Umschau-Quicktipp | 02.07.2018 Was gehört in die Reiseapotheke?

In erster Linie bestimmen das Reiseziel, sowie die Art und die Länge der Reise die Größe und den Inhalt Ihrer Reiseapotheke. Erholen Sie sich in Deutschland relativ stadtnah in einem Bungalow, können Sie bei Bedarf in die nächste Apotheke gehen und sich nach Bedarf Pflaster oder Kopfschmerztabletten besorgen.

Geht es dagegen ins Ausland oder auf einen Abenteuertrip in die unberührte Wildnis, sollten Sie das Notwendigste für eine erste Versorgung dabei haben. Dabei kann es sinnvoll sein, manches erst vor Ort zu kaufen. Im europäischen Ausland bekommen Sie in der Regel in den Apotheken ebenfalls alle gängigen Medikamente, teils sogar deutlich günstiger als bei uns. "Anders ist das zum Beispiel in afrikanischen Ländern. Dort können Sie nicht immer sicher sein, dass Sie Original-Medikamente bekommen und ob es überhaupt das gibt, was Sie gerade brauchen. Dorthin würde ich wirklich immer möglichst alles mitnehmen", rät Apothekerin Dr. Anne-Katrin Habermann.

Urlaub beansprucht den Körper anders

Eine Reise ist immer etwas Besonderes. Das bekommt auch Ihr Körper mit. Schon eine einfache Fahrt an die See oder in die Berge kann für Aufregung, Kopfschmerzen oder Verdauungsstörungen sorgen.

Fliegen Sie durch mehrere Zeitzonen, kann Ihr Körper mit Schlafstörungen reagieren. Deshalb sollten Sie auch Medikamente mitnehmen, die Sie zu Hause im Normalfall nicht nehmen. Im Urlaub bewegen Sie sich mitunter auch mehr als daheim. Deshalb können Sie sich auch schneller etwas verstauchen, zerren oder eine Blase bekommen. Erkältung im windigen Zelt, Sonnenbrand am Strand oder Durchfall nach ungewohntem Essen, sind zusätzliche Urlaubsbelastungen. Den Durchfall bekommen Sie übrigens meist nicht, weil vor Ort schlampig gekocht wurde, sondern weil sich im dortigen Wasser andere Keime befinden als bei uns. Die einheimischen Bevölkerung ist daran gewöhnt, die Urlauber dagegen nicht.

Fertige Reiseapotheke vs. individuelle Zusammenstellung

fertige Reiseapotheke in einem Koffer
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Unsere Expertin rät klar zur Individualität: "Es gibt zwar vorgepackte Reisapotheken zu kaufen. Wir beraten aber lieber ganz individuell. So nehmen Sie genau das mit, was Sie brauchen."

Eine fertige Reisapotheke kostet zwischen 15 Euro und 50 Euro. Individuell zusammengestellt, können Sie auch Mittel mitnehmen, die Sie noch zu Hause haben. Das spart Kosten und führt dazu, dass Sie nicht sinnlos Medikamente horten, die Sie im Urlaub gar nicht brauchen.

Checkliste Medikamente

Nehmen Sie für den normalen Familienurlaub Mittel gegen Folgendes mit:

  • Reiseübelkeit
  • Durchfall/Verstopfung
  • Fieber, Schmerzen und Erkältung
  • Schlafstörungen
  • Sonnenbrand
  • Insektenstiche (vor allem auch vorbeugend)
  • Allergien
  • Malariamittel (bei Reisen in entsprechende Gebiete)

Außerdem und gerade bei Reisen mit Kindern sollten Ohren- und Augentropfen, ein sanftes Desinfektionsmittel zum Wundereinigen und Kühlgel in die Apotheke gepackt werden. Wer sehr aktiv unterwegs ist, dem sind Eisspray und schmerzstillende Gels und Salben für Muskeln und Gelenke zu empfehlen.

