Umschau-Quicktipp | 06.08.2018 Pflanzen natürlich vor Schädlingen schützen

Ein Buchsbaum wird mit einem selbstgebauten Plastebestäuber bestäubt. In der Flasche ist Urgesteinsmehl.
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Ein Garten macht Arbeit. Egal, ob Sie sich an Rosensträuchern und Lilien erfreuen oder die Familie mit Obst und Gemüse versorgen wollen: Sobald Sie auch nur die Hacke angefasst und das erste Samenkorn in die Reihe gelegt haben, sind Sie nicht mehr allein. Hunderte sogenannte Schädlinge machen Ihnen und den Pflanzen das Leben schwer. Wie Sie dagegen am besten und vor allem umweltfreundlich vorgehen, klären wir jetzt. 

Was sind Schädlinge?

Pflanzenschädlinge sind Lebewesen, die sich von der Nutz- oder Zierpflanze ernähren oder sie zur Vermehrung benutzen. Dabei schädigen Sie die Pflanze und/oder deren Blüten und Früchte oft nachhaltig. Von kleinsten Bakterien und Viren über Würmer und Läuse bis hin zu Schnecken und  Wühlmäusen gibt es viele Größen und Arten. Zwei Grundsätzliche Gruppen lassen sich unterscheiden: Die einen leben im Boden und schädigen die Pflanze an den Wurzeln. Schwierig, weil sie oft erst spät erkannt werden. Dann nämlich, wenn die Pflanze schon starke Mangelerscheinungen zeigt, weil sie keine Nährstoffe mehr aufnehmen kann. Die oberirdisch aktiven Schädlinge saugen entweder die Pflanzensäfte aus, wie zum Beispiel Läuse und Milben. Andere Fressen die Pflanze regelrecht kahl. Blätter, Stängel und Blüten werden für sie zur Nahrung. Vorteil: Der Befall lässt sich schneller erkennen und bekämpfen.

Die schlimmsten Schädlinge

Blattläuse bevölkern einen Stängel.
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Insekten sind die mit Abstand größte Schädlingsgruppe. Sie fallen oft nur bestimmte Pflanzen an und da auch meist spezielle Teile. Sie können sich explosionsartig vermehren und nutzen dabei ihre Wirtspflanze gleich noch als Kinderstube. Blattläuse etwa können so in wenigen Tagen Obststräucher wie Johannisbeere oder Stachelbeere massiv schädigen. Andere Insekten fallen plötzlich in Schwärmen oder Kolonien ein und vernichten in kurzer Zeit große Bestände. Manche Schädlinge vernichten die Pflanze komplett, andere schädigen sie nur. Dabei werden den Pflanzen aber Wunden zugefügt, die dann Eintrittsstellen für Viren, Bakterien und Pilze sind. An denen erkranken Pflanzen wie zum Beispiel Obstbäume auch mal langfristig. Als Gärtner/in bekommen Sie solche Krankheiten dann oft nur schwer und mit viel Mühe in den Griff.    

Wichtigster Schutz: Wissen

Um Ihre Pflanzen optimal und möglichst natürlich vor Schädlingen zu schützen, müssen Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Stammen die Fraßspuren am Salat von Schnecken oder sind es Käfer? Gehen Ihre Stangenbohnen ein, weil die Wühlmaus an der Wurzel nagt, oder sind die Ameisen und Ihre Freunde die Läuse schuld? Wie leben und vermehren sich Schädlinge, was brauchen sie, um zu überleben. Je besser Sie die Eigenarten der Schädlinge kennen, umso besser können Sie ihre Pflanzen davor schützen. Gartenbücher können dabei enorm helfen. Besser aber noch der Rat eines erfahrenen Nachbarn. Der weiß oft genau, welche natürlichen Mittel in Ihrer Region helfen. Denn: Vegetation, Reifezeit und Anfälligkeit für Schädlinge können schon in einem Bundesland sehr unterschiedlich sein. Anders gesagt: In der Lausitz fühlen sich unter Umständen andere Blattläuse wohl als im Vogtland. Und sie müssen eventuell auch unterschiedlich bekämpft werden. Alle Erfahrungen die Sie machen, notieren Sie sich am besten. So wissen Sie in den folgenden Gartenjahren sehr schnell, was bei Ihren Pflanzen geholfen hat und was nicht. 

Gesunde Pflanzen

Gerade vor Pilzen, Viren und Bakterien ist eine gesunde Pflanze der beste Schutz. Sind Rinden, Blätter oder Stängel nicht beschädigt, dringen die kleinsten Schädlinge nicht so leicht ein. Eine gesunde Pflanze kann aber auch einen Befall von Läusen oder den Angriff einer Wühlmaus besser ertragen, weil sie kräftig genug ist, schnell neue Nährstoffe aufzunehmen und Abwehrstoffe zu bilden. Achten Sie also beim Kauf immer auf gesunde Pflanzen, am besten nicht aus der Massenproduktion. Gießen und düngen Sie ihre Pflanzen so, wie sie es braucht. Und härten Sie ihre Pflanzen gerne auch mal ab. Es klingt komisch aber: Sie können Ihre Pflanzen tatsächlich verhätscheln. Ein Beispiel:  Wer seine Freilandtomaten täglich zweimal gießt, am besten noch in einen Pflanztopf direkt an der Pflanze, zieht sich ein Weichei. Tomaten können bis zu zwei Meter tief wurzeln und finden ihr Wasser. Sie sind stabil genug, um auch mal einen heißen Tag selbst zu überstehen und nicht gleich welk und anfällig für Fäule zu werden. Pflanzen die ständig gegossen werden, bilden keine tiefen Wurzeln und haben dann bei großer Hitze entsprechende Problem.

