Umschau-Quicktipp | 11.06.2018 Erste Hilfe bei blauen Flecken

Ein Bluterguss am Knie eines Kindes .
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Kühlen oder Wärmen, Quarkwickel oder Zahnpasta? Wir sagen dir, wie du einen Bluterguss am schnellsten wieder loswirst.

MDR JUMP Mo 11.06.2018 02:10Uhr 02:04 min

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Blaue Flecken am Körper sind nicht schön. Zumindest wenn Mann oder Frau gerade im Sommer ein bisschen mehr Arm oder Bein zeigen will. Dann stören die Flecken gerade auf einer eher hellen Haut den Gesamteindruck. Aber wie entsteht so ein Fleck? Und wie geht er wieder weg?

So entsteht der Fleck

Kleine feine Risse in den Blutgefäßen unter der Haut sind für blaue Flecke verantwortlich. Die Kapillaren werden dann verletzt, wenn wir uns stoßen, irgendwo anecken oder hinfallen. Plötzlicher starker Druck von außen bringt diese Miniblutgefäße zum Platzen. Blut läuft ins Unterhautgewebe und gerinnt. Dabei schimmert es am Anfang blau durch die Haut. In den folgenden zwei bis drei Wochen bauen Enzyme das geronnene Blut Stück für Stück ab. Dabei ändert sich die Farbe des Flecks. Von zunächst Violett bis Grün, wird er am Ende oft noch Gelb bis er schließlich ganz verschwindet. Übrigens auch nach Operationen oder bei einer Blutabnahme kann es zu blauen Flecken kommen. Dabei werden auch oft kleine Gefäße verletzt. Und selbst bei großer Anstrengung der Muskeln können feine Risse in den Kapillaren blaue Flecken verursachen. Zusätzlich zum Fleck kann die betroffene Stelle auch noch anschwellen und schmerzen. Auch ein Knutschfleck ist übrigens nichts anderes als ein blauer Fleck.

Unterschiede

Frauen bekommen ein wenig leichter und damit häufiger blaue Flecken als Männer. Das liegt unter anderem an der Stabilität des Gewebes. Deshalb sind auch ältere Menschen eher gefährdet, so einen auch Hämatom genannten blauen Fleck zu bekommen. Auch eine strapazierte Haut, wie zum Beispiel nach einem langen Sonnenbad, ist nicht ganz so belastbar und deshalb anfälliger. Menschen, die Durchblutungsstörungen haben oder Medikamente wie Blutverdünner nehmen, können ebenfalls eher einen Fleck bekommen. Und natürlich Kinder, da liegt es aber eher daran, dass die sich einfach mehr und wilder bewegen als Erwachsene.

Schnelle Hilfe – Kühlen

Frau kühlt schmerzende Schulter
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Erstes Ziel nach einem Stoß oder Sturz muss sein, dass möglichst wenig Blut ins Gewebe austritt. Deshalb sollten Sie die betroffene Stelle so schnell wie möglich kühlen. Das hilft auch gegen die Schwellung und den Schmerz. Die Kälte vermindert den Blutfluss, lässt die Schwellung abklingen und verlangsamt die Weiterleitung der Schmerzreize. Ein Kühlakku aus dem Eisfach hilft prima. Legen Sie Ihn aber nie direkt auf die Haut, sondern wickeln ihn in ein Tuch oder Ähnliches ein. Das schützt vor Frierbrand. Der würde die Haut nur noch mehr schädigen. Ist kein Akku oder Eis zur Stelle, hilft auch kaltes Wasser. Tränken Sie ein Tuch damit und legen Sie es auf oder halten die betroffene Stelle direkt ins Wasser. Kühlen Sie immer nur maximal bis zu 15 Minuten und gönnen der Haut dann eine Pause. Unmittelbar nach einem Sturz oder Stoß hilft es auch, für eine Minute Druck auf die betroffen Stelle auszuüben. Drücken Sie am besten großflächig mit der Hand drauf. Auch das vermindert den Blutfluss ins Gewebe.  Das gilt aber nur unmittelbar danach, viel später sollten Sie nicht mehr auf dem Fleck rumdrücken. Das stört dann nur den Heilungsprozess.

