Umschau-Quicktipp | 27.07.2018 Segways, Hoverboards, Mono-Wheels und Elektro-Skateboards: Wo darf man die fahren?

Umschau-Quicktipp: Hoverboards 1 min
Bildrechte: MDR JUMP

Wendig sind sie, die kleinen Elektrofahrzeuge, und unendlich praktisch. Aber Achtung: Bislang dürfen die Geräte nur auf Privatgelände betrieben werden. Wir fassen zusammen, was Sie sonst noch wissen müssen.

MDR FERNSEHEN Fr 27.07.2018 00:00Uhr 01:00 min

https://www.mdr.de/umschau/quicktipp/quicktipp-hoverboards-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Elektrische Einräder, Skateboards mit Antrieb, Hoverboards und Segways: Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von kleinen Fahrzeugen mit Elektromotor, die Spaß machen und den Weg zur Arbeit oder in der Stadt verkürzen können. Der deutsche Gesetzgeber kann aber mit den meisten der kleinen Fahrzeuge bisher noch nicht so richtig etwas anfangen. Für Straßen oder auch Radwege sind sie daher nicht zugelassen. Nutzer sollten zudem extrem vorsichtig fahren, weil sich auch viele Versicherungen quer stellen.

Erinnert nicht ansatzweise an ein Auto, wird aber so behandelt

Hoverboards (eine Art Trittbrett mit zwei Rädern), Monowheels (ein Rad mit Fußstützen) oder Segways beschleunigen und bremsen durch Gewichtsverlagerung. Neigt man sich nach vorn, wird das Gefährt schneller. Gebremst wird durch leichte Gewichtsverlagerung nach hinten. Beim Skateboard mit Antrieb gibt man mit einer Fernbedienung oder über eine Handy-App Gas. Die kleinen und meist nur wenige Kilogramm schweren Gefährte erinnern eher ans Spielzeuge oder Sportgeräte. Sie werden aber in der Praxis wie Autos behandelt. „Für Fahrzeuge mit Motorantrieb jeder Art gelten unter anderem die Vorschriften der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, wenn sie bauartbedingt schneller als sechs Kilometer pro Stunde werden“, sagt Herbert Engelmohr, Jurist und Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Daher müssten Hoverboards oder Monowheels auch die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung erfüllen und wie Autos oder Motorräder eben auch Bremsen, Licht, Sitz und Lenker haben.

Nur auf Privatgelände

Doch die kleinen Elektro-Gefährte können gar nicht oder nur teilweise mit den vorgeschriebenen Teilen ausgerüstet werden. Damit dürfen sie auch nicht im öffentlichen Verkehr benutzt werden – weder auf Straßen noch auf Spielplätzen oder Fuß- oder Radwegen. Hoverboards oder E-Skatebooards dürfen aktuell nur auf Privatgelände benutzt werden. „Die Monowheels oder Skateboards kann man nicht zulassen oder von TÜV und Dekra prüfen lassen. Und weil man sie nicht zulassen kann, bekommt man auch keine Versicherung. Fährt man trotzdem außerhalb von Privatgelände, ist das eine Straftat“, sagt Alexander Segmüller. Der Berliner Unternehmer bietet unter anderem Kurse für die Elektro-Einräder an und setzt sich mit seinem Netzwerk dafür ein, dass die Behörden in Deutschland eine verbindliche Regelung für die Gefährte findet. Zwar untersuche seit vier Jahren die Bundesanstalt für Straßenwesen im Auftrage des Verkehrsministeriums, welche Regelung für die kleinen Elektrofahrzeuge denkbar sei. Wann eine entsprechende Entscheidung kommt, ist derzeit noch offen. Auf eine entsprechende gemeinsame Anfrage von MDR JUMP und dem MDR-Magazin „Umschau“ antwortete das Bundesverkehrsministerium bisher nicht.

