Richter ausgeschlossen. In Thüringen gibt es solche Einschränkungen nicht. Keinen Anspruch haben Mitarbeiter in Betrieben in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit bis zu fünf Mitarbeitern.

Welche Kurse kommen in Frage?

"Seminare" steht auf em Rücken eines Ordners
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Infrage kommen nur Weiterbildungen, die im jeweiligen Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt sind. In Sachsen-Anhalt entscheidet darüber beispielsweise das Landesverwaltungsamt, nachdem der Kursanbieter einen entsprechenden Antrag eingereicht hat. Dabei muss dargelegt werden, welchen Vorteil diese Maßnahme für den beruflichen Alltag erbringt. Grob gesagt werden Veranstaltungen mit gesellschaftspolitischer Bildung, arbeitsweltbezogener Bildung und/oder ehrenamtsbezogener Bildung als Kurse für den Bildungsurlaub anerkannt. Auch betriebseigene Schulungen können unter Umständen als Bildungsurlaub gewertet werden und reduzieren damit den frei verfügbaren Anspruch.

Wie meldet man Bildungsurlaub beim Arbeitgeber an?

Zunächst muss sich der Arbeitnehmer für einen Kurs anmelden, der vom jeweiligen Bundesland als Bildungsträger anerkannt ist. Vor der endgültigen Anmeldung sollte man sich bereits mit seinem Arbeitgeber abstimmen. Auch ist es sinnvoll, die Rücktrittsbedingungen genau zu kontrollieren, falls der Arbeitgeber den Bildungsurlaub aus berechtigten Gründen ablehnt. Nach der offiziellen Anmeldung muss der Arbeitgeber mindestens acht (Thüringen) bzw. sechs (Sachsen-Anhalt) Wochen vor Beginn der Veranstaltung einen schriftlichen Antrag auf Bildungsurlaub beim Arbeitgeber stellen. Dafür ist in der Regel auch die Anmeldebestätigung beim Kursanbieter nötig. Musteranträge gibt es beim Kursanbieter oder den Gewerkschaften. Anschließend muss der Arbeitgeber zustimmen oder ablehnen, wobei auch „Schweigen“ von Gerichten als Zustimmung gewertet wurde. In Thüringen sollte der Arbeitgeber vier Wochen nach Antrag entschieden haben. In Sachsen-Anhalt ist in Extremfällen eine Absage drei Tage vor Kursbeginn legitim. Nach dem Seminar muss der Teilnehmer seine Kursbescheinigung dem Chef vorlegen. Wer einen Kurs nur vortäuscht und in Wirklichkeit etwas anderes macht, riskiert die fristlose Kündigung.

Darf ein Antrag abgelehnt werden?

Einen Antrag auf Bildungsurlaub ablehnen darf der Arbeitgeber nur, wenn der Betriebsablauf dadurch gestört wird. Dies könnte beispielsweise der Fall sein, wenn der Kurs in betrieblichen Stoßzeiten stattfindet, in der beispielsweise bestimmte Abschlüsse erstellt werden müssen und dafür jede Arbeitskraft gebraucht wird. In Thüringen gibt es zudem Einschränkungen bei der Anzahl von Bildungsurlaub pro Betrieb: Ab 50 Mitarbeitern dürfen bis beispielsweise nur 20 Prozent der Beschäftigten Bildungsurlaub in Anspruch nehmen.

Fazit

Bildungsurlaub ist der in den meisten Bundesländern gesetzliche Anspruch auf Weiterbildung für Angestellte, Arbeitnehmer, Auszubildende und teilweise auch Beamte und Richter. Für die Weiterbildungen stehen diesem Personenkreis bis zu fünf extra Urlaubstage pro Jahr zur Verfügung. Während der Weiterbildungen bekommen die Angestellten wie beim normalen Urlaub ihr Gehalt/ihren Lohn weiter gezahlt, die Seminare müssen sie aber selbst finanzieren. Bedingung ist, dass die Veranstaltungen vom jeweiligen Ministerium des Bundeslandes als Weiterbildungsseminare anerkannt werden und die Betriebe mehr als fünf Mitarbeiter beschäftigen. Ablehnen darf ein Arbeitgeber den Bildungsurlaub, wenn dadurch der geregelte Betrieb nicht mehr gewährleistet werden kann.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 20. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2018, 00:10 Uhr