Langfristige Hilfe – Durchblutung und Ruhe

Je besser die Region um den blauen Fleck mit Blut versorgt wird, desto schneller können die Enzyme am Abbau des Flecks arbeiten. Auch die Abbauprodukte können besser abtransportiert werden. Deswegen hilft gut 24 Stunden nach der Entstehung des Fleckes vor allem Wärme. Dazu können Sie ein warmes Bad nehmen oder die betroffene Stelle zum Beispiel mit einem Quarkwickel inklusive warmer Tücher behandeln. Auch ein Kirschkernkissen oder eine leicht erwärmte Wärmflasche können helfen. Ruhe hilft dem Körper, einfach seine Arbeit zu machen. Von Sport oder anderer übermäßiger Bewegung geht ein blauer Fleck nicht weg. Im Gegenteil, Sie könnten dadurch die betroffene Region reizen und die Heilung des Gewebes behindern. Sind besonders die Beine betroffen, dann legen Sie sie gerne auch mal hoch. Dieses Hochlagern hilft gegen Stauungen im Gewebe und fördert den Blutfluss.   

Medizin aus der Apotheke und von Mutter Natur

Echtes Johanniskraut
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Bei einem normalen blauen Fleck schafft Ihr Körper alles von alleine. Geben Sie ihm zwei bis drei Wochen Zeit, dann ist der Fleck weg. Muss es schneller gehen, dann können Sie zu Salben und Tinkturen wie etwa Arnika, Ringelblume, Schüssler Salzen oder auch Heparin–Salben greifen. Auch andere durchblutungsfördernde und schmerzstillende Salben können im Normalfall angewendet werden. Das gilt ebenso für entzündungshemmendes Johanniskrautöl, Lavendelöl oder Heilerde. Auch eine Mischung aus lauwarmem Wasser und einem Löffel Essig kann helfen. Der allgemeine Sinn dahinter ist, die Haut optimal mit Wirkstoffen zu versorgen und die Durchblutung sowie den Abtransport von Abfallprodukten der Haut zu verbessern. Dazu können Sie sich auch in der Apotheke über die richtige Salbe oder Tinktur beraten lassen. Achtung: Wenden Sie Salben oder Tinkturen nur an, wenn die Haut oberflächlich nicht verletzt ist. Von einer Einnahme von Vitaminen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln oder gar Blutverdünnern wie Azetylsäure ist abzuraten. Sprechen Sie so etwas unbedingt vorher mit Ihrem Arzt ab.

Märchen

Es gibt den Mythos, dass bei blauen Flecken und hier vor allem bei Knutschflecken, Zahnpasta besonders gut helfen soll. Der Hintergrund: In Zahnpasta ist in der Regel der Wirkstoff Natriumdodecylpolysulfat enthalten. Der hat eine öl- und fettlösende Wirkung und dass soll beim Abbau des geronnenen Blutes in der Haut helfen. Problem: Viele andere Bestandteile der Zahnpasta wie Putzstoffe oder Konservierungsmittel sind für die Haut eher negativ. Finger weg also von Zahnpasta auf dem Knutschfleck.

Blaue Flecken vermeiden

Wenn Sie wissen, dass Sie schnell blaue Flecken bekommen oder zu einer Risikogruppe etwa mit Durchblutungsstörungen gehören, dann Vorsicht: Vermeiden Sie Sportarten, die sturz- und stoßgefährdet sind. Auch Kampfsportarten sind dann tabu. Ansonsten können Sie nur möglichst vorsichtig durchs Leben gehen und blaue Flecken entspannt als vorübergehend betrachten.

Unbedingt zum Arzt

Sollte Ihr blauer Fleck nach etwa drei Wochen nicht von alleine verschwinden, sollte er länger als drei, vier Tage schmerzen oder nach 24 Stunden noch größer werden, gehen Sie zum Arzt! Das gilt auch, wenn Sie blaue Flecken bekommen, ohne, dass es dafür einen äußerlichen Grund gibt. Sind die Flecken besonders groß oder befinden sich in der unmittelbaren Nähe von sensiblen Körperstellen, müssen Sie ebenfalls einen Arzt draufschauen lassen. Das gilt besonders für Flecken in der Nähe von Augen, Mund, Nase, Ohren und dem Genitalbereich. Auch große und stark schmerzende Flecken im Bereich von Gelenken lassen Sie lieber untersuchen. Handeln Sie bitte entsprechend bei stark schmerzenden und geschwollenen blauen Flecken am Kopf und Flecken, die mit Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen einhergehen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 11. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2018, 10:00 Uhr