Umschau-Quicktipp | 10.04.2018 Falschgeld – Kann ich bestraft werden, wenn ich es aus Versehen weitergebe?

Geschscheine im Gegenlicht
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2017 war weniger Falschgeld im Umlauf als im Vorjahr. Laut Bundesbank wurden elf Prozent weniger gefälschte Euro-Banknoten entdeckt. Ein Grund für den Rückgang seien die neuen Euro-Scheine, die für Fälscher schwerer nachzumachen sind. Rein mathematisch ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, eine „Blüte“ im Portemonnaie zu haben. Aber was tun, wenn es dennoch passiert? Wer Falschgeld in seinem Besitz findet, sollte ein paar Regeln beachten. Denn die Weitergabe ist strafbar.

Bei welchem Geldschein muss ich besonders aufpassen?

Die meisten der in Deutschland entdeckten Fälschungen sind derzeit Fünfzig-Euro-Scheine. „Derzeit bringen Fälscher verstärkt Mengen von gefälschten alten Scheinen in Umlauf“, sagt David Slomka von der Deutschen Bundesbank in Leipzig. Vor kurzem wurden neue Fünfzig-Euro-Scheine herausgegeben, deren Sicherheitsmerkmale nur schwer oder überhaupt nicht gefälscht werden können. So lange die alten Banknoten noch akzeptiert werden, wollen Fälscher ihr „Geld“ noch loswerden. Es gibt aber noch einen zweiten Grund für das häufige Auftreten von Fünfziger-Blüten: Bei den 50-Euro-Scheinen sind die Gewinne für die Fälscher relativ hoch. Gleichzeitig ist das eine Banknote, bei der Verbraucher nicht so sensibel sind. Einen 50-Euro-Schein auszugeben, ist gebräuchlich. „Bei einem Hunderter aus dem Automaten oder an der Kasse werden viele schon skeptisch“, sagt David Slomka. Zudem wurden im letzten Jahr die neuen 50-Euro-Scheine  mit neuen Sicherheitsmerkmalen eingeführt. Tauchen gefälschte Geldscheine auf, sind es laut Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt meist keine einfachen Kopien, sondern professionell gemachte Druck- oder Farbkopiefälschungen. Die stammen laut Bundesbank von Banden aus Südeuropa, die eigene Druckerwerkstätten haben und ihre Fälschungen dann europaweit verbreiten.

Wie kann ich Falschgeld erkennen?

Jeden Geldschein anmalen und einzeln überprüfen: Klingt nach viel Aufwand, ist laut den Anbietern so genannter Geldprüfstifte aber der einhundert Prozent sichere Weg. Die Stifte gibt es für wenige Euro im Handel oder online. Sie werden auch von in vielen Supermärkten und im Handel eingesetzt. Die Geldprüfstifte erzeugen eine chemische Reaktion mit der Stärke, die im normalen Papier enthalten ist. Der Stift verursacht dann einen dunklen Streifen. Echte Euro-Banknoten dagegen sind aus Baumwolle, enthalten keine Stärke. Damit reagieren sie auch nicht auf den Stift. Die Bundesbank rät von der Prüfmethode generell ab. „Der Schein wird beschmutzt, auch wenn man es nicht sieht. Außerdem könnte ein Fälscher sagen, dass er seine Scheine mit einer Schicht versieht und dann reagiert der Stift auch nicht“, sagt unser Experte.

Euroscheine und Münzen werden mit Lupe geprüft.
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Er empfiehlt den klassischen Dreier-Test, der auch nicht viel mehr Zeit kostet als das Prüfen mit Stift: fühlen, sehen, kippen. „Sie können das Banknotenpapier und die erhabenen Elemente an der linken und rechten Seite der Banknote fühlen, das Wasserzeichen und den Sicherheitsstreifen im Gegenlicht können Sie sehen und wenn Sie den Schein kippen, fallen die Smaragdzahl links unten und der Hologrammstreifen auf der rechten Seite auf“, sagt Bundesbank-Experte Slomka.

