Umschau-Quicktipp | 05.06.2018 Vorsicht vor Fallen bei der Mietwagenbuchung

Touristen sind am mit einem Mietwagen auf der StrassŸe TF-82 im Nordwesten der kanarischen Insel Teneriffa (Spanien) im Teno-Gebirge unterwegs
Bildrechte: dpa

Im Urlaub mit dem Mietwagen unterwegs: Freiheit! Abenteuer! In manchen Ländern kann das tatsächlich abenteuerlich werden - und teuer. Wir sagen dir, wie du sicher buchst.

MDR JUMP Di 05.06.2018 02:10Uhr 01:56 min

Audio herunterladen [MP3 | 1,8 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 3,5 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/quicktipp-fallen-bei-der-mietwagenbuchung-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Im Urlaub mit dem Mietwagen unterwegs: Das klingt nach Freiheit und Abenteuer. In Ländern, in denen der Verbraucherschutz nicht so groß geschrieben wird, kann es tatsächlich abenteuerlich werden - und teuer. Wir sagen Ihnen, wie Sie sicher und stressfrei buchen.

Grundsätzlich sind Autos teuer

Dieser einfache Gedanke sollte Sie beim Aussuchen eines Wagens für den Auslandsurlaub begleiten. Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen rät dazu: „Ein Auto ist eben kein Mietfahrrad, sondern eine Sache von großem Wert. Je größer und wertvoller also das Auto, das Sie buchen, umso höher sind schließlich die Kosten bei einem Unfall oder einer Beschädigung. Mit einem teuren Modell fährt die Unsicherheit den ganzen Urlaub mit.“ Suchen Sie besser nach einem einfachen, preiswerten Auto, dann sind im Falle eines Schadens am Auto die Kosten auch nicht so hoch.  

Buchen Sie langfristig

Den Mietwagen für den Urlaub im Ausland können Sie entweder auf den Seiten der großen, namhaften Verleiher wie Avis, Sixt oder Hertz buchen, oder auf Internetplattformen wie Billiger-Mietwagen.de oder Mietwagen-Check.de. Die haben selbst keine Autos, vermitteln aber die Angebote der großen Verleiher auf ihren Seite und listen auch kleinere, unbekannte Anbieter. Schließlich können Sie auch auf den Seiten von Fluglinien und Pauschalreiseanbietern buchen. Wichtig: Je eher Sie buchen, desto preiswerter wird es. Alle Anbieter sind froh, Ihre Kontingente möglichst schnell auszuschöpfen.

Buchen Sie durchdacht

Achten Sie bei der Buchung nicht nur auf den billigsten Preis eines Autos, sondern vor allem auch auf die Umstände Ihrer Reise, sagt unser Experte: "Wann kommt Ihr Flieger an, wann müssen Sie wieder los? Ist das mitten in der Nacht? Hat da der Vermieterservice vor Ort überhaupt auf oder parken Sie beispielsweise das Auto bei der Rückgabe einfach ab und werfen den Autoschlüssel in einen Briefkasten? Das kann Sie richtig teuer zu stehen kommen!“ Denn so kann niemand vom Vermieter das Auto mit Ihnen gemeinsam auf eventuelle Schäden und den korrekten Tankstand überprüfen.

Ein Schild an einem Flughafen weist Autofahrern unter anderem den Weg zu den Mietwagenstationen.
Bildrechte: IMAGO

Auch problematisch: Manchmal sitzt der preiswerteste Autovermieter nicht direkt am Flughafen und Sie müssen vor Ort noch viel Geld für einen Shuttlebus bezahlen. Auch wenn Sie unterschiedliche Abhol- und Rückgabestationen haben, kann das den Mietpreis deutlich nach oben treiben. Informieren Sie sich auch über die Möglichkeiten einer Stornierung. Die sollte bis kurz vor Reiseantritt drin sein.   

