Umschau-Quicktipp | 11.10.2018 Rheuma erkennen und behandeln

Wer einmal Rheuma hat, bekommt es in der Regel nicht mehr los. Dabei ist Rheuma gar keine eigenständige Krankheit, sondern der Oberbegriff für über 100 unterschiedliche rheumatische Erkrankungen. Was wir landläufig als Rheuma bezeichnen, ist die Rheumatoide Arthritis. Wie sie entsteht, was sie für die Betroffenen bedeutet und wie sie behandelt wird, haben wir mit der Geschäftsführerin der Rheuma-Liga Sachsen e.V., Heike Herbst, geklärt.

Was ist Rheuma?

Die Rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung, bei der sich das Immunsystem des Körpers, also unsere Abwehr, gegen den eigenen Körper richtet. Das Immunsystem sieht dabei körpereigene Stoffe als fremd an. Fehlgesteuerte Immunzellen wandern unter anderem in die Gelenke und produzieren dort Stoffe, die eine Entzündung auslösen. Dabei werden die Gelenkhäute, Knorpel, Knochen und Bänder angegriffen und zerstört. Diese Form des Rheumas ist eine sogenannte Autoimmunkrankheit, die ohne aber auch durch äußere Einflüsse ausbrechen kann. Die Krankheit führt zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Betroffenen klagen auch über Erschöpfungszustände. Oft verläuft die Krankheit in Schüben. Phasen von wochenlanger Schmerzfreiheit können plötzlich durch einen solchen rheumatischen Schub unterbrochen werden. In der Regel verschlimmert sich die Krankheit immer weiter. Sie kann nach heutigem Erkenntnisstand nicht geheilt werden. Lediglich die Symptome und der Verlauf können verringert und gebremst werden.     

Wer ist betroffen?

Bei schmerzenden und geschwollenen Gelenken, teils mit verformten Fingern und Zehen, denkt man zunächst an ältere Menschen. Doch die Rheumatoide Arthritis macht vor keinem Alter halt. Unter den über 500.000 in Deutschland betroffenen Patienten finden sich Männer und Frauen unter 30 Jahren und sogar bis zu 1500 Kinder erkranken jährlich neu daran. Noch sind die genauen Ursachen der Rheumatoiden Arthritis nicht endgültig erforscht. Fakt ist aber: Erbliche Veranlagungen und schädliche Umwelteinflüsse, wie das Rauchen oder auch Stress können an der Entstehung beteiligt sein. Trotzdem trifft es die meisten völlig unerwartet. Dazu Heike Herbst von der Rheumaliga Sachsen: „Sie können das nach unserer Kenntnis nicht durch eine bestimmte Lebensweise verhindern. Gesund zu leben, sich gut zu ernähren, das sind sicherlich Faktoren die immer wichtig sind. Es kann Sie aber trotzdem treffen. Also ist die Krankheit ist keine Frage Ihrer eigenen Schuld.“ 

Wie stellen Sie Rheuma fest?

Eine weibliche Hand umfasst das Gelenk der anderen Hand. Die Stelle ist rot eingefärbt.
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Ein gelegentliches Ziehen und Reißen in Knochen und Gelenken ist noch kein Grund zur Besorgnis. Sehnen, Knorpel, Bänder und Muskeln können durch Sport oder einseitige Belastungen auch mal so schmerzen. Allerdings sollten Sie (besonders auch bei Vorerkrankungen in der Familie) aufmerksam sein, denn: Die Rheumatoide Arthritis kommt in der Regel nicht plötzlich, sie schleicht sich quasi ins Leben der Betroffenen. Es gibt aber auch Fälle, da ist die Krankheit einfach von jetzt auf dann da. Unsere Expertin kennt ein untrügliches Zeichen: „Die berühmte Morgensteifigkeit sollte Sie aufmerksam machen. Wenn Sie das bei sich häufiger feststellen und Sie erst nach ein paar Minuten Bewegung wieder ohne Schmerzen auskommen, suchen Sie einen Arzt auf und lassen Sie das abklären. Je früher, desto besser.“ Betroffene leiden häufig auch unter leichtem Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Oft sind symmetrische Gelenke betroffen, also beide Schultern oder beide Knie.

Was sollten Sie beim Verdacht auf Rheumatoide Arthritis tun?

Wichtigster Rat der Rheumaexpertin: „Gehen Sie so schnell wie möglich zum Arzt. Je eher die Krankheit erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden.“ Dabei geht es nicht nur um die Reduzierung der Schmerzen. Vor allem ist wichtig, das Fortschreiten der Gelenkzerstörung zu stoppen beziehungsweise zu bremsen. Je früher eine Therapie beginnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, bleibende Schäden zu verhindern. Die Krankheit bleibt zwar, Sie könnten damit aber ein fast normales Leben führen.

Was macht der Arzt?

Eine junge Ärztin sitzt mit einer älteren Frau an einem weißen Tisch, auf dem ein Laptop steht, und unterhält sich mit ihr.
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Erster Anlaufpunkt ist Ihr Hausarzt. „Der führt eine gründliche Anamnese, also Erfassung der Krankheitsgeschichte durch. Er wird Sie über Ihre Familiengeschichte und Ihre Lebensweise befragen, die Symptome abklären und eine Blutuntersuchung durchführen“, so Heike Herbst. Bestätigt sich der Verdacht auf eine entzündliche Gelenkerkrankung, dann bekommen Sie eine Überweisung zum Rheumatologen. Dort wird genau geschaut, welche Form der Krankheit Sie haben, wie weit sie fortgeschritten ist und so weiter. 

Wie wird die Krankheit behandelt?

Keine Rheumatoide Arthritis ist wie die andere. Die Krankheitsbilder sind ganz individuell, ebenso die Schwere und der Verlauf. Deshalb gibt es auch keine Behandlung von der Stange. Dazu unsere Expertin: „Die Behandlung ist ein Mix aus Medikamenten gegen Schmerzen und Entzündung, aus Bewegung, Physiotherapie aber auch Beratung und Begleitung. „Wichtig ist, die Gelenke mobil also beweglich zu halten. Ist die Krankheit weit fortgeschritten, kann es nötig sein, ein zerstörtes Gelenk durch ein künstliches zu ersetzen. Manche Patienten müssen mehrere solche Operationen über sich ergehen lassen. Oberstes Ziel aller Behandlungen ist, eine möglichst große und schmerzfreie Beweglichkeit des Patienten zu erhalten."

Was können Sie selbst noch tun?

Die Patienten müssen sich aktiv an der Behandlung der Krankheit beteiligen. Mehr Bewegung, eine gesunde Ernährung, Stressreduktion gehören ebenso dazu wie Gesprächstherapien und der Wille, die Krankheit lebenslang anzugehen. „Wir fassen das unter Beraten, Begleiten und Bewegen zusammen und raten allen Betroffenen, die Krankheit anzunehmen, zu akzeptieren. Sie müssen sich selbst informieren, mit andern Betroffenen reden, nach neuen Behandlungsformen schauen. Dann können Sie Ihr Leben auch mit der Rheumatoiden Arthritis in der Regel gut meistern“, so der Rat unserer Expertin.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 11:50 Uhr