Umschau-Quicktipp | 05.07.2018 So klappt der Girokonto-Wechsel

"Wer wechseln will, sollte auf zwei Dinge achten: Die Leistungen fürs Konto müssen stimmen und es sollte nicht zu teuer sein", sagt Josefine Lietzau vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip. So sollten Bankkunden vor dem Wechsel genau prüfen, ob es für das neue Girokonto genug Bankautomaten in der Nähe der Wohnung oder der Arbeitsstelle gibt. Bei den meisten Konten werden mehrere Euro an Gebühren fällig, wenn an fremden Automaten abgehoben wird. Wer mehrmals im Monat einen fremden Automaten nutzt, kommt schnell sogar teurer als mit einem kostenpflichtigen Konto bei einer Bank mit vielen Automaten. Bei manchen Banken muss auf dem Konto jeden Monat ein bestimmter Mindestbetrag eingehen. Fehlt der, sind bestimmte Gratis-Leistungen plötzlich kostenpflichtig oder es werden Monatsgebühren fällig. Bevor man sich für den Wechsel zu einem anderen, preiswerteren Konto entschließt, sollte man die eigene Bank nach den Bedingungen für Neukunden fragen. Die bekommen manchmal noch günstigere Angebote.

Zur Kooperation verpflichtet

Junge Frau kontrolliert ihre Finanzen.
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Seit Herbst 2016 sind Banken gesetzlich verpflichtet, ihren Kunden beim Kontowechsel zu helfen. Dafür müssen die alte und die neue Bank zusammenarbeiten, um den Übergang so problemlos wie möglich zu machen. So muss etwa das bisherige Finanzinstitut eine Übersicht aller Buchungen der letzten dreizehn Monate an die neue Bank liefern, Daueraufträge einstellen und darf keine Lastschriften mehr akzeptieren. "Die neue Bank muss dann die Daueraufträge wieder einrichten und auch die Leute informieren, die vom alten Konto abbuchen, dass es das neue gibt", sagt Finanztip-Expertin Lietzau. Vielen Bankkunden ist allerdings gar nicht bekannt, dass der Gesetzgeber ihnen den Wechsel so einfach wie möglich machen will. Nach einer aktuellen Umfrage der Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentralen weiß nur jeder Fünfte, was sich hinter dem gesetzlich vorgeschriebenen Wechselservice verbirgt. "Wenn man sich die Internetseiten der Banken mal anschaut, dann springt einem der Hinweis auf die Hilfe beim Wechsel auch nicht sofort an", sagt Andreas Behn von der Verbraucherzentrale Thüringen. Hier gebe es noch Verbesserungsbedarf. Ähnlich sieht das Josefine Lietzau: "Besonders wenn es sich um Direktbanken handelt, sind die Formulare für die gesetzliche Kontowechselhilfe auf den Webseiten öfter ein bisschen versteckt."

Schadenersatzpflichtig

9,35 Euro liegen auf einem Tisch
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In der Praxis funktioniert die gesetzlich vorgeschriebene Wechselhilfe zudem noch nicht reibungslos. Nach der Umfrage der Verbraucherschützer gibt es etwa Probleme mit den Wechselformularen, platzen Lastschriften und Überweisungen oder werden Fristen für das Weitergeben von Daten nicht eingehalten. Entstehen Bankkunden dabei zusätzliche Kosten, müssen die Banken dafür haften. Auch das hat der Gesetzgeber festgelegt. "Das können Verzugszinsen sein, wenn Daueraufträge zu spät ausgeführt werden, oder die Kosten einer Lastschriftrückgabe. Dafür muss die Bank dann auch gerade stehen und die Bankenaufsicht BaFin kann auch Bußgelder verhängen", sagt Josefine Lietzau.

Manche Banken bieten eigenen Service an

Aus Sicht von Finanzexperten hat der Gesetzgeber selbst dazu beigetragen, dass es bei der Wechselhilfe Probleme gibt. So sei das vorgeschriebene Formular viel zu kompliziert. Selbst ausgebildete Bankkaufleute wissen nicht immer, an welchen Stellen sie das richtige Kreuz setzen müssen. Das zeigt ein aktueller Test der Stiftung Warentest vom April 2018. Manche Banken bieten daher alternativ einen eigenen digitalen Service für den Kontowechsel an. "Ich würde da aber immer empfehlen, den gesetzlich vorgeschriebenen Weg zu gehen. Da bin ich auf der sicheren Seite", rät Verbraucherschützer Behn. "Bei der vorgeschriebenen Kontowechselhilfe haften ja die Banken bei Problemen. Bei den anderen Angeboten ist das nicht der Fall, da verliere ich das Recht", sagt Josfine Lietzau.

Altes Konto etwas weiterlaufen lassen

Ein typisches Problem beim Kontowechsel können Bankkunden aber selbst von vornherein ausschließen: Oft gehen Lastschriften zurück, wenn das alte Konto sehr schnell geschlossen wird. "Wenn man mit der Girocard über Lastschrift bezahlt, wird die oft etwas später abgebucht. Liegt der Kontowechsel dazwischen, geht die Lastschrift von der Karte ins Leere", erklärt Josefine Lietzau. Das wird dann schnell teuer, wenn Unternehmen sofort von Inkassofirmen den ausstehenden Betrag eintreiben lassen. Bankkunden sollten das alte Konto daher sicherheitshalber noch zwei bis drei Monate mit einem kleinen Guthaben weiterlaufen lassen. So gehen keine Buchungen verloren. "Es gibt keine generelle Vorgabe, wann die alte Bank das alte Konto schließen darf. Die kündigt das genau zu dem Zeitpunkt, den der Kunde sich aussucht", sagt unsere Finanzexpertin. Das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Wechselformular sei da eine typische Fehlerquelle. "In den Formularen ist voreingestellt, dass die alte Bank ab dem Kontowechsel die Abbuchungen nicht mehr akzeptieren soll. Das sollten Verbraucher ändern", sagt Josefine Lietzau.

Wer hilft bei Ärger?

Verweigern Banken die Hilfe beim Kontowechsel oder bei Problemen den Schadenersatz, können sich Verbraucher unter anderem bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beschweren.

Das geht über deren Webseite oder über eine Hotline. "Das können auch Privatpersonen machen. Die BaFin ist jetzt gesetzlich verpflichtet, auch die Verbraucherrechte im Blick zu haben", sagt Andreas Behn. Bei Ärger vermitteln alternativ auch die Ombudsmänner der Schlichtungsstellen. Davon gibt es allerdings gleich drei: für Privatbanken, für Sparkassen und für Volks- und Raiffeisenbanken. Die Schlichtung ist für Verbraucher kostenlos.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 05. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2018, 00:10 Uhr