Umschau-Quicktipp | 08.04.2019 So bekommt man einen schönen Rasen

Gerade im brütend heißen Sommer 2018 klagten viele Gärtner über verbrannten Rasen. Vielerorts musste neuer Rasen angelegt oder ausgebessert werden. Angebote an Rasensamen gibt es reichlich. Ganz aktuell hat die Stiftung Warentest das erste Mal überhaupt Rasensamen und Ihre Qualität untersucht. 

Der Rasensamen an sich

Rasensamen, der im Handel erhältlich ist, besteht in der Regel immer aus Mischungen verschiedener Gräsersorten. Je nachdem, welchen Ansprüchen der Rasen später genügen soll, werden Sorten wie Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Gewöhnlicher Rotschwingel und weitere gemischt. Nur eine einzelne Grassorte auszusähen, empfiehlt sich nicht, da so ein "Mono-Rasen" viel anfälliger für Pilze oder Fressschädlinge ist. Außerdem kommt eine Mischung besser mit wechselnden Witterungsverhältnissen zurecht.

Neu- oder Nachsaat?

Spärlich wachsender Rasen
Bildrechte: imago/Waldmüller

Haben Sie in Ihrer schon vorhandenen Rasenfläche ein paar Löcher oder lichte und vertrocknete Stellen, dann können Sie zum Ausbessern speziellen Nachsaat-Samen kaufen. Der unterscheidet sich preislich nicht von anderen Mischungen, enthält aber oft spezielle Keimbeschleuniger. Diese Zusätze werden unter anderem aus Algen gewonnen und bewirken eine schnellere Keimung und mehr erfolgreich gekeimte Samen.

Wird die Fläche, die Sie begrünen wollen, größer als ein paar wenige Quadratmeter und vor allem zusammenhängend, greifen Sie besser zu einer Samenmischung für die  Neuaussaat. Die Mischung der positiven Eigenschaften einzelner Sorten sorgt hier für mehr Stabilität des Rasens auf der großen Fläche.

Die richtige Sorte

Die Wahl der richtigen Sorte richtet sich nach der von Ihnen gewünschten Nutzung:

  • Gebrauchs- und Spielrasen (auch Spiel- oder Universalrasen): Die Mischung muss alle alltäglichen Aktivitäten vom Spielen über die Grillparty bis hin zum gelegentlichen Zelten aushalten. Es handelt sich also um einen strapazierfähigen und vor allem trittfesten Rasen.
  • Schattenrasen: Wenn Rasenflächen im Schatten von Büschen oder Bäumen oder auch Hauswänden gedeihen sollen, dann greifen Sie am besten zu diesen Mischungen. Lassen Sie sich bei ganz speziellen Schattenlagen im Fachhandel beraten, mitunter ist noch ein spezieller Dünger gegen Übersäuerung nötig.
  • Rasen für Trockenflächen: vertragen lange Dürreperioden und eine  hohe Sonneneinstrahlungen.
  • Zierrasen: soll letztendlich dem englischen Rasen sehr nahekommen. Die Mischungen enthalten Gräser mit besonders ausgeprägten und grünen Blättern für einen sehr dichten satten Wuchs. Sie können solche Mischungen gut in kleinen Bereichen wie einem Vorgarten einsetzen. Achtung: Zierrasen können begangen werden, sind aber nicht für eine Dauerbelastung durch Sport und Spiel geeignet.
  • Robotermäher-Mischungen: sind für die tägliche Maht gedacht. Sie werden durch das abgeschnittene Gras gedüngt und sind sehr ansehnlich, jedoch empfindlicher als Sport- und Universalrasen. 

Suchen Sie einen Rasen, der sich für viele unterschiedliche Flächen und Gegebenheiten eignet, greifen Sie am besten zur robusten Sport- und Universalvariante.

Wie Sie die Rasensamen-Qualität erkennen

Gartenarbeit
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Guter Rasensamen muss nicht teuer sein. Vielmehr kommt es auf die richtige Sorten-Mischung an. Lassen Sie sich als Kunde nicht von Aufdrucken wie "Premium-Mischung" oder "Qualitäts-Rasen" beeindrucken. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, welche Kriterien für solche Bezeichnungen erfüllt werden müssen. Orientieren Sie sich deshalb am Aufdruck RSM-Qualität. RSM steht für Regel-Saatgut-Mischung und ist eine Richtlinie zum Mischverhältnis von Saatgut im Garten- und Landschaftsbau. Acht verschiedene RSM-Standards gibt es: RSM-1 steht beispielsweise für Zierrasen, RSM-3 für Spielrasen oder RSM-5 für Parkplatzrasen. Die Standards werden von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. definiert. Achtung: No-Name-Produkte oder Billig-Samen aus dem Internet enthalten oft Gräsersamen für Viehfutter. Diese wachsen sehr schnell hoch, was den Gärtner zunächst freut. Sie verdrängen allerdings andere Sorten und es können Stellen entstehen, die von Wildkräutern bzw. Unkraut besetzt werden. Außerdem sind solche Mischungen nicht besonders resistent.   