Preisvergleich

Online-Vergleichsseiten bieten Autos in der Regel preiswerter an als die großen Anbieter. Da können je nach Modell für eine Woche bis zu 200 Euro Ersparnis drin sein. Unser Experte rät aber: “Gerade auf solchen Vergleichsseiten sollten Sie nicht sofort das oberste Angebot buchen. Das sind nämlich oft Werbeanzeigen. Der Anbieter arbeitet also mit der Vergleichsseite zusammen. Scrollen Sie lieber ein bisschen und schauen Sie sich auch andere Angebote an.“ Bei Zusatzangeboten allerdings wie Kindersitzen unterscheiden sich die Preise aller Vermieter kaum. So ein Sitz kann durchaus mal bis zu 20 Euro pro Tag extra kosten. Suchen Sie in so einem Fall nach Angeboten, bei denen Kindersitze inklusive sind. Oder nehmen Sie den eigenen Sitz im Flieger mit. Buchen Sie Zusatzangebote immer von zu Hause aus, also direkt bei der eigentlichen Buchung. „Buchen Sie solche Angebote erst vor Ort, kann das erheblich teurer werden. Auch in europäischen Urlaubsländern wie zum Beispiel Spanien wird dann preislich kräftig draufgeschlagen“, warnt der Experte.

Buchen Sie möglichst pauschal...

...und das am besten von Deutschland aus. Das bedeutet, Sie buchen den Flug, eine Unterkunft und den Mietwagen als Gesamtpaket oder individuell zusammengestellt bei einem hiesigen Reiseanbieter. Vorteil: Sollte es Probleme geben, die letztlich vor Gericht landen, streiten Sie sich nach deutschem Recht. „Und das ist auf jeden Fall ratsam. Buchen Sie zum Beispiel einen Billigflieger nach Großbritannien und dort ein Auto und es gibt Ärger, dann haben Sie es mit britischem Recht zu tun. Das ist kompliziert und teilweise richtig teuer. Hinzu kommt, dass Sie Ihre Streitigkeiten dann wieder vor Ort klären müssen. Das heißt: wieder nach England, englisches Gericht usw.“, warnt Michael Hummel.

Neues Pauschalreiserecht hilft

Eine junge Frau sitzt in einem Auto und zeigt den Autoschlüssel
Bildrechte: Colourbox.de

Das neue Recht gilt ab Juli 2018. Buchen Sie beispielsweise ein Hotel und einen Flug und/oder ein Auto über das gleiche Portal oder Reisebüro auf eine Rechnung, dann wird das neuerdings als „vermittelte verbundene Reiseleistung“ beziehungsweise verbundenes Online-Buchungsverfahren angesehen. Das Unternehmen, das Ihnen die Einzelteile Ihrer Reise  zusammen verkauft, wird demnach als Reiseveranstalter betrachtet und muss Zahlungsunfähigkeit und/oder Leistungsausfälle absichern. Und Sie können sich mit diesem Unternehmen vor einem deutschen Gericht streiten. Achtung: Auch wenn es im Internet nicht immer erkennbar ist, rät unser Experte: „Sobald Sie im Internet in einer anderen Landessprache buchen und dann noch per Kreditkarte oder Überweisung in dieser Landeswährung bezahlen, sind Sie nicht mehr pauschal unterwegs“.

Die Versicherung

Buchen Sie alle Versicherungsleistungen von zu Hause aus. Lassen Sie sich bei Unklarheiten von Ihrem Autoversicherer oder einem deutschen Automobilclub beraten. Vor Ort benötigen Sie eine Haftpflichtversicherung, eine Vollkasko und unter Umständen eine sogenannte Mallorca-Police. Die wird in Ländern nötig, in denen die maximale Deckungssumme der Haftpflicht nur ein paar hunderttausend Euro beträgt. Das reicht zum Beispiel nicht aus, wenn bei einem Unfall Personen verletzt werden. Die unter Umständen hohen Behandlungs- und Folgekosten müssten ohne die Mallorca-Police aus eigener Tasche bezahlt werden. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Deckungssumme der Haftpflicht in der Regel bei 7,5 Millionen Euro.

Der Mietvertrag

Lesen Sie den Vertrag vor Ort genau durch. Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstehen. Der Vertrag muss in Ihrer Sprache, mindestens aber in Englisch verfasst sein. Werden Sie aufmerksam, wenn Sie viele Unterschriften leisten müssen. Lassen Sie sich alles genau erklären.

