Umschau-Quicktipp | 07.05.2018 Motoröl: Das sollten Sie wissen

Ölwechsel in der Autowerkstatt
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Damit Ihr Auto-Motor wie geschmiert läuft, braucht er das richtige Öl. Welches das ist, wissen die Profis in der Werkstatt. Als Autobesitzer sollten Sie aber wenigstens die grundlegendsten Informationen zum Motoröl kennen. Könnte ja sein, dass Sie tatsächlich mal in die Verlegenheit kommen, Öl nachfüllen zu müssen.   

Wozu braucht Ihr Auto Öl?

Durch Motoröl werden in erster Linie die beweglichen Teile im Motor geschmiert. Das vermindert Reibung und Abrieb. Außerdem hilft das Öl bei der Kühlung sehr stark beanspruchter Teile. Es transportiert die Wärme von Stellen weg, die nicht mit Kühlmittel versorgt werden können. Öl hilft aber auch beim Abdichten des Motors, etwa bei komplizierten Übergängen zwischen Lagern und Wellen. Nicht zuletzt schützt Öl den Motor von innen gegen Rost und transportiert Schwebstoffe und Verbrennungsrückstände aus dem Motor in den den Ölfilter.

Anforderungen ans Öl

Das ideale Öl sollte eine möglichst niedrige Viskosität, also Zähigkeit besitzen. Motoren können so bei großer Kälte besser anspringen. Aber das Öl sollte auch noch bei hohen Temperaturen immer einen durchgehenden Schmierfilm gewährleisten, der nicht abreißt. Um bei den verschiedensten Motorarten und Anforderungen die richtigen Eigenschaften des Öls zu gewährleisten, gibt es verschiedene Ölsorten. Mineralische Öle werden relativ einfach aus Erdöl hergestellt. Diese so genannten Einbereichsöle können oft nur einen kleinen Anforderungsbereich abdecken. Teil- oder vollsynthetische Öle werden viel aufwändiger hergestellt und oft noch mit speziellen Zusatzstoffen versetzt. Diese Additive verleihen dem Öl Eigenschaften, die einen größeren Einsatzbereich möglich machen. Darum werden Sie auch Mehrbereichsöle genannt.   

Das richtige Öl für Ihr Auto

Ein Mechnaniker sieht unter die Motorhaube eines Wagens.
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Welches Öl Ihr Auto braucht, hängt in erster Linie davon ab, ob es ein Benziner oder ein Diesel ist. Die Verbrennung des Kraftstoffes läuft beim Benziner in der Regel unter höheren Temperaturen ab. Weitere Faktoren sind die Größe des Motors, seine Leistung und das Material, aus dem er besteht. Aus all diesen Faktoren errechnen und testen die Konstrukteure die richtige Ölsorte. „Und nur die sollten Sie auch verwenden, egal, was der freie Markt anbietet“, empfiehlt Autoexperte Andreas Kessler. Er rät, sich in der Auswahl der Ölsorte strikt an die Anweisungen in der Betriebsanleitung Ihres Autos zu halten. Dabei ist es egal, von welcher Firma oder Marke Sie Ihr Öl kaufen. Wichtig sind die richtige Bezeichnung oder/und die Herstellerfreigabe. Letztere ist ein spezieller Code, der ebenfalls in der Betriebsanleitung steht und so auch auf der Ölverpackung zu finden sein muss. Er ist für jedes Auto extra ausgewiesen. Sollten Betriebsanleitung und Werkstattprofis mal nicht zur Hand sein, finden Sie die richtige Ölsorte auch über spezielle Ölportale im Netz.

Die verwirrenden Bezeichnungen

Um Öle international vertreiben und den richtigen Motoren zuordnen zu können, werden sie mit verschiedenen Kürzeln und Nummern gekennzeichnet. Fordert Ihr Autohersteller zum Beispiel die Verwendung eines Öls mit der Bezeichnung SAE 5W40, heißt das Folgendes: SAE (Society of Automotive Engineers) steht für die Viskositätsklasse. SAE 5W (Winter) ist eine besonders niedrige Klasse, der Motor ist also auch bei großer Kälte leichtgängig und springt so besser an. Die 40 hinter dem W besagt, dass der Motor bei einer Betriebstemperatur von 100°Celsius und darüber hinaus einen gleichbleibenden Schmierfilm garantiert.  SAE 5W40 bedeutet also: Motor springt auch bei Kälte gut an und läuft auch gut bei hohen Temperaturen.