Checkliste Hilfsmittel

Für kleinere Verletzungen und Verstauchungen brauchen Sie folgenden Vorrat:

  • Mullbinden
  • Elastische Binden
  • Pflaster in verschiedenen Größen, auch wasserfest
  • Blasenpflaster
  • sterile Auflagen
  • Sicherheitsnadeln
  • Fieberthermometer (ganz wichtig bei Reisen mit Kindern)
  • Pinzette, Schere

Ihre gewohnten Medikamente

Arzneimittel auf einer Weltkarte
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Mittel gegen Blutdruck oder Diabetes und alle anderen zu Hause eingenommenen Medikamente gehören selbstverständlich auch in die Reiseapotheke. "Wir empfehlen da immer ein gutes Drittel über den eigentlichen Bedarf mitzunehmen. Fall Sie auf der Reise Probleme mit Transport und Reiseverbindungen haben, werden Ihre benötigten Mittel so nicht knapp", rät Apothekerin Dr. Habermann. Beachten Sie bei längeren Reisen die Haltbarkeit der Medikamente. Auch die Antibabypille ist ein Medikament. Besprechen Sie die veränderte Einnahme Ihrer Medikamente bei Reisen in andere Zeitzonen vorher mit Ihrem Arzt.

So transportieren Sie die Medikamente richtig

Gerade bei Reisen in den Süden sind Medikamente mitunter großer Wärme ausgesetzt. Das kann ihre Wirksamkeit beeinflussen. "Manche Tropfen die Sie genau abzählen müssen, tropfen bei großer Wärme schneller, auch manches Asthmaspray sprüht bei Hitze nicht mehr gleichmäßig", warnt Dr. Habermann. Transportieren Sie Ihre Reisapotheke deshalb am besten in einer festen Tasche mit Thermopolster. Die gibt es in der Apotheke oder im Internet. So sind Ihre Medikamente vor Stößen und großen Temperaturschwankungen geschützt. Beachten Sie bei allen Medikamenten immer das Haltbarkeitsdatum und bei welcher Temperatur sie gelagert beziehungsweise transportiert werden dürfen. Nehmen Sie auch immer die Beipackzettel und Dosierungsanweisungen mit.

Wichtige Medizin ins Handgepäck

Verschiedene Kondome
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Bei Flugreisen gehört die Medizin, die Sie wirklich dringend brauchen, ins Handgepäck. Haben Sie die Mittel im Koffer und geht der irgendwo verloren, wird es unter Umständen kritisch. Auch die Pille sollten Sie immer an der Frau haben. Übrigens: Sollten Sie mit Kondomen verhüten, kaufen Sie diese zu Hause und bewahren Sie sie wie Medikamente auf. Sie wissen nie, welche Qualität die Produkte am Urlaubsort haben.

In warmen Regionen keine Zäpfchen

Schmerz oder Fieberzäpfchen sollen sich bei Körpertemperatur auflösen. "Wenn es also wärmer als 36 Grad wird, können die Zäpfchen schon in der Packung weich werden. Dann können Sie sie nicht mehr verabreichen. Greifen Sie da lieber zu Wirkstoffen in Tropfen oder Säften", rät unsere Expertin.

Kleine wichtige Helfer

Um sich im Ernstfall vor Ort in der Apotheke oder beim Arzt verständlich machen zu können, gibt es von einigen Krankenkassen kleine Begleithefte. Darin stehen die wichtigsten Vokabeln für Medikamente und Krankheiten in verschiedenen Sprachen. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach. So ein Heft mit vorformulierten Sätzen und speziellen Vokabeln ersetzt langwieriges Suchen nach einzelnen Begriffen im Wörterbuch. Auch Übersetzungs-Apps auf dem Smartphone können hilfreich sein.

Reisebestimmungen beachten

Beachten Sie besonders beim Transport von Schlaf- und Schmerzmitteln, welche Regelungen dazu in Ihrem Urlaubsland gelten. Informieren Sie sich im Zweifel bei Konsulaten, Botschaften oder im Auswärtigen Amt. Lassen Sie sich am besten von Ihrem behandelnden Arzt schriftlich bestätigen, dass Sie diese Medikamente brauchen und mit sich führen müssen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 02. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2018, 10:36 Uhr