Umschau-Quicktipp | 02.08.2018 E-Roller: die "grüne" Alternative für den Straßenverkehr?

Elektro Roller UNU
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In China gehören sie längst zum alltäglichen Erscheinungsbild – und auch in deutschen Städten sieht man sie immer häufiger: Elektro-Roller. Sie sind nicht nur öko, sondern auch wendig und im Stadtverkehr daher eine durchaus sinnvolle Alternative. Doch sie haben auch ihren Preis – 2.000 bis 4.000 Euro muss man für einen E-Flitzer schon hinlegen. Lohnt sich das?

Was bedeutet eigentlich Elektro-Roller?

Elektroroller fahren – wie auch Elektro-Autos – mit Strom. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle:

  • Tretroller, die denen aus Kindertagen ähneln, werden maximal 20 km/h schnell. Sie werden vornehmlich von Firmen genutzt, in denen Mitarbeiter ständig lange Wege zurücklegen müssen, wie etwa am Flughafen oder in großen Lagern. Auf der Straße sind sie tabu.
  • Roller, die zum Beispiel die Oma zum Einkaufen bringen, fahren ebenfalls maximal 20 km/h. Sie benötigen eine Zulassung, um im öffentlichen Straßenverkehr benutzt werden zu können.
  • Die dritte Klasse sind Elektroroller, die im Look kaum von Motorrollern wie etwa einer Vespa oder einem Piaggio zu unterscheiden sind. Sie sind bis zu 45 km/h schnell und damit eine ernstzunehmende Alternative zum Moped mit Verbrennungsmotor. Um genau die soll es hier gehen.

Leistung zwischen Elektroroller und Verbrennungsmotor

„In puncto Leistung, Bedienung und Fahrkomfort stehen die Elektroroller einem Moped mit Verbrennungsmotor heute in nichts mehr nach“, sagt Fahrzeug-Experte Andreas Kessler. Im Gegenteil: „Es macht wirklich Spaß, damit zu fahren.“ Mit einer Leistung von knapp 1 kW/1,36 PS bis zu 4 kW/5,44 PS unterm Sattel ist man gerade im Stadtverkehr auf einem Elektroroller flott unterwegs, so Experte Kessler: „Dadurch, dass beim Elektroantrieb die ganze Leistung ohne Verlust immer sofort zur Verfügung steht, ziehen die Dinger schneller an als vergleichbare Roller mit Verbrennungsmotor.“ Das Tragen eines Helmes ist bei beiden Pflicht.

Verbrauch

Der Verbrauch und die damit verbundenen Kosten hängen bei Elektrorollern, wie bei allen anderen Fahrzeugen auch, von Faktoren wie Eigengewicht, Zuladung und Fahrweise ab. Natürlich spielt auch die Leistung eine Rolle. Zur Verbrauchsberechnung nimmt man am besten einen Durchschnittswert von ca. 3 kW pro 100 km gefahrener Strecke an. Je nachdem, woher man seinen Strom bezieht, kann man also großzügig 1 Euro Kosten pro 100 km ansetzen. Zum Vergleich: Ein Motorroller mit Verbrennungsmotor „schluckt“ auf 100 km ca. 3 Liter. Die Kosten liegen hier also gut 4 Euro für 100 gefahrene Kilometer.

Reichweite

Elektro Roller UNU
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Roller mit Verbrennungsmotor haben im Schnitt 5 Liter im Tank, hier kommt man also rund 150 Kilometer weit. Im Gegensatz dazu kommen die meisten Elektroroller mit einer Akkuladung nur um die 100 km weit – das kommt jedoch auf die Akkugröße an. Danach geht’s für 2,5 – 6 Stunden an die Steckdose. Bei vielen Modellen nimmt man dazu einfach den Akku unterm Sitz hervor und schließt ihn an einer ganz normalen Steckdose an. „Dadurch sind die Elektroroller in der gegenwärtigen Zeit die beste Art, elektrisch mobil zu sein. Im Gegensatz zu Elektroautos muss keine Lade-Infrastruktur beschafft werden“, so Kessler. Um längere Strecken bewältigen zu können, bieten viele Hersteller Zusatzakkus an, mit denen man dann seinen Aktionsradius erweitern kann. „Aber mit so einem Roller fährt man normalerweise nicht weiter als 100 Kilometer.“ Außerdem sind Zusatzakkus nicht nur teuer und behäbig, sondern auch schwer. Das merkt man schnell beim Fahren.

Kosten

Will man wirklich zuverlässig und halbwegs komfortabel unterwegs sein, dann muss man laut unserem Experten für einen guten neuen Elektroroller mindestens 3.000 – 4.000 Euro auf den Tisch legen, es gibt aber natürlich auch Fahrzeuge für bis zu 6.000 Euro. „Das Problem an den günstigen Modellen ist vor allem, dass es keine Ersatzteile gibt. Wer billig kauft, kauft so im Zweifel wirklich zweimal. Die hohen Anschaffungskosten würden nach Rechnung unseres Experten Andreas Kessler „die deutlich günstigeren Verbrauchskosten sofort wieder aufheben!“ Denn seinen Elektroroller muss man schon mehrere Jahre täglich nutzen, um 1.000 Euro Mehrkosten über den Verbrauch wieder reinzuholen.

Führerschein

Hier gelten die gleichen Regeln wie bei allen Mopeds oder Motorrollern bis 45 km/h Höchstgeschwindigkeit. Mit den Klassen B, A1, M und alte Klasse 3 darf man ab 16 Jahren mit maximal 4 kW unter dem Hintern durch die Gegend sausen. Wer vor dem 1. April 1965 geboren ist, braucht dafür gar keinen Führerschein.

TÜV und Versicherung

Auch hier gilt für Elektro und Benziner das gleiche: Beide Rollertypen sind bis 45 km/h Höchstgeschwindigkeit „zulassungsfrei“, müssen daher nicht zur Hauptuntersuchung bei TÜV oder Dekra. Dafür muss man jedoch selbst nach Bremsen, Licht und Rädern schauen oder den Roller am besten aller zwei Jahre in einer Fachwerkstatt durchchecken lassen. Natürlich sind die Roller versicherungspflichtig: Sie kosten zwischen 50 und 70 Euro im Jahr.

Fazit

Elektro-Roller sind heutzutage nicht mehr vom Markt wegzudenken. Auch wenn sie preislich in Anschaffung und Verbrauch noch immer nicht mit Mopeds mit Verbrennungsmotor mithalten können, so sind sie doch völlig abgasfrei und fast geräuschlos unterwegs. Bezieht man dann den benötigten Strom noch ökologisch, dann ist der Traum vom „grünen“ Fahren Realität.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 02. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2018, 10:34 Uhr