Umschau-Quicktipp | 30.04.2018 Streamingdienste im Internet: Was spart man mit Online-Familienkonten?

Einer bezahlt und alle anderen dürfen unbegrenzt Musik hören, Filme sehen oder Bücher runterladen: So funktionieren Familienkonten, die es inzwischen bei zahlreichen Anbietern von digitalen Inhalten gibt. Mit den Gemeinschaftskonten können auch Freunde oder Wohngemeinschaften einiges sparen. Denn die Anbieter sind bei der Auslegung des Wortes „Familienkonto“ in der Praxis recht großzügig. Beim Thema Jugendschutz sollten Eltern aber im Kleingedruckten etwas genauer nachlesen.

Musik-Streaming-Dienste

Ein Nutzer meldet sich an und zahlt knapp fünfzehn Euro im Monat. Dann können bis zu fünf weitere Personen ebenfalls Millionen Musiktitel und Podcasts oder Hörspiele auf ihren Smartphones oder Computern nutzen: So lassen sich die Familienangebote von Diensten wie Spotify, Deezer und Co. zusammenfassen. Im Vergleich zu den Einzeltarifen der Anbieter zahlen Nutzer so deutlich weniger. „Positiv ist da beim Marktführer Spotify, dass trotzdem jeder Nutzer sein eigenes Profil hat. Bei den meisten anderen Anbietern ist das ähnlich“, sagt Daniel Pöhler vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip. So könne jeder Nutzer seine eigenen Playlists zusammenstellen und sehe auch nicht, welche Inhalte die anderen im Familienangebot nutzen. Auch die Vorschläge für Songs beziehen sich nur auf die eigenen Vorlieben.

Überblick: Familienkonten bei ausgewählten Musik-Streaming-Diensten

Anbieter Spotify Deezer Tidal Amazon Music Unlimited Apple Music Google Play Music
Kosten für Familienkonto im Monat 14,99 € 14,99 € 14,99 € (für höhere Audio-Qualität wird es teurer) 14,99 € 14,99 € 14,99 €
Anzahl von möglichen Konten 6 6 5 6 6 6
Jugendschutz einstellbar? Nein Ja Nein Nein Ja Ja

Nur für Familie oder auch für Freunde?

Familienkonto Streamingdienste
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In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (kurz: AGBs) beschreiben die Streaming-Anbieter sehr genau, wer die Familienkonten nutzen darf. Wer sich nicht an diese Vorgaben hält, kann laut den AGBs gekündigt werden. „Bei Spotify steht zum Beispiel klar im Kleingedruckten, dass alle Nutzer aus der Familie die gleiche Anschrift haben müssen“, sagt unser Experte. Allerdings sei ihm kein Fall bekannt, in dem jemand einen Freund mit einer anderen Adresse als Nutzer aufgenommen habe und dann Ärger bekam. Beim Thema Jugendschutz sind die Regeln bei den Diensten verschieden. Darauf weist das Computermagazin c’t in einem aktuellen Test hin (Heft 16/2017). Bei Spotify etwa könnten Nutzer auf alle Titel zugreifen, auch auf solche mit Schimpfwörtern. Laut den AGBs müssen Nutzer aber mindestens 18 sein. Kinder ab 14 benötigen das Einverständnis der Eltern. Ähnlich regelt das auch Tidal. Bei Amazon Music Unlimited fehlt laut c’t eine Möglichkeit, unpassende Titel für Kinder zu sperren. Bei Deezer dagegen könnten Eltern beim Einrichten weiterer Profile festlegen, dass diese als „Kids“-Account angelegt werden. Kinder erhielten dann altersgerechte Hörempfehlungen und können nicht auf ungeeignete Titel zugreifen. Bei Apple Music schließlich können Eltern bestimmte Inhalte für ihre Kinder sperren.