Abzockmaschen vor Ort

Die Übergabe

Checken Sie bei der Abholung ganz genau den Zustand Ihres Mietwagens, am besten gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Verleihers. Gerade kleine oder stark frequentierte Verleiher sehen das bei der Ausgabe des Wagens oft betont locker. Vorsicht: Genau die gucken dann bei der Rückgabe ganz genau hin und berechnen Ihnen jeden plötzlich entdeckten Kratzer. Machen Sie Fotos und verlangen Sie ein Übergabeprotokoll mit Unterschrift, auch bei der Rückgabe.

Seien Sie pingelig, auch wenn das unangenehm ist. Schauen Sie sich das Auto auch in Bezug auf Verkehrssicherheit an. Sind Reifen und Bremsen okay? Fällt Ihnen etwas auf, reklamieren Sie es sofort und verlangen Sie ein verkehrstüchtiges Auto. In manchen Ländern sind Sie auch als Mieter für den Zustand des Autos verantwortlich. Bei einem Unfall oder einer Kontrolle kann das für Sie richtig teuer werden.

Die Selbstbeteiligung

Oft wird Ihnen eine Vollkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung angeboten. Das ist preiswerter als ohne. Überlegen Sie genau, ob Sie das Risiko eingehen wollen. Findet der Vermieter bei der Rückgabe auch nur einen Kratzer, kann er Ihnen die Reparatur bis zur Höhe Ihrer Selbstbeteiligung ohne weiteres berechnen. Er kassiert Ihr Geld, der Kratzer wird im Zweifel nie repariert. Die Versicherung bleibt außen vor. Ohne Selbstbeteiligung müsste der Vermieter einen richtigen Versicherungsfall auslösen und das wird er nicht oft machen, bis weil ihm der Versicherer sonst kündigt.   

Zusatzversicherungen

In der Regel brauchen Sie keine weiteren Versicherungen, wie etwa Insassenunfallschutz. Diese Dinge sind über die Haftpflicht- oder auch über die Krankenversicherung abgedeckt. Im Zweifel informieren Sie sich auch hier vor der Buchung bei Ihrer Versicherung. Und lassen Sie sich Versicherungen, die Sie schon bei der Buchung von zuhause aus abgeschlossen haben, nicht vor Ort nochmal aufschwatzen - auch das wird gerne mal versucht. „Achten Sie bei den Zusatzangeboten vor Ort genau darauf, wie die Leistungen wirklich sind. Manche Angebote nennen sich etwa Vollschutz, im Ernstfall bekommen Sie aber gerade einmal 500 Euro Leistung. Lesen Sie sich das genau durch“, rät der Experte.

Weitere Kostenfalle: Tanken

Aus einem Tankrüssel an einer Tankstelle tropft Benzin.
Bildrechte: dpa

Bei einigen Vermietern hat man die Möglichkeit, den Wagen vollgetankt zu übernehmen und unbetankt wieder abzugeben. Das klingt bequem, kann sich aber als teure Falle entpuppen. Vermieter verlangen dann häufig für die erste Tankfüllung einen überzogenen Preis. Das heißt, für den Liter Benzin oder Diesel zahlt man mehr als an der Tankstelle. Außerdem verlangen die Vermieter oft eine Servicegebühr fürs Betanken. Darüber hinaus verschenkt der Kunde bei der Rückgabe dann den im Tank verbliebenen Sprit, wenn er nicht riskieren will, vorm Ziel liegenzubleiben. Deshalb besser die Tankregelung "voll/voll" auswählen. Sie besagt, dass man das Auto vollgetankt übernimmt und auch vollgetankt wieder zurückgibt.

Fazit

Buchen Sie einem Mietwagen möglichst frühzeitig bei einem deutschen Anbieter von zu Hause aus. Achten Sie auf die Vertragsdetails. Buchen Sie nur, was unbedingt nötig ist, lassen Sie sich vor Ort keine teuren Zusätze aufschwatzen. Achten Sie bei Übergabe und Übernahme des Mietwagens auf den Zustand des Autos. Protokollieren Sie alles und geben Sie Ihre Kreditkarte nie ohne Grund aus der Hand. Dass Sie besonders in afrikanischen, südamerikanischen oder asiatischen Ländern vorsichtig sein müssen, ist nur ein Teil der Wahrheit. Auch in einigen europäischen Urlaubsländern wird beim Mietwagen gerne mal ein Euro mehr vom Urlauber genommen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 05. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2018, 00:10 Uhr