Umschau-Quicktipp | 04.07.2018 Was hilft gegen Mücken?

Alle Mücken lieben es warm und feucht. Vorteil für uns: Das Jahr 2018 war bis jetzt viel zu trocken. Vorteil für die Mücken: Wird es feuchter, kann eine Mückenpopulation explosionsartig wachsen. Sie kommen also so oder so über uns: In Wasserfässern, Gartenteichen, Seen und Pfützen vermehren sie sich bestens. 28 Mückenfamilien, also Oberarten, gibt es in Deutschland. Drei davon stechen zu:

Eine Mücke hat gestochen und sich voll mit Blut gesogen.
Stechmücke Bildrechte: IMAGO

Die Stechmücken, dabei vor allem die typischen sogenannten südlichen Hausmücken. Das sind die Plagegeister, die uns obendrein nachts den Schlaf rauben. Eine weitere Vertreterin dieser Familie ist auch immer häufiger in unseren Breiten zu finden: die Aedes Aegypty. Das sind Tropenmücken, die Gelbfieber, Dengue- und auch Zikafieber übertragen können.

Kriebelmücken auf einem Blatt
Kriebelmücken Bildrechte: imago

Die Kriebelmücken sehen ein bisschen wie Fliegen aus. Sie sind gern an Flussläufen zuhause, kriechen unter die Kleidung und stechen zu. Sie hinterlassen schlecht heilende große und stark juckende Wunden.

Die Gnitzen sind nur ein paar Millimeter groß und kriechen besonders in der Dämmerung gerne an den Haaransatz und stechen dort zu.

Die Mittel und ihre Wirkungen

Gnitze
Gnitze Bildrechte: imago

Gegen Kriebelmücke und Gnitzen gibt es weder chemische noch natürliche Wirkstoffe. Da hilft es nur, die Lebensräume zu meiden und die richtigen Sachen anzuziehen. Hüte mit Moskitonetzen sehen komisch aus, sind aber sehr effektiv.

Stechmücken hingegen lassen sich mit einer Vielzahl an Wirkstoffen bekämpfen. Die klassischen Anti-Mückenmittel werden auch Repellents genannt. Das kommt vom lateinischen "repellere", was so viel heißt wie vertreiben. Im aktuellsten Test von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2017 schützten Mückenmittel mit den synthetischen Wirkstoffen DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin sehr zuverlässig bis zu acht Stunden vor Stichen. Die Mücken können es schlicht und ergreifend nicht riechen.

Mittel, die ätherische Öle als Wirkstoffe enthalten, schneiden in Tests regelmäßig schlecht ab. Die Öle verdampfen einfach zu schnell von der Haut. Hautärztin Ina Schulze aus Markleeberg hat trotzdem eine Empfehlung: "Ich selber habe sehr gute Erfahrungen mit Nelkenöl gemacht. Da reichen schon wenige Tropfen am Handgelenk verrieben. Das muss aber nicht bei jedem gleichermaßen wirken."

Reizungen möglich

DEET, das in Mitteln wie "Anti Brumm Forte" oder "Nobite Hautspray" steckt, ist umstritten. Der Wirkstoff steht im Verdacht, Hautreizungen auszulösen oder sogar das Nervensystem zu schädigen. "Es sollte nicht zu lange in großen Mengen verwendet werden. Bei Reisen in die Tropen oder Subtropen können diese Mittel mit DEET trotz ihrer möglichen Nebenwirkungen auch gegen Stechmücken, die Malaria oder das Dengue-Fieber übertragen, schützen", erklärt Hautärztin Dr. Ina Schulze. Auch Mittel mit ätherischen Ölen können die Haut reizen.

Richtige Anwendung

Eine junge Frau sprüht sich den Arm mit einem Mückenschutzmittel ein.
Bildrechte: imago

Um eine zu große Belastung der Haut zu vermeiden, sollten Sie die Mittel, die meist als Pumpsprays angeboten werden, nur dann verwenden, wenn Sie sie wirklich brauchen. Verteilen Sie sie nur auf ungeschützte Körperpartien und halten Sie sich an die Mengenangabe des Herstellers. Vermeiden Sie den Kontakt mit empfindlichen Schleimhäuten, zum Beispiel an Augen und Nase. Die meisten Wirkstoffe sind wasserlöslich, weshalb sie nach dem Baden in Meer und See neu aufgetragen werden müssen. Vorteil: Sie können die Mittel nach dem Aufenthalt im Freien leicht wieder abwaschen.

