Umschau-Quicktipp | 21.09.2018 Demenz frühzeitig erkennen

Jedes Jahr erkranken in der Bundesrepublik Deutschland 200.000 Menschen neu an einer Demenz. Sieben Prozent der Menschen über 65 Jahre in Deutschland sind betroffen und sogar fast jeder Dritte über 90 Jahren ist erkrankt. Zum Welt-Alzheimertrag haben wir uns gefragt, woran man frühzeitig erkennen kann, ob man selbst, die Eltern oder Freunde betroffen sind.

Alzheimer gleich Demenz?

Demenz beschreibt den Zustand von geistigem Abbau und den Verlust von zuvor beherrschten Fähigkeiten.  Es ist der Oberbegriff für mehr als 50 Krankheitsformen. Sie verlaufen unterschiedlich und/oder haben unterschiedliche Ursachen, führen aber schlussendlich zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Es ist daher falsch, Alzheimer und Demenz als Synonym zu verwenden. Alzheimer ist eine von vielen Demenzerkrankungen, die allerdings am häufigsten auftritt. 60 bis 70 Prozent aller Demenzerkrankten haben Alzheimer. Bei dieser Krankheit gehen Nervenzellen des Gehirns unwiderruflich sterben. Plaqueablagerungen auf den Nervenzellen oder eine unzureichende Durchblutung des Gehirns können dafür verantwortlich sein. Viele kleine Schlaganfälle könnten darauf schließen lassen.

Beginnende Demenz

Scan zweier Gehirne. Das linke Hirn ist gesund. Auf dem rechten Hirn ist die Ablagerung von Amyloid-Beta-Protein sichtbar gemacht worden.
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Demenz beginnt schleichend und fast unmerklich, vor allem Alzheimer. Der Grund: Tote Nervenzellen wachsen zwar nicht nach, doch das Gehirn kann den Verlust lange ausgleichen.  Die Forschung geht davon aus, dass bis zu den ersten Symptomen bis zu drei Jahrzehnte vergehen können. Danach setzt das frühe Stadium der Krankheit ein. Dabei können die Anzeichen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein, da unterschiedliche Areale im Gehirn betroffen sein können. Dennoch gibt es eine Reihe charakteristischer Warnsymptome, bei denen Angehörige aufmerksam werden sollten. Denn eine frühe Diagnose ermöglicht es, länger selbstständig und selbstbestimmt zu leben.

·        Dauerhafte und fortschreitende Gedächtnislücken: Häufen sich Gedächtnislücken, kann dies ein Zeichen für eine Verminderung der Gedächtnisleistung sein. Auch Verabredungen können so schnell Vergessen werden. Bei einer Unterhaltung kann es sein, dass Demenz-Kranke oft Dinge wiederholen. Auch typisch: Am Ende eines Zeitungsartikels wissen Betroffene nicht mehr, was am Anfang stand.

·        Sprachliche Einschränkungen: Menschen mit Demenz fallen oft einfache Worte nicht mehr ein, stattdessen verwenden sie unpassende Begriffe. Auch bei langen Sätzen verheddern sie sich.

·        Räumliche Orientierungsprobleme: Menschen mit anfänglicher Demenz finden sich in ungewohnter Umgebung schlechter zurecht als früher, beispielsweise fällt es ihnen im Urlaub schwer, sich die Wege vom Hotelzimmer zur Rezeption oder zum Strand zu merken. Auch kann es passieren, dass Menschen mit Demenz in einer gewohnten Umgebung plötzlich nicht mehr wissen, wie sie wieder nach Hause gelangen oder welchen Weg sie im Supermarkt nehmen sollen.

·        Eingeschränkte Urteilsfähigkeit: Bei Menschen mit Demenz ist die gewählte Kleidung manchmal völlig unangebracht. So tragen sie z. B. einen Winterpulli an einem heißen Sommertag.

·        Probleme mit abstraktem Denken: Bei vielen Menschen lässt mit der Demenz-Erkrankung die Urteilskraft nach. Sie haben Mühe, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, die zuvor ohne Probleme verstanden wurden, z.B. wie Elektrogeräte bedient werden.

·        Liegenlassen von Gegenständen: Am Anfang einer Demenz werden Gegenstände entgegen jahrelanger Gewohnheiten an einen anderen Platz gelegt.

·        Stimmungs- und Verhaltensänderungen: Menschen mit Demenz können aber in ihrer Stimmung sehr abrupt schwanken, oft ohne erkennbaren Grund. Auch Konzentrationsschwächen sind üblich.

·        Persönlichkeitsänderungen und Lustlosigkeit: Bei Menschen mit Demenz kann eine sehr ausgeprägte Persönlichkeitsänderung auftreten. Auch eine erhöhte Lustlosigkeit und innere Unruhe machen sich breit.

Dabei muss man bedenken, dass am Anfangsstadion der Demenz eine selbstständige Lebensführung meist noch möglich ist. Problematisch – und teils auch gefährlich – wird es, wenn einfache Alltagsaufgaben nicht mehr bewältigt werden können. Dann sind die Betroffenen auf Hilfe von außen angewiesen.

Demenz oder Vergesslichkeit?

