Umschau-Quicktipp | 05.12.2017 Ihre Rechte beim Lebensmittelrückruf

Fast jede Woche kommt es in Deutschland zu Rückrufaktionen oder Produktwarnungen bei Lebensmitteln. Von vielen bekommt die Öffentlichkeit jedoch nichts mit. Hersteller und Händler nutzen bei Weitem nicht alle zur Verfügung stehenden Verbreitungskanäle, kritisieren Verbraucherschützer. Als Kunde informieren Sie sich am schnellsten selbst - wir sagen Ihnen, nicht nur, wo, sondern auch, was Sie bei Mängeln tun können, wann Produkte umgetauscht, Geld zurückverlangt und Schadenersatz gefordert werden kann.

Wann kommt es zu Rückrufen und Warnungen?

Eier mit einem Warnhinweis
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Glassplitter in Keksen, Plastikteile im Linseneintopf oder Fipronil in Eiern: Solche Dinge haben in Lebensmitteln nichts zu suchen. Doch wo massenweise Lebensmittel produziert werden, tauchen auch hin und wieder mangelhafte oder sogar gesundheitsschädliche Produkte auf. In solchen Fällen kommt es zu Produktwarnungen und Rückrufen.

Rückrufe wegen Gesundheitsgefährdung

„Bei Gefahren für die Gesundheit der Verbraucher ist der Hersteller verpflichtet, die betroffenen Produkte zurückzurufen“, sagt Bianca Böttcher, Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht in Leipzig. Das bedeutet, der Hersteller muss die betroffenen Produktchargen aus den Regalen des Einzel- und Großhandels räumen und den Verbraucher zusätzlich öffentlich warnen. Tut er dies nicht, können auch die Lebensmittelüberwachungsbehörden Rückrufe anordnen oder Warnungen aussprechen. Dabei gilt ein Produkt als „gesundheitsschädlich“, wenn der Verzehr zu einer sofortigen Erkrankung führt oder wenn die Anreicherung von Giftstoffen im Körper möglicherweise erst später gesundheitliche Folgen haben kann.

Freiwillige Produktrückrufe

Neben den Rückrufen bei Gesundheitsgefahr gibt es auch freiwillige Produktrückrufe der Hersteller. Diese kommen vor allem zum Einsatz, um Kunden nicht zu enttäuschen oder negativer Berichterstattung zuvorzukommen. „Mittlerweile sehen viele Hersteller in den Rückrufen auch die Chance, sich dem Verbraucher als verantwortungsvoller Produzent zu präsentieren“, so Rechtsanwältin Böttcher.

Produktwarnungen

In bestimmten Fällen gibt es für die Hersteller noch andere Möglichkeiten: Besteht kein Gesundheitsrisiko, können die Unternehmen auch nur vor bestimmten Produkten warnen. Haben die betroffenen Chargen den Verbraucher noch nicht erreicht oder bestehen ebenfalls keine gesundheitlichen Bedenken, kann der Hersteller die Produkte auch nur aus den Regalen nehmen, ohne zusätzliche Warnungen zu veröffentlichen. Dies wird dann als „stiller Rückruf“ bezeichnet.

Wo können sich Verbraucher informieren?

In erster Linie müssen die Hersteller bzw. Händler dafür sorgen, dass der Verbraucher die Informationen über zurückgerufene gesundheitsgefährdende Produkte auch tatsächlich und zeitnah wahrnimmt. Das kann zum Beispiel über Aushänge im Laden erfolgen. Darüber hinaus publizieren die Bundesländer oder das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf www.lebensmittelwarnung.de öffentliche Warnungen und Informationen im Sinne des § 40 Absatz 1 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB). Dort finden Sie auch – nach Bundesländern geordnet – relevante Produktinformationen.

Verkäufer ist in der Pflicht

Wenn Sie ein Produkt gekauft haben, das von einer Produktwarnung oder einem Rückruf betroffen ist, informiert meist der Hersteller selbst, wie mit der Ware umzugehen ist. Generell gilt aber: Der Verkäufer ist verpflichtet, das Produkt dem Kunden einwandfrei zu übergeben.

