Umschau-Quicktipp | 10.01.2019 Für wen lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?

"Das klären wir über den Anwalt!" Das ist leicht gesagt, und auch der Rechtsbeistand ist problemlos zu finden. Tatsächlich streiten sich mehr als die Hälfte aller Deutschen einmal im Leben vor Gericht. In der Hauptsache geht es dabei um Kaufverträge, schlecht ausgeführte Reparaturen und Streit im Arbeits- und Verkehrsrecht. Schnell kann so ein Rechtstreit mehrere tausend Euro kosten. Wir haben gefragt, ob eine Rechtschutzversicherung das finanzielle Risiko tatsächlich reduzieren kann und welche Verträge Sinn machen.

 Was kann die Rechtschutzversicherung?

Eine Versicherung bietet Ihnen gerade bei einem kleinen finanziellen Spielraum überhaupt erst die Möglichkeit, einen Rechtstreit anzugehen. Sie bezahlt die Gebühren für Rechtsanwalt und Gericht, die Entschädigung der Zeugen. Müssen Sachverständige befragt werden, dann deckt die Versicherung auch deren Kosten. Sollten Sie einen Rechtstreit verlieren, werden zudem die Anwaltskosten der Gegenseite übernommen. Die Höhe der Leistungen ist dabei meist im Vertrag begrenzt, sie liegt im Normalfall bei 250.000 bis 300.000 Euro. 

Ist eine Rechtschutzversicherung für Sie sinnvoll?

Das kommt ganz auf Ihre persönliche Situation an. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie aktiv im (Berufs-)leben stehen, wenn Sie, zum Beispiel als Berufspendler, viel im Straßenverkehr unterwegs sind und auch als Mieter eines Hauses oder Wohnung relativ hohe Kosten haben, lohnt sich der Abschluss einer speziellen Versicherung. Das gilt besonders dann, wenn Sie mit einem hohen Streitwert rechnen müssten. Denn daran bemessen sich am Ende die Kosten für Gericht und Anwälte.

Welche Versicherung brauchen Sie?

  • Verkehrsrechtsschutz

Eine Frau schaut ihr Auto an, das gerade mit einem anderen zusammengestoßen ist.
Bildrechte: IMAGO

Wenn Sie mit Auto und Motorrad unterwegs sind, macht so eine Versicherung in jedem Fall Sinn. Dazu Versicherungsexpertin Bianca Boss vom Bund der Versicherten: "Der Verkehrsrechtsschutz kommt zum Beispiel zum Tragen, wenn Sie nach einem Unfall Schadenersatz fordern möchten. Aber auch wenn es wegen einer Reparatur Zoff mit der Werkstatt gibt oder Sie sich wegen eines Verkehrsverstoßes mit den Behörden streiten." Versichern Sie sich auch, wenn Sie "nur" Fahrer und nicht Besitzer eines Fahrzeugs sind.

  • Eigentümer- und Mietrechtsschutz

Gibt es Mängel in der Wohnung oder kommt es anderweitig zum Streit mit dem Vermieter, dann sind Sie mit dieser Versicherung gut beraten. Gleiches gilt für Streit mit dem Nachbarn oder Fragen des Erbbaurechts und bei Steuerstreitigkeiten mit Ihrer Gemeinde.

  • Privat- und Berufsrechtsschutz für Nichtselbstständige

Die Versicherung hilft Ihnen bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber. Aber auch bei privaten Kaufverträgen, Versicherungsverträgen, Steuerstreitigkeiten und anderen Problemen im Alltag kann so ein Vertrag sinnvoll sein.

  • Privat- und Berufsrechtsschutz für Selbständige

Deckt die gleichen Problemfelder wie bei Angestellten ab, zusätzlich gibt es auf Wunsch auch eine Absicherung der Risiken aus der selbständigen Tätigkeit. Auch bei zu erwartenden Konflikten mit Kranken– oder Berufsunfähigkeitsversicherungen ist eine Rechtschutzversicherung sinnvoll. Das gilt besonders für Selbständige, die ohne entsprechende Zahlungen schnell in finanzielle Probleme geraten können. 

Wartezeiten beachten!

