Umschau-Quicktipp | 14.02.2019 Regeln für das Homeoffice

Glaubt man den Experten, dann steht uns in Sachen Arbeitswelt ein Wandel bevor. Arbeiter und Angestellte sollen flexibler eingesetzt werden und nach Möglichkeit auch von zu Hause arbeiten können. Das soll sogar gesetzlich festgelegt werden. Homeoffice ist jetzt schon in einigen Arbeitsbereichen Realität. Und es klingt ja auch verlockend: das Haus nicht verlassen müssen, kein Stau zur Arbeit und zurück, Geld verdienen fast von der Couch aus. Doch beim Homeoffice gibt es einige Regeln und Fallstricke zu beachten.  

Die Vorteile

Sollte Ihnen der Chef erlauben, von zu Hause aus zu arbeiten, dann sparen Sie neben der Anfahrtszeit zur Firma auch die Kosten für Sprit oder Bahn. Mal abgesehen von Videokonferenzen, müssen Sie sich auch nicht fürs Büro zurechtmachen. Das heißt, Sie sparen Zeit im Bad und Geld für teure Kleidung. Wer clever kocht, der spart sich Essens- und Kaffeegeld. Weiterer Vorteil: Zu Hause können Sie in Ruhe arbeiten. Keine Kollegen, die im Büro schwatzen und Sie ständig ablenken. Sie können sich Ihre Zeit frei einteilen. Fachleute für Arbeitsabläufe behaupten, so kommt man schneller und kreativer voran. Homeoffice ist aber auch für ihren Arbeitgeber ein Modell mit Sparpotential. Er hat weniger Ausgaben für Büromiete und anfallende Nebenkosten.

Die Nachteile

Auch zu Hause drohen Ablenkungen. Wer die Mittagspause vor dem Fernseher verbringt, der muss sich von dort erstmal wieder lösen. Außerdem müssen Sie mit ihrer Arbeit vorwiegend allein zurechtkommen. Für Konferenzen und Beratungen brauchen Sie eine gute stabile Internetverbindung. Auf dem berühmten kurzen Weg etwas zu klären, ist da eher schwierig. Psychologisch gesehen kann die Arbeit im Homeoffice zu einer Dauerbelastung werden, wenn Sie Arbeitszeiten und -aufgaben nicht klar von ihrem Privatleben trennen. Außerdem müssen Sie zu Hause mit erhöhten Nebenkosten rechnen.

Wer hat ein Anrecht auf Homeoffice

Eine Statue der Justitia
Bildrechte: dpa

"Derzeit niemand", lautet die klare Antwort vom Anwalt für Arbeitsrecht Stephan Hoppe. Der Experte weiter: "Es gibt in Deutschland keinen rechtlichen Anspruch darauf, dass Sie von zu Hause aus arbeiten können. Das muss in ihrem Arbeitsvertag, in einem Tarifvertrag oder in einer betrieblichen Vereinbarung erst so festgelegt werden." Selbst wenn einer oder mehrere Ihrer Kollegen zu Hause arbeiten dürfen, können Sie das Gleiche nicht automatisch von ihrem Chef verlangen. Es gibt nur eine Ausnahme: Das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) legt für den öffentlichen Dienst fest, dass der Arbeitgeber Beschäftigten einen Heimarbeitsplatz anbieten muss, wenn sie mit Familien- oder Pflegeaufgaben betraut sind. Allerdings darf ein Dienstherr seinen Angestellten nicht verpflichten, im Homeoffice zu arbeiten. Das Landgericht Berlin Brandenburg hat im Oktober 2018 ein entsprechendes Urteil gefällt (Az.: 17 Sa 562 vom 10.10.2018).

Klare Absprachen

Wer im Homeoffice arbeiten darf oder muss, sollte die Grundlagen der  Heimarbeit schriftlich festhalten. "Fixieren Sie mit ihrem Chef genau die Zeiten, zu denen Sie zu Hause arbeiten und erreichbar sein müssen", so der Experte. Dabei gelte das Arbeitsschutzgesetz im Homeoffice genauso wie vor Ort beim Arbeitgeber: Das besagt unter anderem, dass zwischen zwei Arbeitstagen mindestens eine elfstündige Pause liegen muss oder dass für Nacht-, Sonn- und Feiertage Zuschläge zu zahlen sind. "Mitarbeiter im Homeoffice sollten des Weiteren klären, wer die notwendige Technik stellt, die Kommunikation bezahlt, sowie für die einwandfreie Funktion und Wartung der Geräte verantwortlich ist", so der Experte. Besondere Geräte und/oder Programme seien nach der neuen Datenschutzverordnung vor allem dann notwendig, wenn mit personenbezogenen Daten von zu Hause aus gearbeitet werden muss. Zudem sollten sich Mitarbeiter bescheinigen lassen, ob und in welchem Umfang Sie Ihre Arbeitsmittel privat nutzen können. Auch der Arbeitsplatz muss allen Arbeitsschutzvorschriften entsprechen. Dazu zählt beispielsweise ein verstellbarer Schreibtischstuhl, eine bestimmte Höhe des Schreibtisches oder auch eine adäquate Raumtemperatur.