Doch nicht jeder, der Dinge vergisst, leidet an einer Demenz. Es ist natürlich, Dinge zu verlegen und zu vergessen – und dies zählt zum normalen Alterungsprozess. Anhand einiger weniger Fragen, aufgestellt von der „Deutschen Senioren-Liga,  ist es bereits möglich, diese von einer Alzheimer-Demenz abzugrenzen.

Spricht für Altersvergesslichkeit Spricht für Alzheimer-Demenz
Vergesslichkeit tritt nur vorübergehend auf Die Vergesslichkeit dauert an und wird sogar zunehmend schlimmer
Das Verlegen oder Vergessen von alltäglichen Gegenständen, wie z. B. Brille oder Geldbörse, tritt nur gelegentlich auf Das Verlegen und Vergessen, insbesondere von wichtigen Gegenständen, wie z. B. Geldbörse, Ausweis oder Schlüssel, häuft sich
Denkt der Betroffene intensiv nach, fällt ihm das Vergessene meist wieder ein Der Betroffene vergisst ganze Erlebnisse und kann sich trotz intensiven Nachdenkens auch später nicht daran erinnern
Der Betroffene weiß sich durch bestimmte Merkhilfen, wie z. B. einen Notizzettel, zu helfen Selbst Notizzettel und andere Merkhilfen nützen nicht mehr
Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen folgen Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen nicht folgen
Der Betroffene hält seine sozialen Kontakte aufrecht Häufig ziehen sich die Betroffenen aus ihrem sozialen Umfeld zurück

Diagnose stellt der Arzt

Wer über Monate immer häufiger Sachen oder Wörter vergisst, sollte nicht in Panik verfallen, sondern einen Arzt aufsuchen. Ein Arzt kann klären, ob die geistige Leistungskraft dem Alter entspricht oder auf eine Demenzerkrankung hindeutet. Auch kann der Arzt feststellen, ob es andere Ursachen für den Gedächtnisverlust gibt, beispielsweise können auch Depressionen dazu führen. Es gibt zur Diagnose auch sogenannte Gedächtnissprechstunden, ggf. werden Spezialisten zur Diagnostik hinzugezogen. Im Einzelfall kann auch ein MRT oder ein CT gemacht machen. Diese können helfen, zwischen den verschiedenen Demenz-Ursachen zu unterscheiden. Tipp für Angehörige: Will ein Familienmitglied deshalb nicht zum Arzt, behaupten Sie einfach, es sei wieder Zeit für eine Routineuntersuchung. Dem Arzt berichten Sie vorher von dem Verdacht, so dass dieser auch darauf eingehen kann.

Therapie gegen Demenz

Bis heute gibt es keine wirksame Therapie oder Medikamente, die die Krankheit heilen kann. Es ist aber durchaus möglich, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Je früher Demenz- und Alzheimer-Patienten mit speziellen medikamentösen Therapien und begleitenden Maßnahmen beginnen, desto länger kann der geistige Verfall verzögert werden.

Medikamentöse Behandlung

Mit Medikamenten lassen sich insbesondere im frühen und mittleren Stadium der Erkrankung Symptome lindern und der Krankheitsverlauf hinauszögern. Häufig verschreiben Ärztinnen und Ärzte Mittel gegen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie gegen Depressionen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Senioren tanzen gegen Demenz
Bildrechte: IMAGO

Zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen zählen kognitives Training, Ergo- und Musiktherapie, teils auch Verhaltenstherapie. Ziel der Therapien ist es, den Betroffenen ein langes eigenständiges und selbständiges Leben zu ermöglichen. Außerdem trägt diese Form der Therapie dazu bei, dass die Patienten durch positive Erfahrungen und Erlebnisse zufriedener werden.

Präventivmaßnahmen

Es gibt einige Faktoren, die die Demenzerkrankung begünstigen. Dazu zählen beispielsweise erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht und hoher Blutdruck. Deshalb sollte man diese Werte regelmäßig von einem Arzt prüfen lassen. Auch Raucher haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Abgesehen davon sind eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung gute Präventivmaßnahmen. Genauso wichtig ist es, Hobbys nachzugehen und Kontakt zu anderen Menschen zu suchen. Das Gehirn braucht Reize und Anstöße, um leistungsfähig zu bleiben.

Fazit

Die Krankheit beginnt schleichend und fast unmerklich: Zunächst treten leichte Gedächtnisstörungen auf, die im Verlauf der Erkrankung zunehmen. Hinzu kommen dann Orientierungsprobleme, Sprachstörungen sowie der fortschreitende Verlust von Auffassungsgabe und Urteilsvermögen. Schließlich können Demenz-Patienten selbst einfachste Tätigkeiten wie das An- und Auskleiden nicht mehr selbstständig durchführen. Um bereits in einem frühen Stadium einzugreifen und damit den Krankheitsverlauf zu verzögern, ist es wichtig, erste Symptome zu erkennen und einordnen zu können. Dies können Betroffene selbst erkennen, aber auch Verwandte und Bekannte. Wer solche Symptome bei sich oder einem Bekannte feststellt, sollte bei einem Arzt vorstellig werden. Sollte es sich um eine Form der Demenz handeln, kann mit einer medikamentösen Behandlung und mit verschiedenen Verhaltenstherapien der Verlauf der Erkrankung verzögert werden. Heilbar ist sie aber bis heute nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 21. September 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2018, 00:10 Uhr