Umschau-Quicktipp | 15.03.2019 Was tun bei Nackenschmerzen?

Ein Mann sitzt vor einem Laptop und hält sich vor Schmerzen den Nacken. 1 min
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Nackenschmerzen nerven! Zieht, drückt oder klemmt die Übergangsstelle von Kopf zu Körper, können wir uns schlecht konzentrieren, haben Probleme beim Bewegen und Entspannung geht dann erst recht nicht. Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung sollen ab und zu oder auch sehr häufig unter Nackenschmerzen leiden. Wir sagen, was Sie tun können, wenn es Sie erwischt und wann Sie unbedingt zum Arzt sollten.

Warum sollten Sie den Schmerz ernst nehmen?

Das Problem- und Behandlungsfeld der Nackenschmerzen ist riesengroß. Manche Arten sind absolut harmlos, bei anderen können wirklich ernsthafte Erkrankungen, wie etwa eine beginnen Querschnittslähmung dahinterstecken. Manche Symptome haben psychische Ursachen, andere sind rein körperlicher Art. Entsprechend unterschiedlich müssen die Beschwerden behandelt werden. Deshalb ist es für Sie wichtig, abzuklären, welche Art von Nackenschmerzen bei Ihnen vorliegt. Danach richtet sich die notwendige Behandlung. Wichtig: Nicht oder falsch behandelte Nackenschmerzen können sich unter Umständen verselbstständigen und ein dauerhaftes, ernstes Problem werden.

Was ist was?

Manche trifft es wirklich plötzlich, der Hals wird steif und schmerzt. In diesem Fall sprechen Mediziner von akuten Nackenschmerzen. Die können bis zu drei Wochen anhalten und auch nach einer Schmerzpause nochmal wiederkehren. Sie sind in der Regel harmlos, aber es gibt Ausnahmen. Das bedeutet für Sie: Schmerzt plötzlich der Nacken, klären Sie ab, ob Sie noch weitere Symptome haben. Das können etwa Taubheit in den Fingern oder Füßen, Übelkeit oder auch Sehstörungen sein. Ist das nicht der Fall, klingen die akuten Schmerzen in der Regel nach ein paar Tagen oder Wochen wieder ab. Dauern die Schmerzen länger als 12 Wochen, spricht man von chronischen Schmerzen. Die müssen Sie in jedem Fall behandeln, auch wenn nicht unbedingt eine ernste Ursache dahinter stecken muss. Wichtig ist auch, herauszufinden, ob ihre Schmerzen körperliche Ursachen haben oder eventuell eine psychische Belastungsstörung dahinter steckt. Deshalb: Wenn Sie nicht sicher sind, woher Ihre Schmerzen kommen, klären Sie es frühzeitig mit Ihrem Arzt ab.

Was löst die Schmerzen aus?

Unser Nacken ist ein komplexes, äußerst bewegliches Gebilde aus Muskeln, Nervenbahnen, Sehnen und dem Fasziengewebe. Angeschlossen sind der für die Größe des Halses verhältnismäßig schwere Kopf, der Rumpf und die Schultern. Enorm viele Möglichkeiten also, sich falsch zu belasten, zu verzerren und zu verletzen. So kann es schon ausreichen, wenn Sie nachts nur falsch und verdreht liegen. Dabei können Nerven gedrückt werden, was zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen führen kann und eben zu Schmerzen im Nacken. Viel häufiger sind aber Haltungsfehler Ursache für die Schmerzen. Sitzen Sie falsch oder zu lange vor dem Computer, schauen Sie viel und im falschen Winkel auf Handy oder Tablet oder haben Sie gar die falschen Schuhe an. Das und andere Fehlhaltungen mehr können bewirken, dass sich die Nackenmuskeln verspannen. Auch Kälte oder dauerhafter Luftzug können derart negativ auf die Muskeln wirken. Sie werden nicht mehr richtig durchblutet, verkrampfen und schmerzen. Gleiches gilt für das Fasziengewebe, das die Muskulatur umgibt, auch dort kann es durch Fehlhaltungen zu Verklebungen und einer Unterversorgung kommen. Auch ein sogenanntes Schleudertrauma, etwa nach einem Autounfall, kann heftige Schmerzen verursachen. Hier werden die Muskeln in der Regel stark gezerrt. Das kann oft auch erst Tage später zu einer Schmerzreaktion führen.

