Umschau-Quicktipp | 06.07.2018 Insektenreste vom Autolack entfernen

Vogelkot ist ätzend und säurehaltig, Baumharz klebt enorm. Pollen und auch Sonnenmilch können sich bei hohen Außentemperaturen regelrecht in den Lack einbrennen. Und eben auch Insekten gehören mit zu den Verursachern der fiesesten Flecken. Der Chitinpanzer der Tierchen platzt beim Aufprall auf, die teilweise säurehaltigen Sekrete der Tiere gelangen so auf den Lack, wo sie durch Fahrtwind und Sonneneinstrahlung schnell eintrocknen.

"Das Auto sollten Sie immer so schnell wie möglich von den Insektenresten reinigen. Kleben angetrocknete Insektenreste länger auf dem Auto, dann werden bei jedem Regen oder durch Tau die Säuren erneut aktiviert", rät Autoexperte Johannes Hübner.  Wenn sich also auf einer langen Fahrt viel kleine Tierchen auf dem Lack ansammeln, sollten Sie versuchen, sie möglichst schnell zu entfernen.

Was mit dem Lack passiert

Wassereimer für die Autoscheiben an einer Tankstelle.
Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Der eigentlich hart erscheinende Autolack besteht im Normalfall aus vier dünnen Schichten – die es zusammen auf nicht mal einen Millimeter Dicke bringen. Die erwähnten Säuren der Insekten oder vom Vogelkot und die Öle von Sonnenmilch und Baumharz reagieren zuerst mit der obersten Lacksicht, dem Klarlack. Der ist gar nicht so glatt, wie es scheint, sondern zeigt unter dem Mikroskop eine ziemlich raue Oberfläche. Dort greifen Säuren und Öle an. Sie zerstören gegebenenfalls diese Lackschicht und widmen sich später der Farbschicht. In Folge quillt der Lack auf und verliert an Farbe und Leuchtkraft. Bei Insekten schaden nicht nur die Säuren sondern auch der Insektenpanzer aus Chitin. Das harte Material kann den Lack rein mechanisch schädigen, besonders, wenn Sie ihn mit ungeeigneten Mitteln entfernen wollen.

Die größten Reinigungsfehler

Am schlimmsten ist es, mit der Reinigung zu lange zu warten. Licht und Hitze beschleunigen die durch Säuren und Öle ausgelösten chemischen Vorgänge. Je länger Sie also warten, desto mehr schaden Sie dem Lack.

Eine Hand fährt mit einem Tuch über die Motorhaube eines Pkws
Bildrechte: IMAGO

Wenn Sie dann an die Reinigung gehen, nehmen Sie sich dafür Zeit. Lösen Sie die Flecken zuerst gut an. "Auf keinen Fall sollte man die Insektenreste mit einem harten Schwamm herunterrubbeln", warnt Johannes Hübner. Die toten Insekten könnten dann ähnlich wie eine Schmirgelpaste kleine Kratzer in Lack und Kunststoffen hinterlassen.

Ebenso falsch ist die Verwendung von Lackentferner, Verdünnung und anderen Lösungsmitteln. Diese Mittel greifen den Lack nur noch mehr an. Auch billige Polituren mit hohem Schleifmittelanteil sind schädlich.

In der Kritik stehen die oft im Home-Shopping-TV angepriesenen Spezialreiniger inklusive Superpolitur. Die sollen in einem Arbeitsgang reinigen und polieren. Dabei müsste jedem klar sein, dass Sie nicht gleichzeitig Dreck aufnehmen und im selben Arbeitsgang das Auto polieren und versiegeln können. Diese Wunder- mittel wirken daher meist nur ein paar Tage. Auf Dauer hat der Lack nichts davon. 

Die richtige Reinigung

Um Insektenflecken schonend aber gründlich wegzubekommen, gibt es zwei Wege: Ist der Fleck ganz frisch, genügen lauwarmes Wasser oder ein Insektenentferner aus dem Handel. Arbeiten Sie auf Lack immer mit viel Feuchtigkeit, verwenden Sie nur saubere und kratzfreie Lappen oder Schwämme.

Eingetrocknete Insekten auf dem Außenspiegel eines Autos.
Bildrechte: imago/blickwinkel

Sind die Flecke eingetrocknet, weichen Sie sie am besten mit nassem Zeitungspapier ein. Dazu einfach die Zeitung in warmes Wasser tauchen und auf den Lack legen, das reicht. Sie können die Zeitung auch mit einem sanften Autoshampoo einweichen. Nötig ist das aber nicht, wie unser Experte weiß: "Diese Tageszeitungen enthalten einen Gerbstoff und der sorgt mit dafür, dass die Flecken und das Chitin angelöst werden." Gleichzeitig macht die feuchte Zeitung alle Reste auf dem Auto schön weich. Nach fünf bis zehn Minuten sind die Flecken gut eingeweicht und lassen sich mit einem feuchten Tuch oder Schwamm entfernen. Ein Mikrofasertuch leistet hier gute Arbeit. Achtung: Sie sollten es immer gut ausspülen.

Die richtige Nachbehandlung

Wenn Sie ein Shampoo oder andere chemische Reiniger verwenden, spülen Sie immer gründlich mit klarem Wasser nach. Ansonsten gibt es gerade unter Sonneneinstrahlung hässliche Ränder. Auch die können sich unter Umständen in den Lack einbrennen.

Anschließend braucht ihr Auto eine Politur. Die Reiniger brechen in der Regel nämlich die Versiegelung Ihres Lacks, also die feste Oberfläche, leicht auf. Deshalb empfiehlt sich im Anschluss die neue Schutzschicht. Achten Sie darauf, dass der Anteil an Naturwachsen in Politur oder Hartwachsprodukt möglichst hoch ist. Preiswerte Produkte haben zwei bis drei Prozent Wachsanteil, die Profis arbeiten mit bis zu 30 Prozent. Geben Sie also für das Finish lieber einen Euro mehr aus. Arbeiten Sie mit Poliermaschine oder ähnlichen Hilfsmitteln nur, wenn Sie sie beherrschen oder tasten Sie sich vorsichtig heran. Arbeiten Sie auch beim Polieren immer mit sauberen Lappen und Tüchern, viel Feuchtigkeit, wenig Kraft und niedrigen Drehzahlen.

Das Auto kneten? Ja doch!

Je glatter Ihr Lack, desto weniger Angriffsfläche bietet er. Autoknete, gibt es ab zehn Euro pro 100 Gramm. Dazu brauchen Sie noch ein passendes Gleitmittel. Mit viel Gefühl und Feuchtigkeit reiben Sie mit der Knete über den Lack und nehmen so auch kleinste Schmutzpartikel auf. Am Ende ist der Lack sehr glatt und kann nachbehandelt werden, wie oben beschrieben.Auch bei Autoknete gilt: Vorsichtig herantasten und immer genau an die Gebrauchsanleitung halten.

Fazit

Ein Mann poliert sein Auto.
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Insektenreste und andere Flecken auf dem Autolack lassen sich mit einfachen Mitteln und preiswert entfernen. Je länger Sie damit warten, umso größer kann der Schaden im Lack sein. Gehen Sie bei der Beseitigung von Flecken mit Zeit, Vorsicht und genau nach Gebrauchsanweisung vor, dann glänzt auch der Lack Ihres Autos wieder wie neu. Vorm Verkauf und bei schwerwiegenden Flecken kann sich die Investition in eine professionelle Autoaufbereitung lohnen, die kostet allerdings bis zu 300 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 06. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2018, 09:16 Uhr