Bei den meisten Versicherungsverträgen müssen Sie drei Monate warten, ehe Sie die Leistungen in Anspruch nehmen können, manchmal sogar sechs Monate. Wichtig: In den meisten Fällen darf das Problem, gegen das Sie rechtlich vorgehen, bei Vertragsabschluss noch nicht existieren. Heißt, erst nach Ablauf der Wartezeit darf der Rechtsstreit eintreten. Sind Sie also seit fünf Jahren Mieter und haben erst seit einem Jahr die Versicherung und es kommt jetzt zum Streit, dessen Ursache vor dem Versicherungsabschluss liegt, dann kann es passieren, dass die Versicherung sich dafür nicht zuständig fühlt. Wichtig deshalb: Fragen Sie den Versicherer, ob er Sie nach der Folge-Ereignis-Theorie versichert. Das kostet in der Regel etwas mehr, aber nur dann sind Sie auf der sicheren Seite. Ausnahme: Beim Verkehrsrechtschutz greift die Versicherung in der Regel sofort.

Was kann die Rechtschutzversicherung nicht?

Eine private Rechtsschutzversicherung gibt Ihnen keinen Freibrief für alle Lebenslagen. In der Regel bekommen Sie für folgende Situationen keinen oder nur eingeschränkten Rechtsschutz:

  • Verwaltungsrecht
  • Sozialrecht
  • Unterhaltsansprüche, hier gibt es oft nur eine Erstberatung und einen Teil der Kosten erstattet.
  • Ehestreitigkeiten; Es gibt nur eine Versicherung in Deutschland, die Sie auf diesem Feld vollständig vertritt. Bei allen anderen bekommen Sie in der Regel eine Erstberatung und nur einen geringen Teil Ihrer Kosten erstattet.      

Eine für Alle?

Mit einer privaten Rechtschutzpolice können Sie alle Familienmitglieder mitversichern.  Hier lohnt es sich, die Angebote der Versicherer genau zu vergleichen und Ihre eigene Situation genau zu beleuchten. Oft sind Kombipakete mit Verkehrsrecht, Berufsrecht, Miet- und Eigentumsrecht im Angebot, die aber weder so passgenau noch so günstig sind, wie eine bedarfsgerechte Einzelversicherung.

Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

Spielzeugfiguren, gestapelte Münzen, Paragraphen-Zeichen
Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Tarife mit den besten Leistungen und die preiswertesten Versicherer finden Sie in Vergleichsportalen im Internet. Eine gute Versicherung, die für Ihre Familie alle gängigen Bereiche abdeckt, kostet Sie etwa 200 Euro pro Jahr, preiswerter Verkehrsrechtschutz ist schon ab rund 50 Euro zu haben. Policen mit vielen Extras können schon mal bis zu 500 Euro kosten. Lassen Sie sich nicht von einer unbegrenzten Deckungssumme ködern, die es oft nur gegen Aufpreis gibt. Bei den meisten Policen sind Sie ohnehin bis maximal 300.000 Euro abgesichert. Wichtig: Rechtsschutzversicherungen mit Selbstbeteiligung sind rund 20 Prozent günstiger als Tarife ohne. Zuzahlen müssen Sie aber oft erst, wenn Ihr Streit vor Gericht landet. Wird die Sache vorher bei einer Mediation oder einem Friedensrichter geklärt, zahlen Sie nix. 

 Kann ich den Anwalt selbst wählen?

Grundsätzlich sind Sie in der Wahl Ihres Anwaltes frei. Die Versicherungen können Ihnen also keine Mehrkosten aufdrücken, wenn Sie einen eigenen Verteidiger wählen. Allerdings locken einige Versicherungen mit Rabatten, wenn Sie deren vorgeschlagene Anwälte wählen.

Vorsicht! Eine Rechtschutzversicherung greift nicht immer

Wenn die Versicherung nur geringe bis gar keine Chancen auf Erfolg des Prozesses sieht, kann sie Ihnen die Hilfe verweigern. Unsere Expertin empfiehlt deshalb: "Der Vertrag sollte die Möglichkeit enthalten, einen unabhängigen Gutachter einzuschalten für den Fall, dass der Versicherer keine Deckungszusage gibt, also die Übernahme eines Rechtsstreits verweigert." Durch den sogenannten Stichentscheid haben Sie die Möglichkeit, kostenlos prüfen zu lassen, ob ein Prozess Sinn macht oder nicht. Auch ein Schiedsgutachterverfahren ist so möglich. An das Ergebnis der Gutachter müssen sich Versicherung und Versicherter halten. 

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 10. Januar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2017, 15:52 Uhr