Umschau-Quicktipp | 19.03.2019 Fake Shops im Internet: So gehen Sie nicht in die Falle

Fake-Shops im Netz locken mit extrem günstigen Preisen für Schuhe, Kleidung, Schmuck, Technik und selbst Reisen. Die Ware erhalten die Kunden aber nie. Anders als noch vor wenigen Jahren sind die Fake-Shops auch auf den zweiten Blick nicht von seriösen Shops zu unterscheiden. Die Betreiber arbeiten zunehmend professioneller.

"Alarmierend hohe Zahlen"

Das schicke und günstige Handy ist schnell bestellt und mit Kreditkarte bezahlt, die Ware kommt aber auch nach Wochen nicht an: Fake-Shops sind aus Sicht von Verbraucherschützern inzwischen ein großes Problem. "Nach unserer aktuellen Umfrage sind tatsächlich mehr als vier Millionen Deutsche schon mal auf so einen Shop hereingefallen. Das ist alarmierend hoch", sagt Dr. Kirsti Dautzenberg, Leiterin des Teams Marktwächter Digitale Welt von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Aktuell gibt es allerdings keine konkreten Zahlen dazu, wie hoch der Schaden durch Betrüger im Netz wirklich ist. Auf MDR-Anfrage sagt das Bundeskriminalamt, Fake-Shop-Fälle würden in der Kriminalstatistik unter dem Oberbegriff "Warenbetrug" erfasst. 2017 gab es laut der Polizeilichen Kriminalstatistik mehr als 100.000 Fälle von Warenbetrug mit einem Gesamtschaden von knapp 80 Millionen Euro.

Zunehmend professioneller

Tippfehler, fehlendes Impressum, keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen: In den letzten Jahren konnten Onlinenutzer Fake-Shops ganz gut erkennen, wenn sie vor dem Klick auf "Kaufen" etwas Zeit investierten. Das reicht inzwischen nicht mehr. "Wir haben festgestellt: Diese Internetauftritte werden professioneller, mit einem vollständigen Impressum und einer vollständigen Datenschutzerklärung, mit den ABGs. Das kann man kaum mehr von einer seriösen Seiten unterscheiden", sagt unsere Expertin.

Auch bei deutschen Seiten sind Nutzer nicht sicher

Die Täter versuchen bei Internetnutzern offenbar auch dadurch Vertrauen aufzubauen, dass sie für den Fake-Shop eine deutsche Domain mit der Endung ".de" benutzen. "Wir haben uns über 5.000 Domains genauer angeguckt und da waren über 4.000 de-Domains dabei, wo eben solche Shops zu finden waren", sagt Verbraucherschützerin Dautzenberg. An die deutschen Domains kommen die Betrüger bei vielen Anbietern auch, indem sie falsche Daten angeben. Selbst auf Handelsplattformen wie Amazon oder bei eBay sind Online-Shopper nicht vor Fake-Shops sicher. "Dazu haben wir immer wieder Beschwerden. Da versuchen die unseriösen Händler oft, den Käufer direkt zu kontaktieren und das dann nicht über Amazon abzuwickeln. Damit die eben den Käuferschutz auf solchen Plattformen umgehen", sagt Kirsti Dautzenberg. Sie rät Verbrauchern, online folgende drei Regeln einzuhalten, um nicht auf Fake-Shops reinzufallen.

Ist die Seite schon negativ aufgefallen?

Vor einem Kauf können Verbraucher im Internet prüfen, ob der Shop schon bei anderen Nutzern negativ aufgefallen ist. Internetseiten wie "Onlinewarnungen.de" sammeln Meldungen von Nutzern zu Fake-Shops. Außerdem recherchiere das Team von fünf Redakteuren auch selbst im Netz, sagt Kai Sommer von Onlinewarnungen.de: "Leider kann unsere Liste nie vollständig sein. Ist ein Shop nicht gelistet, kann es einfach sein, dass wir diesen noch nicht kennen oder noch nicht bearbeitet haben". Viele Fake-Shops existieren manchmal nur wenige Wochen. Ist die Seite "verbrannt", weil sich Anzeigen oder Beschwerden häufen, melden die Betreiber eine andere Seite an und richten dort ihren Shop wieder ein.

Sind die Gütesiegel echt?

"Trusted Shops" oder "safer shopping" vom TÜV Süd – bei Internetseiten mit diesen Gütesiegeln sollen Nutzer sicher vor Betrügern sein. Allerdings stellen Fake-Shop-Betreiber diese Siegel inzwischen auch einfach auf ihre Seiten, warnen Verbraucherschützer. "Sie können aber mal auf das Güstesiegel klicken und wenn sie zum Beispiel weiter auf die Seite von 'Trusted Shops' kommen – dann können sie nachschauen, ob der Shop aktuell zertifiziert ist", sagt Kirsti Dautzenberg. Ist das Gütesiegel dagegen nur als Bild auf der Seite eingebunden und kann nicht angeklickt werden, sollten Nutzer vorsichtig sein. Die Seite Internet-Gütesiegel listet die Zeichen auf, denen Nutzer vertrauen können.

Werden noch andere, für Kunden sichere Bezahlverfahren angeboten?

Paypal-Startseite
Bildrechte: IMAGO

In Fake-Shops werden Nutzern oft nur drei Bezahlverfahren angeboten: Vorkasse, Überweisung oder Kreditkarte. So können die Verbraucher ihr Geld nicht mehr zurückholen, wenn die Ware nicht kommt. "Sicherste Variante ist immer noch der Kauf auf Rechnung. Da zahlen sie erst, wenn sie das Produkt in den Händen halten. Zahlungsdienstleister wie PayPal sind auch schon deutlich sicher als Vorkasse oder Kreditkarte", sagt unsere Expertin. PayPal wirbt mit einem Käuferschutz: Nutzer können so Ihr Geld zurückbekommen, falls sie bezahlte Ware nicht erhalten. Der Schutz hat aber Lücken. "Zum Beispiel, wenn Freunde oder die Familie mein PayPal nutzen, greift der Käuferschutz nicht und auch nicht für bestimmte Produkte. Da muss man auf den Seiten von PayPal nochmal nachlesen", sagt Kirsti Dautzenberg.

Im Ernstfall besser Kreditkarte sperren

Wer auf einen Betrüger reingefallen ist und im Fake-Shop mit Kreditkarte bezahlt hat, sollte die besser sperren. Die Betreiber könnten die eingegeben Daten wie Kreditkartennummer, Ablaufdatum und dreistellige Prüfnummer weiter nutzen, warnt unsere Expertin. "Damit kann man natürlich auch eine Menge Unfug treiben und dann im Netz weiter einkaufen mit diesen Daten", sagt Kirsti Dautzenberg.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 19. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 09:49 Uhr