Weiterhin können psychische Belastungen wie Stress, Trauer oder eine Depression im Endeffekt zu Nackenschmerzen führen. Nicht zuletzt sind Verschleißerscheinungen an Bandscheiben, Knorpeln oder eine Arthrose Ursache für Schmerzen. Und auch eine Muskelentzündung kann für Schmerzen verantwortlich sein. Infektionen, Rheuma und auch ein Tumor im Nervenbereich sind selten aber möglich. Wichtig: Oft ist Ihr Nackenbereich schon lange belastet, es reicht dann nur ein kleiner Auslöser, wie eine kurzzeitige Fehlhaltung oder eine kleine Zerrung und es schmerzt. Dann ist es wichtig, dass Sie die wirkliche Ursache abklären, vor allem dann, wenn die Schmerzen länger anhalten.   

Warum müssen Sie den Schmerzkreis durchbrechen?

Bei akuten Nackenschmerzen sollten Sie mit einer Behandlung nicht lange warten. Das gilt übrigens auch für viele andere Schmerzbeschwerden. Ansonsten kann es sein, dass der Körper ein Schmerzgedächtnis aufbaut und aktiviert. Dabei werden besonders bei sehr heftigen Schmerzen Verknüpfungen im Gehirn gebildet, die auch dann noch Schmerzsignale aussenden können, wenn das eigentliche Problem längst verschwunden ist.

Was können Sie selber tun?

Nackenschmerzen
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Akute Nackenschmerzen können Sie zunächst selbst mit Schmerzmitteln behandeln, wenn Sie die gut vertragen. Auch Schmerzsalben können Sie für kurze Zeit ohne ärztlichen Rat verwenden. Wärme durch eine  Infrarot-Lampe, Nackenpflaster oder auch ein Kirschkernkissen kann schmerzhaften Verspannungen lindern. Darüber hinaus können Entspannungsübungen, Yoga oder Feldkrais dazu beitragen, die Muskeln und das umliegende Gewebe zu lockern und zu entlasten. Ruhe und Stressabbau sind ebenfalls wichtig. Auf jeden Fall sollten Sie sich, wenn möglich weiter bewegen und nicht in eine Schonhaltung verfallen. Die verspannten Muskeln verziehen sich sonst unter Umständen immer weiter. Das kann bis zu einem sogenannten Schiefhals führen, bei dem der Kopf dann tatsächlich mehrere Zentimeter aus der Achse heraus steht.

Wann müssen Sie zum Arzt

Dauern die Schmerzen länger als drei Tage oder kehren immer wieder, sollten Sie zum Arzt gehen. Er kann entscheiden, ob und wie lange Medikamente genommen werden sollten oder ob zum Beispiel eine Physiotherapie helfen kann. Wichtig ist auch zu klären, ob hinter den Beschwerden eine Verspannung oder eine Entzündung steckt. Das eine wird mit Wärme behandelt, das andere unter Umständen mit Kälte. Bei unklaren Ursachen wird der Hausarzt Sie zum Orthopäden und/oder Neurologen überweisen. Steckt hinter den Beschwerden nämlich zum Beispiel ein eingeklemmter Nerv oder ein verletzter Wirbel, drohen unbehandelt im schlimmsten Fall Lähmungserscheinungen. Stecken psychische Probleme hinter Ihren Schmerzen, kann der Arzt Sie an einen Psychotherapeuten oder Psychiater verweisen. Achtung: In seltenen Fällen können akute und starke Schmerzen im Nacken auch auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hindeuten. Zögern Sie bei solch plötzlichen und sehr starken Beschwerden nicht und rufen Sie umgehend den Notarzt über die 112.

Vorbeugen und Heilen

Alle Dinge, die Stress und Anspannung vermeiden, tun dem Nacken gut. Wichtig ist Bewegung, richtiges Gehen und Sitzen und auch die richtige Brille. Denn auch angespanntes Schauen mit zusammengekniffenen Augen kann Schmerzen  verursachen. Dosieren Sie körperliche und seelische Belastungen. Sorgen Sie für Dehn- und Streckpausen während der Arbeit und allgemein für eine möglichst große Beweglichkeit. Schützen Sie Ihren Nacken vor Kälte und Feuchtigkeit und vor extremen Bewegungen. Und sorgen Sie dafür, dass Ihnen auch seelisch nicht zu viel im Nacken sitzt. Denn  auch das kann Schmerzen auslösen. Haben Sie das Gefühl, dass der Nacken durch eine ungünstige Schlafposition verspannt ist, könnte ein Nackenkissen helfen. Es sorgt dafür, dass der Kopf beim Schlafen richtig liegt und die Muskulatur entspannen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 15. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 09:49 Uhr