Kinder und Erwachsene

Im Prinzip wirken bei Klein und Groß die gleichen Stoffe. Allerdings sollten Sie nicht immer die gleichen Produkte verwenden, wie Hautärztin Dr. Schulze rät: "Man sollte schon auf die Altersangaben der Hersteller achten, um Hautreizungen vorzubeugen. Das Präparat Mosquito classic enthält den Wirkstoff p-Menthan-3,8-diol und ist für Kinder ab einem Jahr geeignet. Der Wirkstoff wird aus dem Extrakt des Zitronen-Eukalyptusbaums gewonnen. Autan Junior Gel hat eine Zulassung für Kinder ab zwei Jahren und eine Wirkdauer von vier Stunden." Haben Sie gerade kein spezielles Repellent für Kinder zur Hand, können Sie auch mal Produkte für Erwachsene verwenden. Das sollte aber die Ausnahme sein. Sie müssen dabei auch darauf achten, die Augen, Mund und Nase ihres Kindes nicht mit zu behandeln, um Schleimhautreizungen zu vermeiden.

Das können Sie außerdem tun

Gerade in Gebieten mit großen Mückenpopulationen empfiehlt sich das Tragen von langer, heller und möglichst geschlossener Kleidung. Mücken können, anders als Zecken, auch durch Kleidung hindurchstechen. Deshalb tragen Sie möglichst weite Kleidung. Hüte mit Gesichtsschutz sind genau so wirkungsvoll, wie Moskitonetze für Bett oder Zelt. Außerdem rät unsere Expertin: "Verwenden Sie keine blumigen Parfums, duschen Sie abends kalt und versuchen Sie die Räume in denen Sie sich aufhalten, möglichst drei Grad unter die Außentemperatur zu kühlen. Mücken gehen in der Regel nicht vom Warmen ins Kalte."

Ob Sie das gern zitierte süße Blut haben oder nicht, ist den Mücken übrigens egal. Die orientieren sich bei ihrer Jagd am Körpergeruch, dem durch Ausatmen angestiegenen Kohlendioxidgehalt und Ihrer Körpertemperatur. Große, kühle dunkle Räume mögen die Plagegeister deshalb weniger.

Technik gegen Mücke

Mückenapps produzieren einen hohen Ton. Der soll den Flügelschlag einer männlichen Mücke simulieren und damit bereits befruchtete Weibchen vertreiben. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. UV-Licht-Fallen, in denen Insekten an einem elektrisch geladenen Gitternetz sterben sollen, weisen kaum Wirkung bei Mücken auf. Sie haben zudem den Nachteil, dass darin auch viele Nützlinge sterben können. Mückenpiepser wiederum schrecken die Blutsauger nicht ab, sondern locken sie eher noch an. "Auch Mückenarmbänder beruhigen zwar die Neven, weil man glaubt, man ist geschützt, bringen aber rein gar nichts", weiß unsere Expertin. Auch die meisten anderen Methoden bringen keinen spürbaren Erfolg, etwa Gartenfackeln, Kerzen und Öllampen auf Basis ätherischer Öle.

Wenn die Mücke zugestochen hat

Eine Frau kratzt sich am Arm.
Bildrechte: IMAGO

Gegen Mückenstiche hilft vor allem Kühlen und einen kühlen Kopf bewahren. "Kratzen Sie nicht, das reizt die Haut nur noch mehr. Spucke drauf und pusten hilft dagegen viel besser", so die Hautärztin. Spezielle Produkte wie Autan akut oder Fenistil wirken nur kurz. Hitzestifte, wie etwa Bite away Cobra haben einen deutlich besseren Effekt, wenn man kurz die rund 50 Grad Celsius Hitze aushält, mit der die eiweißhaltigen Wirkstoffe der Mücke unter der Haut zerstört werden.

Achtung: Erst durch das Kratzen gelangen Bakterien und Schmutzstoffe von der Haut in die Stichwunde und können dort Entzündungen verursachen. Im Normalfall sollte ein Mückenstich nach ein paar Stunden nicht mehr zu sehen sein. Ist die Stelle nach einem Tag deutlich rot oder/und geschwollen, gehen Sie zum Arzt.

Das Zika Virus

Mücke
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Das Zika Virus wird durch Mücken übertragen, die mittlerweile auch in unseren Breiten vorkommen. Die Gelbfiebermücke, Dengue Mücke oder Ägyptische Tigermücke sind alle Mitglieder der Aedes-Mückenfamilie und Überträger von Gelbfieber, Denque-Fieber und des Zika-Virus. Dieses Virus kann Schwangere gefährden. Im schlimmsten Fall bringen Infizierte behinderte Babys zur Welt. Über Ansteckung in Urlaubsgebieten wie Südamerika, gelangt das Virus auch vermehrt nach Europa. Sollten Sie einen Urlaub in tropischen und subtropischen Regionen planen, schützen Sie sich vor Stichen durch Repellents und andere Mittel und nehmen Sie auf Reisen immer ausrechend zuverlässige Mittel mit.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 04. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 09:12 Uhr