Die Wechselintervalle

Wie oft das Öl gewechselt werden muss, schreibt der Hersteller vor. Bei älteren Modellen ist das meist nach 15.000 bis 20.000 Kilometer Laufleistung. Mit neuen Motoren und speziellen Longlife-Ölen reichen auch Intervalle von gut 30.000 und mehr Kilometern. Unser Autoexperte rät aber: „Je kürzer die Intervalle, umso besser ist das natürlich auch für Ihren Motor. Vor allem, wenn Sie oft Kurzstrecken fahren. Wird der Motor nicht richtig warm, lässt Ihr Öl in seinen Eigenschaften viel schneller nach.“ Halten Sie die Intervalle unbedingt ein. Jedes Öl verliert mit der Zeit seine Fähigkeiten und Eigenschaften. Außerdem verschmutzt es durch Abrieb und Rückstände. Und diese Verschmutzungen können dem Motor schaden.

Der Ölfilter

Zum Ölwechsel gehört der Wechsel es Ölfilters. Durch ihn wird das Öl permanent von Kleinstteilen und Schwebstoffen gesäubert. Ist der Filter voll, fließt das Öl über einen Bypass ungereinigt in den Motor. Das kann ihn beschädigen. Wechseln Sie also auch den Ölfilter regelmäßig!

Ölstand selbst messen und Öl wechseln

Ein Mann wischt einen Ölstab ab
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Sie können und sollten Ihren Ölstand regelmäßig selber prüfen. Manche Hersteller raten jede Woche dazu. Genaue Angaben finden Sie in der Betriebsanleitung Ihres Autos. Dort steht auch, wie Sie messen - entweder mit dem klassischen Messstab oder am Bordcomputer. Wichtig dabei: Das Auto muss wenigstens zehn Kilometer gefahren sein, damit sich das Öl ausdehnen kann. Dann sollten Auto oder Motorrad vor der Messung noch mindestens zwei Minuten im ausgeschalteten Zustand auf einer geraden Fläche stehen. Füllen Sie jetzt immer Öl bis zum maximalen Messpunkt nach. Verliert Ihr Fahrzeug überdurchschnittlich viel Öl, also mehr als einen Liter auf 1.000 Kilometer, dann müssen Sie dringend in die Werkstatt. Halten Sie sich beim Nachfüllen und Ölwechsel immer an die Vorgaben des Herstellers in Bezug auf Ölfilter, Ölsorte und vor allem die Ölmenge. Dazu Andreas Kessler: „Das müssen Sie unbedingt einhalten. Bei zu wenig Öl kann der Motor Schaden nehmen, weil wichtige Teile nicht geschmiert werden. Füllen Sie zu viel Öl auf, kann durch das Schlagen der Kurbelwelle sogenannter Ölschaum entstehen. Schaum ist kein Öl, kann also auch nicht schmieren - mit entsprechenden Folgen.“ Außerdem können durch einen Überdruck Dichtungen und andere Bauteile beschädigt werden. Haben Sie also mal zu viel Öl aufgefüllt, dann saugen Sie es entweder mit einer Pipette und einem Schlauch wieder ab oder Sie lassen es durch die Ablassschraube ab.

Kann man Öl mischen?

Für einen normalen Ölwechsel und beim Auffüllen sollten Sie immer die gleiche, empfohlene Ölsorte verwenden. Die Marke ist dabei egal. Ein 5W30 von Aral ist das gleiche Öl wie ein 5W30 von Castrol. „Sollten Sie einmal gar nichts anderes zur Hand haben und für die Kilometer bis zur Werkstatt oder nach Hause unbedingt Öl brauchen, dann ist irgendein Öl besser als gar keins. Das gilt aber wirklich nur für Notfälle“, sagt unser Experte.

Sprit sparen mit besserem Öl?

Je teurer das Öl, desto besser für ihr Auto? Das muss so nicht stimmen. Auch wenn bestimmte Hersteller damit werben, dass Sie mit ihren Additiven im Öl oder einer hochwertigeren Sorte Kraftstoff sparen, rät unser Experte davon ab: „Das stimmt meist nur theoretisch. Denn für Ihren speziellen Motor können dann wieder Eigenschaften fehlen, die das teure Öl nicht besitzt. In der Regel fahren Sie wirklich mit Ihrer speziellen Sorte am sparsamsten.“ Auch dem Öl irgendwelche Additive selbst zuzusetzen kann dem Motor mehr schaden als nutzen. Gehen Sie da kein Risiko ein.

Fazit

Egal, ob Sie selbst wechseln oder wechseln lassen: Halten Sie sich beim Öl, dem Filter und den Wechselintervallen für Ihr Fahrzeug immer genau an die Herstellerangaben.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 07. Mai 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2018, 13:35 Uhr