Umschau-Quicktipp | 11.05.2018 Kontaktlos bezahlen mit Karte oder Smartphone: Wie es funktioniert, welche Probleme es gibt

Eine Frau bezahlt kontaktlos mit ihrem Smartphone
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Einfach Girocard, Kreditkarte oder Smartphone an ein Lesegerät halten und schon hat man bezahlt: So geht es an den Kassen beim Bezahlen deutlich schneller. Das Bezahlen mit Funktechnik funktioniert in Deutschland inzwischen fast flächendeckend. Die anfänglichen Sorgen von Verbraucherschützern und Technikexperten um die Sicherheit der Technik haben sich bisher noch nicht bewahrheitet. 

Bezahlen über Funk

Für das schnelle kontaktlose Bezahlen wird eine Übertragungsart mit dem Kürzel NFC genutzt. Das steht für „Near Field Communication“, auf Deutsch etwa „Daten übertragen über eine kurze Distanz“. Mit „kurzer Distanz“ ist in der Regel ein Abstand von wenigen Zentimetern gemeint. Die Banken haben ihre Kunden bereits über den ganz normalen Kartenwechsel mit „Plastikgeld“ mit Funkmöglichkeit ausgestattet.

NFC-Technologie, neue Zahlungsmöglichkeit mit Handy oder Smartphone
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Das erkennt man in der Regel an einem kleinen Funk­Symbol (ähnlich wie das WLAN-Symbol: vier gebogene Streifen nebeneinander) auf der Kartenvorderseite. Das prangt inzwischen auf fast allen Kreditkarten von Visa, Mastercard oder American Express. Das Geld wird dann vom zugehörigen Konto eingezogen. Seit einigen Jahren statten die Finanzinstitute auch ihre Girocards (früher: EC-Karte) mit der Technik aus. Die „Girogo“ benannte Bezahlvariante ist aber von vornherein als Prepaid-Variante angelegt. Nutzer müssen den NFC-Chip erst mit Geld aufladen, etwa am Geldautomaten oder beim Händler. Einige Banken haben aber inzwischen Karten im Angebot, die ohne Aufladen funktionieren. Die werden als „Girocard kontaktlos“ bezeichnet.

Klappt auch mit vielen Smartphones

Auch die meisten Android-Smartphones ab der Mittelklasse können inzwischen für das kontaktlose Bezahlen genutzt werden. Die nötige NFC-Technik haben auch viele iPhones an Bord. Zusätzlich brauchen Nutzer noch eine so genannte Wallet-App, in der die Kontodaten gespeichert sind. Für Deutschland gibt es bisher nur zwei solcher Programme: „Boon“ und „Glase“ sind für Android und iOS kostenlos. „Das sind einfach Apps, die eine Kreditkarte simulieren und wie die dann abrechnet. Da gibt’s unterschiedliche Wege, da können Nutzer Lastschrift und eine Kreditkarte hinterlegen“, sagt c’t-Experte Janssen.

Fast flächendeckend ausgestattet

Für kontaktloses Bezahlen muss der Händler eine Kasse mit einem Lesegerät für NFC angeschafft haben. Weil das Extrakosten verursacht, zögerten viele Geschäfte und auch große Handelsketten damit bei der Einführung vor einigen Jahren. „Ich habe aber das Gefühl, dass man jetzt überall damit bezahlen kann. Vielleicht nicht beim Bäcker oder beim kleinen Kiosk, aber bei allen Ketten, bei Supermärkten und Modegeschäften“, sagt Jan-Keno Janssen vom Computermagazin c’t. Ein Grund für den Durchbruch könnte auch sein, dass die EU die Gebühren für die Kartenzahlung gedeckelt hat. Auch damit ist die Technik für Händler inzwischen günstig geworden.

