Umschau-Quicktipp | 13.02.2018 Nachbarschaftsstreit vermeiden

Wir Deutsche sind ein streitlustiges Völkchen. Besonders wenn es um unsere eigenen vier Wände geht. Da wollen wir Ruhe. Wird die durch den Nachbarn gestört, gibt es Zoff. Bis zu einer halben Million Nachbarschaftsklagen sollen deshalb jedes Jahr vor Gericht landen. Manchmal ahnt der Nachbar gar nicht, dass er stört oder nervt. Wie Sie bei Problemen richtig reagieren und welche Rechte Sie als Nachbar haben, das erfahren Sie jetzt.

Streitgründe

Wohnen ist in Deutschland teuer. Egal, ob eigenes Haus, Eigentumswohnung oder Mietwohnung, bis zu 30 Prozent des monatlichen Einkommens geben wir fürs Wohnen aus. Dafür wollen wir dann aber auch unsere Ruhe und Entspannung. Anders als in südlichen Ländern, wo Gäste oft und spontan willkommen sind, igelt sich der Deutsche gerne in seiner Ruheoase ein, genießt seinen Balkon oder seinen Garten. Da stören dann Lärm, Gestank, Müll, Kindergeschrei, Haustiere oder gar zu lauter Sex der Nachbarn besonders.

Nachbarschaftsstreit
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Genau in dieser Reihenfolge fühlen wir uns im Übrigen am meisten belästigt. Anders als im Strafrecht, wo Gerichte kleine Fälle als Bagatellfälle ablehnen können, müssen sich Richter im Zivilrecht auch mit Kleinigkeiten wie anstößigen Gartenzwergen des Nachbars abgeben. Über zwanzig Millionen Deutsche haben eine Rechtsschutzversicherung, die zahlt ja im Zweifel, denken viele. Dabei gibt es bessere Möglichkeiten, Ärger und Streit auszuräumen.

Reden statt Klagen

Nicht jeder neue Mieter oder Gartennachbar ist mit den Vorschriften und Gepflogenheiten in der Nachbarschaft vertraut. Oft ist es gar keine böse Absicht, wenn Abstände zu Zäunen oder Mauern, Ruhezeiten, Anzahl der Grillfeten oder ähnliches nicht eingehalten werden. Ärgern Sie sich in solchen Fällen nicht lange, sondern suchen Sie das Gespräch. Informieren Sie sich vorher über die konkrete Rechtslage. Weisen Sie den Nachbarn auf Ihre Bedürfnisse hin und versuchen Sie eine Lösung zu finden. Sollte das nicht klappen, bleiben Sie im Gespräch. Lassen Sie einen Konflikt nicht eskalieren. Denken Sie immer daran, Ihr Nachbar möchte im Prinzip genau so friedlich leben wie Sie. Gehen Sie gemeinsam zu einem Mediator, Vermittler oder Friedensrichter. Schiedsstellen gibt es in fast jeder Gemeinde. Ein Verfahren dort ist wesentlich kostengünstiger als bei Gericht. Erst, wenn sich gar nichts bewegt, sollten Sie den Gang zum Gericht erwägen. Ein Prozess kostet immer Zeit, Nerven und Geld.

Die häufigsten Streitpunkte

Lärm

Egal, ob Sie durch Rasenmähen, zu laute Musik oder Partylärm gestört werden, grundsätzlich gilt in Wohngegenden eine Ruhezeit zwischen 20.00 Uhr abends und 7.00 Uhr morgens. An Sonn- und Feiertagen müssen lautstarke Geräte durchweg schweigen. In manchen Gemeinden gilt zudem eine Mittagsruhe von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Das ist aber individuell geregelt. Die Party darf also höchstens bis 22.00 Uhr voller Inbrunst gefeiert werden. Danach muss es so leise sein, dass die Nachbarn sich in ihren Wänden nicht mehr gestört fühlen.

Gestank und Müll

Nicht jeder liebt den Geruch von glühender Holzkohle. Eine zünftige Grillparty können Sie dennoch feiern. Manche Gerichtsurteile erlauben bis zu 12 solcher Partys im Jahr, andere bis zu 25 Grillabende. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre Nachbarn gut 48 Stunden vorher informieren.