Video-Streaming-Dienste

Amazon Video-Icon auf einem auf einem Smartphone
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Bei den Anbietern von Serien oder Filmen gibt es inzwischen auch ein paar Familienangebote. Der gemeinsame Zugang kostet beispielsweise bei Netflix für bis zu vier Nutzer 13,99 € im Monat. Zum Vergleich: Das günstigste Einzelabo gibt es ab 8,99 € im Monat. Nutzer können damit neben aktuellen Serien auch eine Auswahl an Blockbustern und älteren Filmen sehen. Zudem setzt Netflix auf Eigenproduktionen. Angemeldete Familienmitglieder müssen sich kein Konto teilen, sehen also auch nicht die gestreamten Inhalte der anderen. Amazon Prime Video und Maxdome verlangen 7,99 € pro Monat für ihre Videoangebote, die auf mehreren Geräten genutzt werden können. Hier müssen sich Nutzer aber ein Konto teilen. Die c’t weist in ihrem aktuellen Test zudem darauf hin, dass bei Amazon immer nur eine Auswahl von Filmen kostenlos ist. Andere Inhalte müssen einzeln gekauft werden.

Überblick: Familienkonten bei ausgewählten Videostreaming-Diensten

Anbieter Netflix Amazon Prime Video Maxdome
Kosten für Familienkonto im Monat 13,99 € 7,99 € 7,99 €
Anzahl von möglichen Konten 4 1 (für zwei Geräte) 1 (für bis zu fünf Geräte)
Jugendschutz einstellbar? Ja Ja Ja

Siehe Kleingedrucktes

Durch eine Lupe ist das Wort "Kleingedrucktes" zu lesen.
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Auch die Video-Streaming-Dienste wollen verhindern, dass ihre Teil-Angebote missbraucht werden. „Netflix etwa schreibt in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen, dass der Kontoinhaber jederzeit die Kontrolle über die Zugangsdaten haben muss. Dazu gehört etwa das Passwort“, sagt Daniel Pöhler. In der Praxis sei aber noch kein Fall bekannt, wo ein Nutzer wegen der Weitergabe des Passworts an Freunde Probleme bekam. Die Redakteure der c’t warnen im Test davor, allzu freigiebig mit dem Netflix-Passwort zu sein. Wer das habe, könne etwa Zahlungsdaten und Telefonnummern einsehen und auch verfolgen, wer wann welche Inhalte gesehen hat. Beim Jugendschutz setzt Netflix auf unterschiedlich gestaltete Konten. Eltern können Kinderkonten einrichten, die dann nur passende Inhalte bereitstellen. Allerdings können Kinder nach dem Einloggen auch auf das Erwachsenenkonto klicken. Filme und Serien mit explizit sexuellen Inhalten werden aber mit PIN geschützt. Bei Amazon Prime Video können mit etwas Aufwand unterschiedliche Altersprofile für verschiedene Familienmitglieder eingerichtet werden. Bei Maxdome schließlich können Eltern Jugendschutz-PINs (ab 16 oder ab 18) einrichten. Wer Filme ab 16 oder 18 ansehen will, muss die PIN eingeben.

Teilen im App-Store

Auch Google und Apple bieten in ihren App-Stores Familien die Möglichkeit, einmal gekaufte Inhalte mit der Familie zu teilen. Dafür müssen Nutzer einmal eine so genannte Familiengruppe einrichten, die bei Google und Apple sechs Personen umfassen darf. Die dürfen dann auf Apps, auf E-Books, auf Filme oder Musik zugreifen, die jemand aus der Gruppe gekauft hat. Dabei gibt es aber zwei Hürden: Zum einen muss der Käufer die gekauften Inhalte aktiv für die Familiengruppe zum Teilen freigeben. Erst dann können sie von anderen genutzt werden. Zum anderen sind manche Apps oder andere Inhalte von den Urhebern so geschützt, dass sie überhaupt nicht geteilt werden können. Das steht dann im Zweifel im Kleingedruckten.

Passt das Familienangebot?

Die meisten Anbieter von Musik oder Videos bieten Probemonate an. In denen können Familien für sich herausfinden, ob der Anbieter und das Teilen zu ihnen passt oder nicht. „Außerdem haben die meisten Dienste kurze Kündigungsfristen von einem Monat. Da kann man das auch etwas länger für sich testen“, sagt Daniel Pöhler von Finanztip.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 30. April 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 00:10 Uhr