Das Versicherungsproblem

Neben der Technik ist vor allem die Versicherung im Homeoffice ein großes Problem. Im klassischen Arbeitsverhältnis sind Sie auf dem Weg zur Arbeit, auf Arbeit selbst und auf dem Weg nach Hause versichert. "Sollten Sie dort einen Unfall haben und durch einen längeren Ausfall Lohn einbüßen, springt die Berufsgenossenschaft ein und sorgt für Ausgleich", so unser Arbeitsrechtsexperte. "Und genau hier gibt es nun die meisten Probleme mit dem Homeoffice. Wann ist man zu Hause versichert und wann nicht?" Hier gibt es die meisten Streitigkeiten vor Gericht. Die Berufsgenossenschaft habe Angst, dass im Homeoffice alle Unfälle zu Hause zunächst als Arbeitsunfall angegeben werden, so Rechtsanwalt Hoppe. Die Gesetzeslage ist dabei längst nicht eindeutig: Laut einem Urteil des Bundessozialgerichtes aus dem Juli 2016 sind Sie beim Homeoffice nur bei Tätigkeiten versichert, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen. Gehen Sie vom Schreibtisch zum Regal, um dort ein Arbeitsordner zu holen und Sie brechen sich dabei ein Bein, sind Sie versichert. Gehen Sie vom Schreibtisch in die Küche, um sich ein Glas Wasser zu holen und Sie brechen sich dabei ein Bein, sind Sie nicht versichert. Ein wenig anders urteilte das Bundessozialgericht im November 2018 (B 2 U 28/17 R): So könne ein Sturz auf einer Kellertreppe zu Hause als Arbeitsunfall gelten, wenn sich die Treppe auf dem Weg zum Homeoffice-Arbeitsplatz befinde.

Die Steuer

Um den heimischen Arbeitsplatz und die damit verbundenen Kosten steuerlich geltend machen zu können, müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Nach einem Beschluss des Bundesfinanzhofs vom Januar 2016 gibt es drei Kategorien:

  • Sie haben in der Firma dauerhaft einen festen Arbeitsplatz, also Schreibtisch, an dem nur Sie arbeiten. Dann brauchen Sie das Homeoffice nicht zwingend und können es auch nicht steuerlich geltend machen. 
  • Sie gehen zwar auf Arbeit, haben dort aber keine festen Arbeitsplatz und müssen einige Dinge von zu Hause aus bearbeiten, wie etwa Lehrer oder Außendienstler. Dann können Sie bis zu 1250 Euro an Kosten pro Jahr geltend machen.
  • Sie verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit am heimischen Arbeitsplatz, wie etwa Autoren oder Programmierer. Dann können Sie alle Kosten steuerlich geltend machen.

Das vom Finanzamt anerkannte Homeoffice ist ein separater Raum in ihrer Wohnung, der überwiegend für ihre Arbeit genutzt wird. "Ein Raum mit einer Gästecouch für gelegentliche Übernachtungen ist kein Problem. Aber ein Wohnzimmer mit kleiner Computerarbeitsecke, das wird nicht anerkannt", so Rechtsanwalt Stephan Hoppe.

Der Vermieter

Sollten Sie Ihr Heimbüro in einer Mietwohnung haben, dann kann der Vermieter Ihnen das nicht verbieten. "Laut einem Urteil des BGH muss allerdings die Wohnung weiter als solche genutzt werden. Der Charakter dieser Nutzung darf sich nicht verändern", erklärt unser Experte. Mit dem Computer am Schreibtisch arbeiten, das macht man üblicherweise auch in der Wohnung. Sollten Sie aber regelmäßig Sitzungen mit vielen Leuten in Ihrem Homeoffice veranstalten, dann hat das mit einer wohnlichen Nutzung nichts mehr zu tun. Hier könnte der Vermieter einschreiten.    

Homeoffice in der Zukunft

Der Arbeitsrechtexperte Hoppe sieht die Chancen des Homeoffice in der Zukunft. "Auch die gesetzlichen Grundlagen werden sich an die Anforderungen von Industrie 4.0 und ähnlichen Entwicklungen anpassen müssen." Geplant ist, das "Recht auf Homeoffice" gesetzlich zu verankern. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales arbeitet aktuell an einem Gesetzentwurf. Ein Recht im Sinne eines schrankenlosen Anspruchs des Arbeitnehmers auf Arbeit im Homeoffice ist dabei aber nicht beabsichtigt. Eine ähnliche Regelung besteht seit 2016 in den Niederlanden. Auch die Niederländer räumen Arbeitnehmern kein bedingungsloses Recht auf Heimarbeit ein. Der Arbeitgeber ist lediglich verpflichtet, einen entsprechenden Antrag mit dem Mitarbeiter zu beraten und eine negative Entscheidung schriftlich zu begründen. Kleinbetriebe sind von den Vorgaben gänzlich befreit. Hoppe rechnet nicht damit, dass es einen Gesetzentwurf noch in diesem Jahr gibt, schließlich müssten zu viele neue Aspekte wie Versicherungsschutz, Arbeitszeiten und ähnliches schriftlich fixiert werden.

Fazit

Derzeit hat noch niemand ein Recht auf Homeoffice, doch in Tarif- und Arbeitsverträgen kann solch ein Modell durchaus rechtlich verbindlich verankert sein. Allerdings müssen bei diesem Arbeitsmodell viele Aspekte berücksichtigt werden: So gilt sowohl das Arbeitszeitgesetz als auch das Arbeitsschutzgesetz im Homeoffice. Deshalb sollte jeder vor Beginn des Homeoffice schriftlich seine Arbeitszeiten fixieren. Auch sollte Klarheit herrschen, wer welche Arbeitsgeräte und Software beschafft und auch wartet. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der neuen Datenschutzregelungen notwendig. Probleme gibt es derzeit vor allem bei der Frage der Versicherung und wann welche Verletzung als Arbeitsunfall angesehen wird. Derzeit wird ein neues Gesetz erarbeitet, welches Homeoffice unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich erlauben soll. Dabei sollen auch Fragen zur Versicherung und zu den Arbeitszeiten integriert werden. Experten rechnen aber erst in einem Jahr mit einem ersten Entwurf.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 00:10 Uhr