Die richtige Mischung

Monokultur ist nie gut für Pflanzen und Tiere. Viele Pflanzen hinterlassen im Boden natürlichen Dünger aber zum Teil auch Schadstoffe, Pilze und Bakterien. Bauen Sie im folgenden Jahr an der gleichen Stelle die gleichen Gemüsesorten an, kann es sein, dass die Jungpflanzen sofort mit eben diesen Kleinstschädlingen zu tun bekommen. Manche Pflanzen ziehen viele Nährstoffe aus dem Boden, sie laugen ihn regelrecht aus. Säen Sie solche sogenannten Starkzehrer immer wieder auf der gleichen Stelle, wachsen sie immer schlechter und sind anfällig. Informieren Sie sich deshalb vor Aussaat und Anpflanzung über die sogenannte Pflanz- oder Fruchtfolge. Gerade Gemüsepflanzen können sich bei der richtigen Mischung auch gegenseitig vor ihren Fressfeinden schützen. Sie bilden Gase, Bitter- und Duftstoffe, die abstoßend auf Schädlinge wirken. In Fachbüchern gibt es Tabellen und Informationen, welche Pflanzen nebeneinander besonders gut gedeihen. 

Nützlinge vs. Schädlinge

Zu fast jedem Schädling gibt es einen Nützling. Der frisst den Schädling und bekämpft ihn so auf natürliche Weise. Je bunter also Ihr Garten gestaltet ist, desto besser die Chancen auf ein Gleichgewicht. Wenn Sie es optimal anstellen, haben Sie in altem Holz oder hinter einer Wandverkleidung genug Marienkäfer leben. Die freuen sich über Blattläuse und halten Ihre Stachelbeerbäumchen sauber. Igel, Kröten und Spitzmäuse machen Jagd auf Larven, Insekten und Würmer, die ihre Pflanzen schädigen können. Auch viele Vögel helfen Ihnen bei der Bekämpfung von Läusen und kleinen Fliegen. Schaffen Sie für diese Nützlinge eine naturnahe Umgebung mit Brut- und Unterschlupfmöglichkeiten, regelt sich vieles in ihrem Garten von selbst. Oft merken Sie dann gar nicht, wie die Nützlinge Ihnen die Schädlinge vom Leib halten.

Natürliche Hausmittel

Milch wird in ein Glas geschüttet
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Es gibt unzählige Mixturen, Sude und Brühen, die Ihre Pflanzen stärken und/oder direkt gegen Schädlinge eingesetzt werden können. Verdünnte Milch soll gegen Blattläuse und vor allem den echten Mehltau auf Tomaten– und Weinblättern helfen. Rhabarberblättertee soll Ihre Gemüse- und Zierpflanzen stärken und gegen Blattläuse stabiler machen. Eine Brühe aus gekochter Waschnuss soll gegen Blattläuse helfen. Stinkende Ansätze aus Brennesseln oder Ackerschachtelhalm sollen ebenfalls gegen Läuse und Fliegen schützen. Wie gut das funktioniert, müssen Sie selbst Stück für Stück ausprobieren und am besten für die nächsten Gartenjahre aufschreiben.    

Mechanische Hilfen

Gegen den beliebtesten Gartenfeind, die Nacktschnecke, gibt es viele Mittel. Auch hier müssen Sie ausprobieren, ob Ihnen ein Schneckenzaun aus dem Baumarkt besser hilft, als eine Bierfalle. Kupferbänder sollen ebenso wirksam sein, wie ein etwa 15 Zentimeter breiter Streifen aus Schafwolle. Über beides kommen Schnecken nicht drüber. Probieren Sie neue Dinge aus: Pflanzen Sie Ihre Zucchini doch mal in ein Steinbeet. Trockener Kartoffelkies ist für Schnecken kein idealer Ort zum kriechen. Gegen andere Schädlinge wie zum Beispiel Fliegen oder Blattläuse gibt es Klebefallen, Leimringe und ähnliches. Richtig angewendet können diese Produkte gut schützen. Gegen Kartoffelkäfer hilft immer noch das gute alte Ablesen am besten. Da machen auch Kinder in der Regel gerne mit. Auch Netze und andere Abdeckungen können Schädling von ihren Pflanzen effektiv fernhalten.

Viel Arbeit

Ein guter Gärtner schaut täglich nach seinen Pflanzen. Dabei müssen Sie nicht immer gießen. Sie entdecken aber Schädlinge, können Pflanzen verschneiden, ihnen Luft und Licht geben und befallene Teile entfernen. Das ist wichtig, damit sich Schädlinge nicht ausbreiten. Wichtig: Gerade von Pilzen, Läusen und Bakterien befallenen Teile dürfen nicht auf dem Komposthaufen entsorgt werden. Sie gehören ins Feuer oder die Mülltonne. 

Der Biobauer

Haben Sie einen wirklich guten Biobauern in der Nähe, besuchen Sie ihn. Er hat bei Blumen und Gemüse die gleichen Probleme. Und er ist darauf angewiesen, sie auf natürliche Weise in den Griff zu kriegen. Wer mehrere Hektar Zucchinipflanzen oder gar Blumenkohl auf biologische Art frei von Schädlingen halten kann, der hat sicher gute Tipps für Sie parat.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 06. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2018, 10:09 Uhr