An die Kasse halten, fertig

Karte oder Smartphone werden dann fürs Bezahlen im Abstand von maximal vier Zentimetern ans Lesegerät an der Kasse gehalten. Der Händler muss zudem die Zahlungsmöglichkeit per Funk aktivieren. Das soll ungehindertes Bezahlen im Vorbeigehen an der Kasse oder mehrfaches Abbuchen vom Konto verhindern. Die beiden Funkchips tauschen dann in weniger als einer Sekunde Bankdaten und Bedienkommandos miteinander aus. Die Daten sind für die Übertragung verschlüsselt. Kleine Beträge werden einfach abgebucht, ohne dass der Kunde einen PIN eingeben oder unterschreiben muss. Für Girogo gilt eine Obergrenze von 20 Euro, Kreditkartenanbieter Mastercard hat das Ganze auf 25 Euro gedeckelt. Visa ermöglicht das kontaktlose Bezahlen seit letztem Jahr bis 50 Euro ohne PIN oder Unterschrift. In der Praxis können aber die ausgebenden Banken oder die Händler entscheiden, ob sie nur das niedrigere Limit von 25 Euro akzeptieren. Die PIN für größere Beträge ist die gleiche, die Kunden etwa beim Geldabheben mit der Karte eingeben müssen.

Diebe und unehrliche Finder könnten mit Karte bezahlen

„Ein Risiko hat man auf jeden Fall: Man kann die Karte mit der Funktechnik verlieren. Wenn man das nicht mitbekommt und die Karte sperrt, kann der Finder kleine Beträge damit bezahlen“, sagt Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. Bei Girogo ist dann das aufgeladene Guthaben im Zweifel weg. Die Banken haften nicht. Bei Girocard kontaktlos und den Kreditkarten haften Kunden nur bis maximal 50 Euro bis zum Sperren. Die Banken haben aber zusätzliche Hürden aufgebaut, um Missbrauch mit gestohlenen Karten zu beschränken.

„Die Kreditkartenfirmen nutzen so genannte Detection Schemes. Da geht eine künstliche Intelligenz über die Bezahlvorgänge drüber und schaut, ob irgendwelche Verhaltensmuster gerade komisch sind“, sagt Jan-Keno Janssen. Werden innerhalb kurzer Zeit viele kleine Beträge abgebucht, wird die Karte gesperrt.

Karte auf der Rolltreppe ausgelesen?

Rolltreppe in einer Metrostation in Sankt Petersburg
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Bei der Einführung der Technik sorgten sich viele Kunden und auch Verbraucherschützer, die Karten könnten sozusagen im Vorbeigehen ausgelesen werden. „Wir hatten letztes Jahr eine Aktion und haben uns mal so eine App runtergeladen auf das Smartphone und geschaut, wie kann ich denn die Daten auslesen“, sagt Verbraucherschützer Reichertz. Im Test sei auffällig gewesen, wie nahe das Smartphone an die Karte für das Auslesen gehalten werden musste. „Das waren drei, vier Zentimeter. Die Angst, dass man im Vorbeigehen oder auf der Rolltreppe ausgelesen wird, die hat sich für uns nicht bestätigt“, sagt Ralf Reichertz. Im Ernstfall können mit Apps wie Scheckkartenleser nur die Kontonummer und die letzten Bezahlvorgänge ausgelesen werden. Auch Smartphone-NFC-Nutzer müssen sich laut c’t keine Sorgen machen. „In den Wallet-Apps fürs Smartphone sind nicht mal echte Kreditkarten-Daten  gespeichert, sondern nur so genannte Token, mit denen nur die Bank etwas anfangen kann“, sagt Jan-Keno Janssen. Wer sich trotzdem nicht sicher fühlt, kann für Girocard oder Kreditkarten entsprechende Schutzhüllen für wenige Euro online kaufen. Die verhindern das Auslesen komplett. Auf Anfrage sperren einige Banken die NFC-Technik auf der Karte auch ganz.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 11. Mai 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2018, 10:22 Uhr