Was droht, wenn ich Falschgeld aus Versehen weitergebe?

„Da gilt im Gegensatz zur Regel: Unwissenheit schützt vor Strafe“, sagt Marc Wandt, Fachanwalt für Strafrecht aus Essen. Wer also ohne es zu wissen gefälschte Scheine weitergebe, müsse nichts befürchten. Die Polizei ermittle in solchen Fällen trotzdem. Das sei üblich. „Da geht es dann im Ernstfall auch um die Frage: Konnte ich ahnen, dass es eine Blüte ist? Hat der Schein ein Snoopy-Bild drauf, dann kann man eher schwer vermitteln, dass man nichts wusste“, sagt der Anwalt. Bei guten Fälschungen dagegen würden viele Verbraucher die Scheine unwissentlich weitergeben. Im deutschen Recht gibt es laut Marc Wandt auch keine Pflicht, alle Geldscheine im Besitz auf Fälschungen zu überprüfen.

Muss Falschgeld abgegeben werden?

Dazu ist rein rechtlich niemand verpflichtet. „Man kann es auch selbst vernichten oder sich in die Vitrine legen“, sagt Marc Wandt. Die Bundesbank empfiehlt trotzdem, Falschgeld zur nächsten Polizei zu bringen. Nur so könne man den Fälschern auf die Spur kommen. „Am Ende landet alles bei der Bundesbank, wenn die Ermittler bei der Polizei fertig sind. Dann untersucht unser nationales Analysezentrum in Mainz das gefälschte Geld und kann das einer Falschgeld-Ordnung und vielleicht auch einer vermuteten Fälscherwerkstatt zuordnen“, sagt David Slomka. Immer wieder steht in Ratgebern zum richtigen Verhalten bei Falschgeld-Funden, die „Blüten“ sollten am besten vorsichtig in einen Umschlag gepackt werden. Fingerabdrücke auf den Scheinen seien wichtige Spuren. „Das halte ich für Quatsch: Einmal weiß keiner, wie viele Leute vorher das Geld angefasst haben und dann ist Papier keine gute Trägersubstanz für Fingerabdrücke“, sagt Strafrechtsexperte Wandt. Einen Ersatz – also echtes Geld für Falschgeld – gibt es übrigens weder von Polizei noch Bundesbank. Wer Falschgeld bekommen hat, der hat einfach Pech gehabt.

Muss ich denjenigen anzeigen, von dem das Falschgeld kommt? 

Auch das muss niemand machen. Selbst wenn man genau zu wissen meint, welcher Bäcker, Händler oder welche Privatperson den Schein gegeben hat. „So eine Anzeigepflicht hat man nur bei Taten wie Tötungsdelikten oder Hochverrat“, sagt Jurist Wandt. Allerdings gebe es laut Strafgesetzbuch eine Ausnahme von der Regel. Die klingt aber wenig praxisnah: „Wenn ich weiß, dass derjenige sich das Falschgeld extra beschafft hat, um es in Verkehr zu bringen – dann muss ich es anzeigen“, sagt unser Experte. 

Bin ich beim Abheben im Supermarkt sicher vor Blüten?

Inzwischen können viele Kunden auch im Supermarkt Geld abheben, wenn sie an der Kasse abheben. Zumindest in der Theorie könnten darunter auch gefälschte Scheine sein. Denn für die Händler gelten in Bezug auf Falschgeld nicht so strenge Regeln wie für Banken. „In ganz Europa haben Banken die Pflicht, das von ihnen ausgegebene Geld vorher auf Echtheit zu prüfen“, sagt David Slomka. Allerdings legen nach MDR-Recherchen Einzelhandelsunternehmen auch im eigenen Interesse größten Wert darauf, selbst keine Blüten in ihre Kassen zu bekommen. Kassierer erkennen Falschgeld schneller als Kunden und können zudem auf Hilfsmittel wie Schwarzlicht zurückgreifen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 10. April 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2018, 10:31 Uhr