Rauchen in Mietwohnungen und auf dem Balkon kann Ihnen niemand verbieten, solange es im normalen Rahmen bleibt. Gestank durch einen Komposthaufen an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn muss der Nachbar akzeptieren, solange sich durch diesen Gestank keine Tiere wie Ratten oder Mäuse angezogen fühlen. Auch den Gestank aus Kamin und Kachelofen müssen Nachbarn ertragen. Wenn allerdings der Qualm aus dem Schornstein die Wäsche auf der Leine verschmutzt, dann müssen Sie das nicht akzeptieren.

Kindergeschrei

Lachen, Toben und auch mal Schreien von Kindern können Nachbarn nicht verbieten. Auch zu Ruhezeiten, also nachts zum Beispiel, kann ein Kind mal weinen oder schreien. Wichtig ist, dass es im Rahmen bleibt. Permanentes Getrampel aus der Wohnung obendrüber oder fortwährend lautes Geschrei müssen Nachbarn nicht akzeptieren. So mussten deswegen schon Kitas oder auch Tagesmütter die Kinderbetreuung in Wohngebieten beenden.

Haustiere

Hund
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Mietverträge regeln im Normalfall, ob Haustiere erlaubt sind. Begibt sich die Katze auf Tour durch den Nachbargarten, so muss das akzeptiert werden. Katzen sind natürlicherweise Streuner. Alle anderen Tiere müssen Sie nicht dulden - auch nicht deren Hinterlassenschaften. Auch gefährliche und giftige Tiere müssen Sie nicht automatisch in der unmittelbaren Nachbarschaft dulden. Will der Nachbar sich etwa eine Würge- oder Giftschlange anschaffen, so muss er das mit dem Vermieter abstimmen und die Gefahrtierverordnung seines Bundeslandes beachten. Dort wird so etwas geregelt. Hundegebell müssen Sie zusammengerechnet höchstens eine halbe Stunde am Tag ertragen. Dauerhaftes Bellen von über zehn Minuten müssen Sie ebenfalls nicht hinnehmen. Und während der den oben genannten Ruhezeiten haben Hundebesitzer dafür zu sorgen, dass die Tiere ruhig sind.

Nachbars Garten

Herüberhängende Äste von Nachbars Bäumen und Büschen dürfen Sie nicht einfach entfernen. Das geht nur dann, wenn die Äste Sie konkret behindern, zum Beispiel in der Einfahrt. Zunächst müssen Sie aber dem Nachbarn die Chance einräumen, die Äste selber zu verschneiden. Kommt er dem nicht in einer angemessenen Frist nach, dürfen Sie selber ran, dabei das Nachbargrundstück aber nicht betreten. Früchte, die über den Zaun in ihren Garten hängen, dürfen Sie nicht abnehmen, auch den Baum nicht schütteln.

Erst, wenn die Früchte runterfallen und auf Ihrem Grundstück liegen, gehören sie Ihnen. Ist der Nachbargarten verwildert, können Sie nichts dagegen unternehmen. Auch nicht, wenn er mit Ihrer Meinung nach unpassenden Zwergen, Tieren oder anderen Verzierungen bestückt ist. Wenn der Garten allerdings durch seinen Zustand Schädlinge wie Ratten usw. anlockt, können Sie dagegen vorgehen. Abstände und Größen von Bepflanzungen, Zäunen usw. sind in den Bundesländern individuell geregelt, manchmal sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Das Laub von Nachbars Bäumen müssen Sie aus Ihrem eigenen Garten selbst entfernen und dürfen es nicht über den Zaun schmeißen.

Fazit

Bevor ein Nachbarschaftskonflikt eskaliert, reden Sie miteinander. Gehen Sie auf Ihre Nachbarn zu und erklären Sie Ihr Problem. Kommen Sie dem Nachbarn nicht sofort mit Gesetzestexten und Anwaltsdrohungen. Das verstärkt oft nur den Streit. Kommen Sie zu zweit nicht klar, suchen Sie die Lösung bei einer Schiedsstelle oder einem Friedensrichter. Erst wenn gar nichts mehr hilft, sollten Sie rechtliche Mittel einlegen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 13. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 15:52 Uhr