Der Test

In einem aktuellen Test hat die Stiftung Warentest 41 Samenmischungen untersuchen lassen. Dabei kam es vor allem auf die richtigen Mischungsverhältnisse, die Qualität der eingesetzten Gräsersorten und den Nachweis über die Eignung der jeweiligen Sorte an. Insgesamt wurden nur 20 Mischungen als geeignet eingestuft. Im Spiel- und Universalrasenbereich wurden acht Sorten, unter anderem der Compo Rasensamen Spiel&Sport für 1,50 Euro pro 10 Quadratmeter und der Spiel- und Sportrasen von Dehner für 3,60 Euro, als geeignet eingestuft. Achtung: Unter den acht geeigneten Sorten gibt es schon Produkte ab 1,50  Euro pro 10 Quadratmeter. Beim Schattenrasen wurden nur der Schattenrasen von Dehner für 5 Euro pro 10 qm sowie der Schatten & Sonne Premium-Rasen von Wolf Garten für 6 Euro als geeignet eingestuft.

Für Trockenbereiche sah die Stiftung unter anderem den Sunny Green-Rasen für trockene Standorte (4,45 Euro pro 10 qm) und den Kölle's Beste Trocken-Rasen von Pflanzen Kölle (4,65 Euro pro 10 qm) als geeignet an. Zur Nachsaat eigneten sich den Testern nach ganze sechs Sorten, darunter die Power Nachsaat von Toom für 2,27 Euro pro 10 Quadratmeter und der Nachsaat-Rasen von Compo Saat für 4,20 Euro pro 10 Quadratmeter. Grundsätzlich waren bei der Untersuchung die wenig geeigneten Sorten eher im Baumarkt und die geeigneten Sorten eher im Gartenfachmarkt zu finden. Es gibt aber bei allen Händlern starke und schwache Mischungen. Am Preis lässt sich die Qualität nicht immer festmachen. Auch Discounter haben mitunter Angebote mit RSM-Siegel. 

Aussaat und Pflege

Bevor Sie eine Rasenfläche neu anlegen, prüfen Sie den Boden auf seine Beschaffenheit. Feste Flächen müssen aufgelockert und eventuell mit Sand gemischt werden. So steht dort später nicht das Wasser und ertränkt die Samen. Lassen Sie sich zur Bestimmung des Nährstoffgehaltes des Bodens am besten in einem Fachmarkt beraten. Halten Sie sich bei der Rasenmenge, die Sie pro Quadratmeter säen, an die Hinweise der Hersteller. Sie können entweder mit Hand oder einem Aussaatwagen (gibt es im Fachhandel zu leihen) sähen. Der beste Zeitpunkt zur Neuaussaat ist April bis Mai. Der Boden braucht nämlich eine durchgängige Temperatur von mindestens acht Grad. Zu heiß sollte es nicht sein, da der Samen am Anfang viel Feuchtigkeit und möglichst gleichmäßige Bedingungen braucht. So gesehen können Sie es auch im milden Spätsommer bis Frühherbst versuchen. Lassen Sie sich beim Feuchthalten und Warten nicht entmutigen: Guter Samen braucht mindestens sieben bis zum Teil zwanzig Tage, ehe er keimt. Nachsäen können Sie das ganze Jahr über, am besten unmittelbar nach dem Rasenmähen. Neben regelmäßigem Mähen sollte der Rasen auch drei- bis viermal im Jahr gedüngt werden. Ausnahme: Sie lassen den Grasschnitt liegen und mulchen somit Ihren Rasen. Das unterdrückt zum Teil das Unkraut, liefert dem Rasen aber vor allem wichtige Nährstoffe zurück.

Fazit

Gute Rasenmischungen müssen nicht teuer sein. Kaufen Sie eine Mischung, die für Ihre Ansprüche geeignet ist. Achten Sie auf das RSM-Zeichen! No-Name und Billig-Mischungen verderben Ihnen nach kurzer Zeit den Spaß. Lassen Sie sich beim Kauf nicht von vielversprechenden Namen beeindrucken. Bezeichnungen wie etwa  Berliner-Tiergarten-Rasen oder Englischer-Rasen sind nicht gesetzlich geschützt. In solchen Packungen könnten auch minderwertige Mischungen drinstecken.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 08. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 08:47 Uhr

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