Entspricht also ein Lebensmittel diesen Anforderungen nicht, haben Sie Gewährleistungsrechte, insbesondere das Recht auf Nacherfüllung. Das bedeutet: Sie dürfen die Ware umtauschen. Ist dies dem Händler nicht möglich, steht Ihnen zu, Ihr Geld gegen Rückgabe der Ware zurückzuverlangen.

Auch geöffnete Ware kann umgetauscht werden

Schimmel auf Himbeermarmelade im Glas
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Haben Sie ein Produkt bereits geöffnet und bemerken erst dann den Rückruf, können Sie auch das geöffnete Produkt umtauschen. Das ist im Übrigen auch dann der Fall, wenn Sie zu Hause merken, dass zum Beispiel die Milch bitter schmeckt. „Denn wenn ein Lebensmittel zum Zeitpunkt, zu dem ich es gekauft habe, schon mangelhaft war, habe ich den Anspruch, es auch ohne Kassenzettel umzutauschen“, so Böttcher. Sie müssten nur auf irgendeine Art beweisen können, wo und wann Sie die Ware gekauft haben - sei es durch einen Kassenzettel oder durch einen glaubwürdigen Zeugen. Selbst verfaultes Obst kann umgetauscht werden, wenn es kurze Zeit nach dem Kauf schon extrem schimmlig ist. Denn dann hat die Schimmelbildung höchstwahrscheinlich versteckt schon im Supermarkt angefangen. Rückrufe oder Lebensmittelwarnungen sind also längst nicht die einzigen Anlässe, wann Sie Lebensmittel im Supermarkt umtauschen können.

So ein Umtausch ist weniger problematisch als man vielleicht denken mag: Viele Supermärkte sind relativ unkompliziert und tauschen schon zum Zweck der reinen Kundenzufriedenstellung um, so Rechtsexpertin Böttcher. Sie wollen Kunden nicht enttäuschen und damit vermeiden, dass diese fortan woanders einkaufen gehen. Hilft der Supermarkt nicht weiter, können Sie sich auch an den Hersteller direkt wenden, wenn zum Beispiel das Produkt schon vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums verdorben ist.

Schadenersatz möglich

Ist ein Lebensmittel von Rückrufen betroffen und Sie haben es bereits konsumiert, steht Ihnen, wenn die Ware zum Beispiel eine Lebensmittelvergiftung zur Folge hatte, auch Schadensersatz zu. „Ich muss aber nachweisen können, dass ein bestimmtes Lebensmittel verunreinigt war und gerade deshalb meine Gesundheit beeinträchtigt wurde“, gibt Böttcher zu Bedenken. Deswegen ist es sinnvoll, Reste des Lebensmittels und auch die Verpackung oder sogar Proben des Mageninhalts als Nachweis zu sichern. 

Schadensersatz steht Ihnen übrigens auch dann zu, wenn schon vor dem Produkt gewarnt wurde, Sie als Kunde aber nichts mitbekommen haben. Der Hersteller haftet nämlich in der Regel trotzdem. Bloß: „Wenn unübersehbar große Schilder im Supermarkt hingen, auf allen Kanälen Warnungen erfolgten und es fast unmöglich ist, diese Warnungen nicht zu bemerken, kann im Einzelfall auch ein Mitverschulden des Kunden gegeben sein“, sagt Rechtsexpertin Böttcher. In diesem Fall kann der Schadensersatz gemindert werden.

Produktmängel melden

Wenn Sie selbst Mängel an einem Produkt feststellen, wie beispielsweise Fremdkörper in einer Müslipackung oder einen stark verfremdeten Geschmack, sollten Sie unbedingt dorthin zurückgehen, wo Sie die Ware gekauft haben und es melden. Nur so können auch andere Menschen geschützt werden, die Produkte derselben Charge gekauft haben. „Sie können aber auch der zuständigen Behörde den Sachverhalt melden“, sagt Böttcher. Das sind die jeweiligen Lebensmitteüberwachungsämter. Und auch die Verbraucherzentralen böten Unterstützung an.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 05. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2017, 11:12 Uhr