Sonderregel für Segways

Junge Leute fahren auf Segways
Bildrechte: IMAGO

Zwei Räder, ein Trittbrett und ein Lenker: An den Anblick von Segways haben sich die meisten inzwischen gewöhnt. Die Gefährte sind schon seit 2001 auf dem Markt und damit deutlich länger als etwa Monowheels oder Hoverboards. Damit hatten die Anbieter und Verkäufer auch schon einige Jahre Zeit, bei Gesetzgeber und Behörden für eine Regelung für Segways für den Straßenverkehr zu trommeln. „Das hat so sieben bis acht Jahre gedauert und dann haben die ein eigenes Gesetz bekommen: Das Elektromobilitäts-Hilfe-Gesetz“, sagt Alexander Segmüller. „Wenn Segways mit Versicherungskennzeichen, Licht und Klingel ausgerüstet sind, dürfen die auch auf die Straße“, sagt Avd-Experte Engelmohr. Ein Führerschein ist laut der Verordnung nicht nötig. Im Ort dürfen Segway-Nutzer Radwege benutzen. Sind die nicht vorhanden, darf auch auf der Straße gefahren werden. Außerorts ist die Straße tabu, Segway-Fahrer dürfen nur auf Radwege oder Schutzstreifen.

Hohe Strafen

Aus eigener Erfahrung und von seinem Netzwerk aus Monowheel-Nutzern aus ganz Deutschland weiß Alexander Segmüller: Die Polizei setzt die aktuell geltenden Regeln für die Elektro-Gefährte auch durch. „Von mir wurden schon mehrere Geräte eingezogen, für Prüfungszwecke. Die habe ich dann wieder bekommen, musste aber eine Strafe zahlen“, erzählt der Unternehmer. In zwei Fällen waren es pro Monowheel 330 Euro. Im Ernstfall müssen Nutzer sogar noch mit deutlich heftigeren Strafen rechnen, wenn sie auf öffentlichen Straßen oder Radwegen erwischt werden. „Fehlt die Versicherung, ist das eine Straftat und kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden. Hat der Fahrer keinen Führerschein der Klasse B oder C, kann er mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bestraft werden“, warnt Herbert Engelmohr vom AvD. Laut Bußgeldkatalog kann zudem das Fahren mit einem nicht zugelassenen Kraftfahrzeug mit 70 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet werden.

Ganz vorsichtig bitte!

Ein junger man fährt auf einem Hoverboard.
Bildrechte: Colourbox.de

Sind Segways auf mehr als 20 km/h eingestellt, müssen Nutzer einen Helm tragen. Für die anderen Gefährte gibt es keine gesetzliche Helmpflicht, weil sie nur auf Privatgelände erlaubt sind. Der AvD rät trotzdem dringend zum Kopfschutz. „Das gilt vor allem dann, wenn man noch nicht lange auf solchen Gefährten steht. Für die braucht man ja auch ein gewisses Maß an Gleichgewichtssinn und Orientierung“, sagt Herbert Engelmohr. Das Technikmagazin c’t rät nach einem aktuellen Test von Elektro-Fahrzeugen noch aus einem anderen Grund zum Helm: Wenn der Akku leer ist, könnten die Fahrzeuge plötzlich stoppen. „Ich kann allen nur raten, beim Fahren vorsichtig zu sein. Wenn man jemanden anfährt und es kommt hart auf hart, zahlt keine Versicherung“, sagt Alexander Segmüller. Das kann schnell in die Tausende gehen: für Behandlung oder Verdienstausfall. „Die Privathaftpflichtversicherung kann die Schäden nicht übernehmen. Und eine Kfz-Haftpflichtversicherung können etwa Hoverboards nicht erhalten. Der Nutzer muss dann allein  für die Schäden aufzukommen, die er verursacht“, sagt Henning Engelage vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Fazit

Noch fehlen verbindliche Regeln für kleine Elektrogefährte wie Monowheels oder Skateboards mit Antrieb. Die dürfen bis dahin einzig auf Privatgelände betrieben werden. Wer trotzdem auf öffentlichen Wegen oder Straßen unterwegs ist, riskiert hohe Strafen. Zudem stellt sich die Haftpflicht quer, wenn man jemanden anfährt und verletzt. Einzig entsprechend ausgerüstete Segways dürfen auf Straßen oder Radwege.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 27. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2018, 09:54 Uhr